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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher664 erschien ein langer Artikel in diesem sinne in den grenzboten,1 und ich will unter fremden nahmen und gewand (um nicht in so gehässiger Weise zu debütiren) einen kürzeren und milderen Artikel der Allgemeinen Zeitung einsenden. meine hauptidee einer konstituirung der fortschrittspartey durch erlas- sung eines öffentlichen Programms konnte ich daher bey deym’s tendenz diesem nicht anbringen, that es dagegen bey franz thun und neuberg, viel- leicht keimt die saat. heute gab mir deym ein diner, wozu er franz collo- redo, Albert nostitz, carlos Auersperg, franz thun etc. einlud, so ziemlich die Bedeutendsten des hohen Adels, thun bey weitem der bedeutendste. nach tisch las er uns einen vortrag, er nennt es sein politisches testament, welchen er zu halten beabsichtigt, und der lebhafte discussion erweckte. die commission zur Wahrung der ständischen rechte hat eine staatsrechtliche deduktion verfaßt, wozu deym und neuberg Beyträge lieferten, die beyde, namentlich letzterer, das historische umfassend, meisterhaft sind. das ganze ist hervorgerufen durch ein reskript vom vorigen Jahre, worin der kaiser sich auf sein angebliches recht beruft, laut der landesordnung die ständischen rechte zu modifiziren. neuberg, mit dem ich ebenfalls lange und mehrere unterredungen hatte, besitzt weit mehr kenntnisse, logik und Brauchbarkeit als deym, dessen zu resches Auftreten, namentlich in der steuerfrage, er beklagt. dagegen ist er viel behutsamer, aber auch entschiedener: er will die stände als volks- vertretung ausbilden und nöthigenfalls an den Bundestag gehen. Auch er versprach mir Alles mögliche, bey tische warnte man mich heute vor ihm als einem hauptczechen. endlich ist egbert [Belcredi], welcher seit einigen tagen hier ist und mir manches gebracht hat, voll der besten Ab- und An- sichten, aber noch etwas in Allgemeinheiten taumelnd. deym gab mir einen Aufsatz Palackys über die historische entwicklung der böhmischen landstände, nicht viel neues, aber voll der genialsten ideen: Polarität: centralisation und öffentliche meinung. indifferenzpunkt: natio- nalität. Auf eines dieser 3 müssen sich die stände fußen. salm’s stellung ihnen gegenüber ist eine armselige, doch ist er wenigstens ehrlich, ich warnte sie vor rudolf stadions leichten manieren. ich bin überall mit großer Wärme, ja hie und da mit enthusiasmus aufge- nommen worden, mein 2. theil scheint noch besser zu gefallen als der 1., das nämliche schreibt mir gabrielle von Wien, am wenigsten noch den reinen Aristokraten, z.B. deym, der mich gerne herumkriegen möchte. neuberg hat 1 die grenzboten. Zeitschrift für Politik und literatur 6 (1847), i. semester, i. Bd., 289–292. Bescheidene supplik eines bürgerlichen gutsbesitzers an die hohen stände Böhmens. der Artikel ist gezeichnet mit n. n. Bürger der königlichen stadt Budweis und gutsbesitzer.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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