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Juli 1847
zu erklären, welche sie so eben im landtage nachgesucht haben, als ob
mich so etwas interessirte.
Wegen der hypothekenbanken soll so eben beschlossen worden seyn,
eine staatshypothekenbank für alle Provinzen und bloß zum Behufe der
Ablösungen zu errichten. ich aber halte diesen Plan für unausführbar, und
jedenfalls wird es bey den ständen großen Anstoß erregen.
fritz deym hat mir so eben geschrieben und einen langen von ihm dictir-
ten jedoch unvollendeten Aufsatz über die verschiedenen österreichischen
ständeverhandlungen dieses Jahres geschickt. mein Artikel über das unga-
rische Programm ist gestern an kolb abgegangen – vedremo.
ich bleibe noch 10–12 tage hier und warte auf möring, dann gehe ich
– wohin aber? nescio. gestern lamentirte mir hammer durch eine stunde
auf dem stephansplatze über das misérable Benehmen erzherzog Johanns
als kurators der neuen Academie1 (deren Wahlen heute stattfinden) und
über fürst metternich, welcher über eine von hammer an einige collegen
ergangene Einladung zu einer vorläufigen Besprechung sich ämtlich an Pil-
lersdorf wandte und es ihm verbiethen ließ !! – –
[Wien] 10. July
in einigen tagen reise ich ab. meine Projecte sind ziemlich unbestimmt.
ich will an den rhein, mich ein bischen erholen und zugleich wo möglich
dahlmann in Bonn und einige westphälische Abgeordnete, z.B. vincke,
kennen lernen, habe auch schon einige Briefe in jene gegenden bekommen.
Auch will ich die familie horrocks besuchen, welche in lichtenthal bey Ba-
den Baden wohnt, und wohin auch Augusta mit mann und kind kommen
soll. Amelie mit ihrer familie ist in soden bey frankfurt a/m. daneben
nehme ich mehreres mit, welches ich irgendwo drucken lassen möchte, so
vor Allem eine vortreffliche kleine Brochure: Ungarn und die Stände der
erbländer, welche moering auf meine veranlassung geschrieben hat, und
zu der ich einige Zusätze etc. gemacht habe,2 das ganze im sinne der mit
Bathiany etc. getroffenen übereinkunft. nebstdem noch mehrere alte do-
cumente als z.B. die deduction der niederösterreichischen stände über ihre
verfassungsmäßigen rechte etc. vom Jahre 1619 und das Augsburger libell
vom Jahre 1518,3 die desideria der böhmischen stände von 1790 etc., end-
lich einige Artikel für kuranda. ich werde daher über leipzig gehen, mich
1 die neu gegründete Akademie der Wissenschaften in Wien. Zu ihrem ersten Präsidenten
wurde der orientalist frh. Josef von hammer-Purgstall gewählt.
2 guter rath für oesterreich. mit Bezugnahme auf das Programm der liberalen Partei in
ungarn (leipzig 1847). die schrift erschien anonym.
3 richtig innsbrucker libell, vgl. auch eintrag v. 22.7.1847.
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Tagebücher 1839–1858, Band I
- Titel
- „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
- Untertitel
- Tagebücher 1839–1858
- Band
- I
- Autor
- Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
- Herausgeber
- Franz Adlgasser
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2011
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78612-2
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 744
- Schlagwörter
- Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
- Kategorie
- Biographien