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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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6814. Mai 1847 görz 4. may Abends in den letzten tagen hatte ich noch vollauf zu thun. stifft war bey mir wegen des 4. stands in niederösterreich, Bosio brachte mir den Plan sei- ner schrift über die lombardische gemeindeverfassung, womit ich sehr zu- frieden war, nach langem herumsuchen habe ich durch mischka und Pepi esterhazy meine episteln nach Pesth expedirt. Auch mit doblhoff etc. hatte ich noch unterredungen. meine beyden letzten Aufsätze sind in der Allgemeinen Zeitung noch nicht erschienen. das ärgert mich, ich schrieb kolb noch einen langen Brief vor meiner Abreise.1 diese scheint in Wien einiges Aufsehen zu erregen, wenigstens sagte reischach zu flore, es hieße, ich gehe nach ungarn, und sie möchte mich warnen. es ist kein Zweifel, daß man mich genau beobach- tet, und dieß ist ein grund mehr, um mich strenge in den legalen grenzen zu halten und nichts zu unternehmen, was grund oder Aufforderung zu einer gewaltmaßregel gegen mich (zu der man sich jetzt, wie es scheint, zu greifen jetzt [sic] noch nicht getraut) geben könnte. sollte ich aus Wien hinausgeworfen werden, so würde die Bedeutung und eigenthümlichkeit meiner jetzigen stellung zu einem großen theile verloren gehen. Am 1. Abends 7 uhr fuhr ich in einem hundewetter per eisenbahn nach gloggnitz, von da über den sömmering nach mürzzuschlag und grätz, wo ich morgens 7 uhr ankam und im Bahnhofe Braida und den erzherzog friedrich traf, die von venedig kamen und in cilly den tod erzherzog carls erfahren hatten. Auf der eisenbahn traf ich carl mandell, der mich in Wil- don mit herrn v. frank bekannt machte, einem wüthenden Weltverbes- serer und meinigen seiden. Auch die steyerer rühren sich. sie haben auf dem eben geschlossenen landtage, der – beyspiellos – 4 tage dauerte, eine geschäftsordnung durchgesetzt, einen Antrag auf eine hypothekenbank beschlossen etc. frank trug auf ein Zwangsablösungsgesetz an und drohte im entgegengesetzten falle binnen einem Jahre mit einer revolution etc., etwas ungeschickt, aber als lebenszeichen immer gut. der hauptübelstand in steyermark scheint in der masse unbegüterter und bettelhafter land- stände zu liegen, welche alle votum haben. ich fuhr bis Prewald mit einem Baron saffran, einem sehr angenehmen reisegesellschafter. Am 3. um 2 uhr war ich hier. es ist merkwürdig, wie wenig sich dieses garstige nest seit den 8 Jahren, da ich nicht hier war, verändert hat, das gelobte land der stabilität und dummheit, so gar nicht von den Zeitereignissen und dem geiste des Jahr- hunderts berührt, es macht fast einen melancholischen eindruck. meine 1 der Brief v. 30.4.1847 scheint von der Zensur geöffnet worden zu sein, eine im Wiener hhstA liegende Abschrift ist gedruckt in rietra, Wirkungsgeschichte, 205–208.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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