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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 670 -
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Tagebücher670 delte celebritaet anzugreifen. ich selbst wollte es nicht thun, um nicht auf diesem kitzlichen felde meine Autorität zu riskiren. inzaghy’s Bombe ist geplatzt, ich soll, da ich meinen urlaub (seit octo- ber vorigen Jahres!!) überschritten habe, nun sofort nach mailand zurück kehren oder die dagegen obwaltenden Anstände anzeigen. das ist doch zu dumm!! Anfangs wollte ich gar nicht antworten, auf doblhoffs Zureden aber that ich es, erinnerte ihn an mein zweymaliges entlassungsgesuch, an erzherzog stephans intervention, an sein Anerbieten im november vorigen Jahres, mich als unbestimmt beurlaubt anzusehen, und erklärte, daß unter diesen umständen von nichts Anderm die rede seyn könne als von meiner entlassung, um die ich nun zum 3. mahle ansuchte. Wir wollen nun sehen was geschieht. Pillersdorf besuchte ich neulich, wir sprachen lange über ständische verhältnisse, ohne jedoch meine fata zu erwähnen. heute Abend war eine der periodischen soirées bey doblhoff, wo leo thun einen ungeschickten vortrag über ständische verfassung und deren vermeintlichen unterschied von den anderen repräsentativsystemen hielt, welcher entschiedenen Widerspruch fand. dieser mann wird mir mit sei- nem mystisch-confusen Wesen à la clemens hügel und fritz schwarzen- berg täglich unangenehmer, ich lasse mich bis jetzt in diesen soiréen in keine öffentlichen diskussionen ein. für die rolle, die ich spielen will und muß, scheint mir dieß unpassend. sommaruga will das nächstemahl einen vortrag über Adelsreform, wie ich ihn zur sprache bringe, halten und war deßhalb neulich bey mir. Albert deym (wie mir scheint ein schwachmati- kus) und Procop lazanzky sprachen mich über böhmisch ständische sa- chen etc., und so vergeht kein tag sine linea, und die sache macht sich nach und nach so, wie ich es wünschte und voraussah. Apropos von böhmischen ständen scheint sich die hiesige opposition gegen den steuerschluß des vo- rigen Jahres nach und nach zu legen, weil sie der regierung in die karten gesehen haben. ich habe jetzt die idee, eine übersetzung der lombardischen comunal- verfassung, so wie sie gegenwärtig factisch besteht, hier herausgeben zu lassen, und habe strasoldo dazu veranlaßt, dieses unternehmen wäre jetzt bey dem von den niederösterreichischen ständen niedergesetzten komité und auch sonst sehr zeitgemäß. Auch habe ich zu einer französischen über- setzung des 2. theiles direkt durch eduard einen Anstoß gegeben. ich bin also nicht müßig gewesen, weder mit der feder noch mit dem kopfe, denn ich spreche viel, empfange viel Besuche etc., zum lesen aber bin ich, wiewohl ich sehr lange zu hause bleibe, noch fast gar nicht ge- kommen, und das genirt mich sehr, denn ich muß mich in die ständischen verhältnisse tüchtig einstudiren.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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