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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher666 eine interessante Bekanntschaft, die ich bey neuberg machte, war die Palacky’s, eines ultra-czechen, der schon unter der thüre von nationalität zu schreyen anfing. neuberg zeigte mir ein merkwürdiges dokument: ein schreiben des Pra- ger erzbischofs an ihn als vorstand des böhmischen litteraturvereines,1 womit er sich über ein von demselben gedrucktes handbuch der geogra- phie in böhmischer sprache [beklagt]. der Bischof klagt bitter über die darin enthaltene entstehungsgeschichte der erde als den mosaischen Bü- chern widerstreitend!! übrigens sträubt sich derselbe Prälat kräftig gegen die einführung der Jesuiten, welche auch dort zu spucken anfangen (hé- lène lobkowitz hat nämlich für sie ein haus gekauft), aber im Publikum entschiedenen Widerwillen finden. die arme fridérique thomas geb. hildprandt, die ich noch ein paar tage früher frisch und munter sah, starb noch während ich in Prag war in folge ihrer entbindung. camill rohan, ein gutmüthiger französischer schwätzer, sah ich viel, den letzten Abend war ich bey Colloredo mit einer Schaar magnifiquer Comtessen. Am 3. aß ich noch mit egbert [Belcredi] im schwarzen roß, ich hinterließ ihm einen pseudonymen Artikel für die Allgemeine Zeitung und die mis- sion, an meiner lieblingsidee eines liberalen Programms zu arbeiten, und fuhr dann ab und war tags darauf gegen mittag in Wien. hier erwartete mich häusliches unglück: mein Jäger warf sich mir zu füßen, wollte sich erschießen und gestand mir, daß er von der lotteriewuth ergriffen einen theil meines silbers versetzt habe. mir ist diese sache sehr unangenehm. die ganze Welt spricht hier von meinem Buche. Alles macht mir die größ- ten complimente, man sieht es für gemäßigter und gehaltener an als ich selbst glaubte, in den höchsten Kreisen findet es vielen Anklang, neulich wurde es auch im salon ficquelmont mit großem lobe besprochen. Aber Al- les bleibt beym Alten, nur auf die stände hat es, wie Breuner, doblhoff etc. mir sagen, sehr kräftig gewirkt, es ist eben jetzt ständische versammlung, und es herrscht der beste, freysinnigste geist, sie haben eine commission zur Ausarbeitung eines communalgesetzes ernannt, die repräsentation des 4. standes urgirt etc. ich habe übrigens bis jetzt Alles dieses und vie- les Andere nur ganz oberflächlich vernommen, weil ich noch in der ersten hetze der Ankunft bin. In Pesth findet am 14. große Zusammenkunft der Opposition statt. Erz- herzog stephan ist immer hier, stellt seine Bedingungen und will einstwei- 1 fürsterzbischof von Prag war seit 1838 frh. Alois Josef v. schrenck. gemeint ist wohl die Matice česká, deren Kurator Ritter Jan Norbert v. Neuberg 1841–1852 war.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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