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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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7014. August 1847 von oesterreichs innerer Politik, der hier in der nähe lebt und, wie gervi- nus sagt, ein gallsüchtiger gespensterseher ist, kam gleich herein gerannt und brachte einen noch längeren im entgegengesetzten sinne geschriebe- nen Artikel, der gestern und heute erschien, und worin der kuriose kerl nach vielem schimpfen über Adel und stände am ende wie in jenem Buche ganz dasselbe begehrt und will wie ich,1 doch muß ich den Artikel an dobl- hoff etc. schicken, damit etwas entgegnet werde, in Polemiken lasse ich mich nicht ein, und überhaupt nehme ich mir nach und nach vor, mich in die Journalisterey so wenig als möglich einzulassen, es müßte mich denn ein ganz besonders vornehmer Gegner angreifen. Gervinus gefiel mir sehr, und er scheint mir lange nicht so ultraliberal in seinen Ansichten, als ich gefürchtet hatte. Auf meiner rückreise werde ich darüber noch mehr ins klare zu kommen trachten. um 1 fuhr ich, pas une pluie battante, ab und war gegen 3/4 5 hier, wo ich im hôtel de hollande abstieg. das herz lachte mir im leibe, als ich mein schönes BadenBaden wieder sah, freylich beym schlechtesten Wetter, die dlles marx erkannten mich gleich unter großem Jubel, sonst sah ich bis nun noch keinen Bekannten außer st. John, der im ersten Augenblicke et- was verlegen schien. es ist zwar heute Abend Ball im conversationshause, ich aber ging bey Zeiten nach hause und sitze weit bequemer bey einer tasse thee. [Baden-Baden] 4. August ich lebe hier ziemlich ruhig, aber recht angenehm. Baden ist zwar sehr voll, und eine menge hübscher und eleganter frauen, besonders russen, franzo- sen und engländer, aber dessenungeachtet ist wenig en train, und man hört fast nie von Parthieen, Bällen etc., wie dieß 1843 so häufig war – warum? weiß ich selbst nicht. von oesterreichern ist hier georges esterhazy, unser gesandter, welcher aber in diesen tagen, so wie sein nachfolger Apponyi ankömmt, abgeht, dann Arthur Batthyany und thassilo festetics, von rus- sen Woronzoff, ozeroff, grothus, dann eine menge gagarin, narischkin, sonzoff, Joussupoff etc. etc., von engländern und franzosen wenig mar- kantes, von deutschen Blücher, lotzbeck, Arnim, münchhausen, Blitters- dorf, Berlichingen, ein fürst hohenlohe etc. Wie ich übrigens überhaupt nicht leicht Bekanntschaften mache, so habe ich auch bis jetzt deren sehr 1 deutsche Zeitung v. 25.7., 195f., und 26.7.1847, 202f. in einer redaktionsanmerkung heißt es, es freut uns, am schluss des Artikels „von dem strengen richter der stände auch eine Anerkennung ihrer Verdienste zu finden. Wir können uns immerhin nicht der Wahrheit verschließen, […] daß zur Zeit die stände die einzige politisch berechtigte körperschaft sind, die sich willig und fähig zu reformen gezeigt hat.“ dagegen müsste eine „Josephinische regierung, die dies große Werk in die hand nehmen soll, die vorsehung selber schicken.“
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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