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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 684 -
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Tagebücher684 beite nun an einem historischen Aufsatze über die ständische Berechtigung des 4. standes in oesterreich für die Allgemeine Zeitung und will bey dieser gelegenheit mich frey gegen kolb aussprechen (privatim), um einmal zu wissen, wie ich daran bin. Zum bloßen Berichtserstatter über die stände bin ich zu gut, ich muß ihr leiter und Whipper-in seyn. gustav lerchenfeld schrieb mir neulich, daß am 1. July das 1. Blatt der deutschen Zeitung erscheinen wird, und daß man wünscht, gleich Anfangs ein paar Artikel von mir zu haben, doch ist es schwer, ehe ich haltung und farbe der Zeitung ganz genau kenne. neipperg ist hier, so auch Walmoden, der sehr gealtert ist, und mathilde Berchtold. gestern war ein ganz ma- gnifiquer Ball bey Liechtenstein, das Schönste was ich in meinem Leben gesehen habe, in dem neuen Pallaste.1 gestern ist die organisirung der Akademie der Wissenschaften erschie- nen sowie auch die ernennung von 40 mitgliedern. [Wien] 2. Juny der böhmische landtag, welcher so eben erst auseinander gegangen ist, hat hier große sensation gemacht. erzherzog stephan (der eben hier ist, um die stände zu verklagen, wie man sagt) hat sich blamirt, indem er vergebens alle künste angewendet hat, um der regierung eine majorität zu gewinnen, sie ist in allen fragen auf das éclatanteste geschlagen worden. man hat einen postulirten Steuerbetrag von 54.000 fl für den Criminalfond verweigert,2 die große steuerfrage wurde stillschweigend beseitigt, d.h. der vorjährige Be- schluß einstweilen beybehalten, was immer ein gewinn für die gute sache ist, nur ein Antrag: auf veröffentlichung der ständischen verhandlungen, welchen lamberg stellte, wurde fallen gelassen (!) und statt dessen eine censurpetition angenommen, welche übrigens im in- und Auslande einen sehr günstigen eindruck gemacht hat.3 lamberg war ein paar tage hier und referirte mir über das geschehene, es hat dramatische szenen gegeben, und besonders die jüngere generation hat sich hervorgethan. Wenn ich auch mit dem gange des landtags nicht ganz einverstanden bin, so ist doch schon die große Aufmerksamkeit, die er erregt hat, ein fortschritt. in mähren ist seit vorgestern landtag, und ich habe egbert seine instruk- tionen gesendet, auch stockau wird, hoffe ich, seine schuldigkeit thun, wir wollen nun sehen. Aus Prag. Die böhmischen Stände für Oeffentlichkeit und Censurerleichterung; gezeich- net s. s. 1 die 1836 begonnene neugestaltung der inneneinrichtung des liechtensteinschen majo- ratshauses wurde 1847 beendet. 2 tatsächlich handelte es sich um 50.000 gulden, vgl. dazu eintrag v. 27.6.1847. 3 Andrian korrigierte teile dieser Angaben weiter unten noch im eintrag vom selben tag.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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