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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 673 -
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67328. März 1847 mein Buch ist noch immer das tagesgespräch. von mehrern seiten sollen Artikel darüber geschrieben werden, auch doblhoff bereitet einen längeren Aufsatz darüber für die grenzboten vor. graf kolowrat meint, das meiste habe er sich selbst längst gedacht, jedoch hätte ich mir dadurch, daß ich es drucken ließ, meine carrière verdorben, eine schöne Äußerung für einen allmächtigen minister! hartig, der repräsentant der Büreaukratie, fühlt sich an der wunden seite getroffen, tobt und rast und möchte mich einsper- ren lassen. dabey herrscht allgemeine consternation im regierungslager, und um das maaß voll zu machen, hat Preußen am Bundestage den Antrag auf Preßfreyheit und repressiv-gesetze gestellt!! könig Wilhelm scheint endlich die wahre richtung gefunden zu haben, felix faustumque sit! dazu scheint rußland uns auch verlassen zu wollen, und kaiser nicolaus hat so eben der französischen Bank 50 millionen geliehen! es kracht in allen ek- ken, graf münch soll eilends nach frankfurt, um dem preußischen Antrage entgegen zu arbeiten, ist aber gefährlich krank. franz stadion ist nach ga- lizien ernannt,1 wo es misérabel aussieht, und in ungarn stehen sich die Partheyen feindlicher gegenüber als je, dank sey es der tollen Wuth Ap- ponyis und seiner seiden. morgen sende ich einen Artikel über die von den niederösterreichischen ständen beantragte herabsetzung der verzehrungssteuer und des stem- pelgesetzes in die Allgemeine Zeitung.2 diese beyden Punkte haben unter dem gemeinen volke eine große sensation erregt, daher il faut chauffer le fer, ist doch jetzt die masse schon der wahre monarch geworden, und wir Alle, regierung sowohl als stände, nur seine schmeichler, in 2–3 tagen folgt ein zweyter über die vertretung des 4. standes, worüber ich neulich mit stifft eine lange und interessante conferenz hatte. mein zweyter für die Allgemeine Zeitung bestimmter Aufsatz: die nächstkommende böhmische ständeversammlung betreffend, wozu fritz deym mir den stoff gegeben hat, ist noch nicht erschienen, obwol ich ihn schon am 16. absandte. sollte er nicht angelangt seyn? oder sollte sich die reaction schon eingefunden haben? das muß sich bald zeigen. der Bericht des comittée zur Wahrung der ständischen rechte (in Böh- men) erregt hier große Angst und hosenscheißen. fritz schwarzenberg, der konfuser als je geworden ist, soll als Ambassadeur nach Prag gehen, um mit hochverrath zu drohen und die leute herum zu bringen, da habe ich dann schon ganz in der stille mein praevenire gespielt. der dumme kerl wird sich höchstens blamiren. 1 graf franz stadion, seit 1841 gouverneur des küstenlands in triest, übernahm das galizi- sche gubernium in lemberg. 2 Allgemeine Zeitung v. 11.4.1847, 806f., datiert ende märz.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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