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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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69926. Juli 1847 honorable gemacht wird.1 gervinus schreibt mir nun, er habe meinen Arti- kel eben erst erhalten und werde ihn unverzüglich geben, fordert mich auf, zur redactionsversammlung ende september nach lübeck zu kommen etc. etc. Jedoch scheint mir sein Blatt, soweit ich bis jetzt urtheilen kann, einen viel zu entschieden democratisch-liberalen Weg einzuschlagen und sich vor der entwickelung des ständischen Prinzipes in oesterreich als der consti- tutionellen sache abträglich zu fürchten. dann ziehe ich mich zurück. um 3 uhr fuhr ich nach soden, um Amelie horrocks zu besuchen, die ich kränklich und fanirt aussehend fand. sie hatte eine große freude mich zu sehen, producirte mir ihre drey hübschen kinder etc. Wir gingen dann spatzieren (soden ist ein infames langweiliges nest), und um 6 fuhr sie mit mir auf der eisenbahn hieher zurück, um ihrem manne, der eben hier war, eine überraschung zu machen. doch fanden wir ihn erst nach langem suchen beym conditor roeder mit mr. und mrs. robinson. es machte mir große freude und einen eigenen eindruck, sie, die ich als kind verlassen, als mutter von 3 kindern, und zwar jung, aber gar nicht mehr jung ausse- hend zu finden. Sie wollen sich jetzt auf ein Jahr hier etabliren. heute vormittags war ich in schedels museum,2 wo es einige sehr werth- volle Bilder gibt, vor Allem lessings herrlichen huss in constanz, dann die Apotheose Jesu christi von schaden,3 overbeck’s triumph der religion etc. BadenBaden 26. July Abends es war meine Absicht gewesen, von frankfurt aus zuerst an den rhein und vielleicht nach Westphalen zu gehen und dann erst hieher zu kom- men, im letzten Augenblicke aber änderte ich meinen Plan und werde nun bis gegen den 20. hier bleiben, dann die rheinreise machen, um dann um 1 die rezension von matthias koch, oesterreichs innere Politik mit Beziehung auf die ver- fassungsfrage (stuttgart 1847) in deutsche Zeitung v. 5.7., 38f., 6.7., 46f. und 7.7.1847, 54f. der verfasser wird darin abschließend als „ein entschlossener reformer, ein heftiger Adels- feind, ein ganzer volksmann“ bezeichnet, der jedoch mit Besonnenheit argumentiere, was ihn „den Zwecken dieses Blattes besonders nahe“ stelle. im leitartikel v. 17.7.1847, 129f., wird kochs scharfe kritik an Andrians Arbeit bedauert, die er „geradezu für ein aufrühre- risches manifest des österreichischen Adels gegen regierung und volkssache erklärt.“ so sehr die allgemeine Adelskritik begreiflich sei, so unverständlich sei es, dass sie sich gegen jenen wende, der an der spitze der neuen ständebewegung stehe. Warum wolle er – zur erreichung des Zieles einer gleichberechtigten vertretung des Bürger- und Bauernstan- des – „nicht auf eine strecke mit dem Adel gehn, der wenigstens zu dem Anfang dieser umgestaltung der ständischen vertretung die hand geboten hat?“ nur eine Bündelung der kräfte wäre in der lage, die stellung des deutschen elements in österreich gegen „die kühnen Ansprüche der fremden nationalitäten“ zu sichern. 2 richtig städel-museum. 3 richtig friedrich Wilhelm von schadow-godenhaus.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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