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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher696 decret sedlnitzkys, das er mir vorlas, beauftragt, mich über meine Autor- schaft zu befragen. er meinte, ich solle die Wahrheit gestehen, da sedl- nitzky im conträren falle die Absicht habe, meine erklärung im Auslande zu veröffentlichen, im schlimmsten falle könne eine geldstrafe von 40 du- caten für mich daraus entstehen. ich antwortete, daß ich nur dem kaiser, sonst niemand, das Recht zuerkenne, mich darum zu fragen, übrigens sähe ich keinen Anstand es zu läugnen, übrigens hätte ich schon im may 46 meine entlassung nachgesucht, eben weil ich den staatsdienst mit meiner stellung nicht für vereinbarlich hielt etc. diese erklärung nahm Born zu Protokoll, und ich fertigte sie.1 Wir wollen nun sehen, was daraus wird, wahrscheinlich gar nichts. neulich hatte ich eine sehr interessante soirée bey Prof. neumann mit richard cobden, es waren noch da lubomirski, sommaruga, Bach, fränzel und hock, letzterer schien mir der gescheidteste von Allen. Bey cobden frappirte mich hauptsächlich der klare gesunde einfache menschenver- stand, großer Antiaristokrat, und ein großes genie gerade auch nicht. gestern aß ich noch in s. veit bey troyers und war dann Abends auf einem glänzenden feste auf dem Wasserglacis. hier ists schon sehr leer, das Wetter aber scheint sich consolidiren zu wollen. meine déjeuners im Paradiesgarten haben bis inclusive heute gedauert. frankfurt a/m. 22. July Abends Am 16. Abends verließ ich Wien, ich traf auf der eisenbahn fast fortwäh- rend Bekannte: Hector Gallenberg, Gräfinn Mercandin von Olmütz, Zdenko sternberg, vincenz Auersperg, georges Waldstein etc. etc. im Prager Bahn- hofe fand ich giovannina Ahsbahs, die ihre schwägerinn erwartete, und führte sie bis zu ihrem hause, dann aß ich mit georges W[aldstein] im roß und ging dann zu Albert nostitz, welcher mich in den Baumgarten, Bu- benetsch etc. kutschirte, eine sehr schöne fahrt. um 7 uhr fuhr ich nach obrzistwy und übernachtete dort. sonntag den 18. morgens fuhr ich mit dem dampfschiffe Bohemia ab, an Bord traf ich louis karoly, sonst niemand Bekannten, doch sprach ich mit einem doctor aus hamburg etc., in tetschen stieg general vieth ein, in Pillnitz eine masse häßlicher dresdnerinnen etc. um 7 waren wir in dresden, und ich ging mit karoly ins hôtel de Pologne. Auf der Brühlschen terrasse traf ich später gozze, welcher hier unser chargé d’Affaires ist, und saß ziemlich lange mit ihm und einem Paar seidlitz, dann soupirte ich noch zuhause mit karoly und ließ mir von ihm hungarica vom regierungs- 1 das Protokoll der einvernahme ist gedruckt in rietra, Wirkungsgeschichte, 79–81, der name des einvernehmenden Polizeibeamten ernst Born ist falsch mit korn transkribiert.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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