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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher700 den 6. september bey lerchenfeld zu seyn, bis wohin dieser heimgekehrt seyn wird. Am 24. war ich wieder in soden, wurde aber im Bahnhofe von charles horrocks mit der nachricht empfangen, Amelie sey in folge der Aufregung, welche ihr mein Besuch verursacht habe (!) nervenkrank und im Bette. ich wollte die Witwe tettenborn besuchen, die aber eben abwesend war. ich aß dann mit charles an der table d’hôte und fuhr um 1/2 4 mit ihm wieder zurück. ich hatte weder Zeit noch lust, mich bey graf münch oder bey sonst Je- mandem unserer gesandtschaft sehen zu lassen, nur nobili suchte ich auf, fand ihn aber nicht, dagegen aber endoctrinirte mich ein sohn des hofraths kübeck, legationssekretair in stuttgart, ein paar stunden lang, es gibt kein langweiligeres volk als unsere jungen diplomaten, dieser staatskanz- ley Jargon, den sie alle zu sprechen affektiren, hat keinen menschenver- stand, sondern bloße sophismen, und zwar nicht der geistreichen, sondern der Alten Weiber gattung, man riecht da molly Zichy1 auf 10 meilen weit heraus. Am 24. Abends schrieb ich noch an kuranda eine lange epistel, um ihn zu persuadiren, daß er den Bürgerstand in oesterreich agitire, damit dieser nach Böhmens vorgange um eine erweiterte theilnahme an der ständi- schen vertretung petitionire. ich hatte ihn darüber sprechen wollen und konnte es nun nicht übers herz bringen, einen so wichtigen gegenstand nicht mindestens brieflich in Anregung zu bringen. gestern mittag verließ ich frankfurt und war um 3 (eisenbahn) in hei- delberg, wohnte dicht am Bahnhofe im hôtel schrieder und war außer mir vor entzücken über die paradiesische gegend, die ich aus meinem Zimmer im 3. stocke und mit einer rund um das haus laufenden terrasse verse- hen so recht genießen konnte. gervinus, welchen ich, gleich nachdem ich gegessen hatte, aufsuchte, war über land gegangen, und ich benützte den schönen Abend, um das schloß und den schloßgarten, wo eben musik war, mit aller muße zu genießen. heute früh machte ich wieder eine fruchtlose visite bey gervinus, fand ihn aber endlich um 11 uhr, er schien sehr er- freut mich kennen zu lernen, und wir sprachen viel von allerley dingen, wurden aber leider durch einen dritten gestört. mein Aufsatz ist in nr. 19 und 20 erschienen und schien ihm sehr zu gefallen.2 koch, der verfasser 1 Gräfin Melanie Zichy, die dritte Frau von Staatskanzler Fürst Klemens Metternich. 2 deutsche Zeitung v. 19.7., 145f., und 20.7.1847, 153f.: ständische regungen in österreich. der anonym gedruckte Artikel sei „durch einen günstigen Zufall“ gerade jetzt an die redak- tion gelangt. Andrian hatte den Artikel über vermittlung von frh. gustav v. lerchenfeld an die redaktion übermittelt, vgl. eintrag v. 20.6.1847.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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