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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 663 -
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6631. März 1847 mich über die berüchtigte neue straße von da bis strzedokluk und war nach 12 uhr mittag heute in Prag, wo ich in den drey linden abgestiegen bin. neben mir wohnt onkel toni, die Waldsteins wohnen bey colloredo, eg- bert [Belcredi] aber, auf den ich als introducteur bey den hiesigen ständen zählte, kömmt leider erst in ein paar tagen. Auch erzherzog stephan, für den ich einen speech in petto habe, ist noch nicht hier. ich fand einen Brief von gabrielle vor, aus dem ich entnehme, daß die erste sendung bereits in Wien ist. diesen Abend brachte ich bey Belcredi zu, tante toni [Waldstein], celine [Belcredi], Albertine coudenhoven, constance, tesi thun etc. waren dort. [Prag] 1. märz 1847 Abends ich stecke in der Politik bis über die ohren, d.h. in den hiesigen ständischen dingen. fritz deym, so ziemlich der chef der hiesigen opposition, hat mich mit großer Wärme aufgenommen, und ich habe mit ihm häufige (gestern eine 4stündige) conferenzen gehabt. er hat mir viele materialien gegeben, noch mehrere versprochen und will mich au courant der ständischen Bewe- gungen erhalten für meine mittheilungen an die Allgemeine Zeitung. mehr Werth aber noch legt er auf eine geschichtliche darstellung des ständewe- sens in oesterreich seit 1815 (merkwürdige coincidenz mit g. lerchenfeld!) und will, ich soll diese schreiben. mir will diese sache aus bereits angegebe- nen gründen nicht einleuchten, aber vedremo. übrigens ist er nicht mein mann: reiner Aristokrat, alle politische färbung ängstlich vermeidend und vorerst (so sagt er wenigstens) nur die herstellung des Alten wollend: pfiffig und homme aux expédients. er hat mich zu Pepi thun geführt, ein politi- cal waverer, aber bedeutend durch geist und stellung. dieser las uns einen superben vortrag vor, den er in der nächsten versammlung zur Aufrecht- haltung des vorjährigen ständeschlusses wegen erhöhung der dominical- steuer halten will. die regierung arbeitet nämlich jetzt mit gewohnter Perfi- die daran, eine majorität dagegen zu organisiren, was bey der kurzsichtigen selbstsucht vieler stände leider nur zu leicht seyn dürfte, um sodann – den Beschluß dieser majorität nicht anzunehmen, so die stände zu prostituiren und ihre eigene Popularität zu erhöhen! hartig war im sommer bey Procop lazanzky in chiesch und half ihm, seinen unseligen Antrag ausarbeiten.1 dagegen muß nun die Publicität dieses infamen Beginnens helfen. heute 1 die frage der weiteren gültigkeit oder notwendigen neubewilligung des 1846 votierten grundsteueraufschlags auf das dominikalland bildete einen hauptpunkt der debatten des böhmischen Landtags, der vom 3.5. bis 1.6.1847 tagte. Graf Prokop Lažanzký hatte im oktober 1846 den in der minderheit gebliebenen Antrag eingebracht, dieser Aufschlag sei lediglich für 1847 votiert worden. vgl. eintrag v. 4.11.1846.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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