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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 692 -
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Tagebücher692 seyn, denn er war, soviel ich höre, mit meinem Artikel über den ständi- schen commissionsbericht gar nicht einverstanden, freylich hatte ich ihn auch nach meiner Weise zugestutzt und dazu hauptsächlich das votum neubergs (der bey der discussion schmählich umgesattelt hat) benützt. ich schrieb deym neulich durch Palacky, er hat mir aber schon lange nichts mitgetheilt. [Wien] 27. Juny die böhmische deputation ist am 24. vom kaiser sehr kurz und schnöde abgefertiget worden und tags darauf ingrimmig abgefahren. Jedoch waren Auersperg und Bergenthal jeder für sich noch bey kolowrat, welcher ih- nen die besten versicherungen gab und sich als warmer freund der stände zeigte – !? Auf die schrift wegen des vorbehaltes werde keine Antwort erfol- gen, weil man das recht der stände einsehe, wegen der verweigerten 50.000 fl werden die gewünschten Nachweisungen geliefert werden1 etc. si è vero. die beyden herrn, besonders Bergenthal waren viel bey mir, le dernier est trés malléable, und ich habe es benützt. ich habe ihn aufgefordert, den gan- zen verfassungskampf in einer eigenen Brochure zu veröffentlichen, von der deputation des Jahres 1845 angefangen bis zur letzten diätalschrift, und er wird es thun. ich habe ihm für A. deym und das gemeindecomité manches mitgegeben und ihn auch mit rücksicht auf die ungarische frage entsprechend instruirt. in dieser letzten Angelegenheit ist casimir Bathiany hier, er meint auch, daß die sache in ungarn sehr populär werden dürfte, und daß es mit den instructionen keine schwierigkeit haben wird. Albert Widmann war gestern lange bey mir und hat mir über mähren und den landtag vieles erzählt, es ist merkwürdig, wie wenig die leute wissen, was in des nachbarn hause vorgeht! Widmann z.B., der einer der Allerbesten ist, meinte, der heurige „fiasco“ der böhmischen Stände habe die mährer entmuthigt! während dieß doch der glänzendste landtag in Böhmen seit Jahrhunderten war! ursache mehr, um meine idee zu verwirklichen, welche ich auch jetzt wieder den Böhmen einbläute, daß die verschiedenen Provinzialstände sich ihre verhandlung per extensum mittheilen. Auch ein kärnthnerischer landstand, v. moro, war neulich eine stunde lang mit Plänen und landkarten bey mir, um mir die straße über den loibl 1 in der Auseinandersetzung über das steuerbewilligungsrecht der stände hatte der böhmi- sche landtag einen grundsteuerzuschlag von 50.000 gulden auf das dominikalland mit der Begründung gestrichen, die zur deckung der kosten der kriminaljustiz bestimmte summe komme der Allgemeinheit zu gute und könne daher nicht einseitig den grund- herrn aufgebürdet werden. die regierung dagegen bestritt das recht der stände, diesen in den Jahren zuvor bereits bewilligten Budgetposten zu streichen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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