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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 706 -
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Tagebücher706 neulich lernte ich hier einen interessanten menschen kennen: Baron varn- büler aus Würtemberg, mitglied der 2. kammer. Wir schlossen, wie er es nannte, ein cartell, so daß er mir die wichtigen verhandlungen in Würtem- berg, ich ihm dagegen die österreichischen mittheilen will. Wir müssen vor Al- lem suchen, Aufmerksamkeit und theilnahme zu erregen, und dazu ist dieses der Weg. für Bayern habe ich lerchenfeld, für Baden gervinus etc. etc. clotilde lottum ist hier, sehr verändert, noch magerer als je und geal- tert, ich sah sie erst zwey mahl, auf der Promenade, upon very ceremonious terms. Auch Brockhausen ist, jedoch nur auf ein paar tage, hier. es freute mich sehr, Walmoden hier zu sehen, welcher vor ungefähr 8 ta- gen mit nobili hierher kam und einen tag hier blieb. heute sprach ich viel mit Baron closen, dem bekannten bayerischen Ab- geordneten, auch ihn will ich trachten, für meine Zwecke zu benützen, um so mehr als er ein mitglied des redaktionscomités der deutschen Zeitung ist. diese scheint sich, by-the-by, immer mehr terrain zu gewinnen, hat nun schon an 2000 Abonnenten und hat fast täglich vortreffliche leading Articles, die dann gewöhnlich entweder die runde durch die bessern deutschen Blät- ter machen oder eine Polemik mit diesen hervorrufen, nur mein Artikel über oesterreich ist meines Wissens spurlos vorübergegangen, wieder ein Beweis der geringen theilnahme, die man uns in deutschland schenkt. im ganzen bekömmt mir das hiesige leben, wo ich den ganzen tag im freyen sitze, immer etwas neues sehe und höre und doch keine ernste auf- regende Beschäftigung habe, vortrefflich, und ich fühle bereits eine bedeu- tende Zunahme an kräften und gesundheit. ich sehe und spreche leute aus den verschiedensten gegenden, heute einen forstrath von hier, gestern ei- nen Plantagenbesitzer (larrinega) aus havannah, einen président du tri- bunal aus strassburg, russen vom kaukasus, französische militärs etc. etc., jeder erzählt mir etwas, und das erhält meinen geist wach ohne meine ner- ven aufzuregen. es fehlt vielleicht eine interessante frauengesellschaft, und vielleicht habe ich da unrecht gethan (wie der wunderliche kauz münchhau- sen mir neulich vorpredigte), mich nicht vorstellen zu lassen, obwohl ich an- derseits sehr froh bin, so allen cancans etc. entgangen zu seyn, die sich nun für mich nicht mehr schicken. ich hatte diese tage eine conversation mit r. Apponyi über ungarische etc. Angelegenheiten, wieder der ganz gewöhnliche offizielle staatskanzley Jargon, da ist mir georges esterhazy trotz aller seiner diplomatischen Affek- tation noch hundertmal lieber. [Baden-Baden] 25. August das schöne Wetter und die entsetzliche hitze, die wir bisher hatten, haben jetzt leider aufgehört, und seit 2 tagen regnet es fast immer. heitert sich das
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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