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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 711 -
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7118. September 1847 verfaßten) Artikel der gazzetta di milano gegen die gazzetta piemontese vorlas, der nur den fehler hat, zu viel Animosität zu verrathen. hiernach erscheint auch die Besetzung der Stadt ferrara vollkommen gerechtfertiget und dem Wiener vertrage sowie der bisherigen observanz gemäß. mich är- gern nur die hohlen Phrasen der liberalen skribler in ganz europa, welche von der würdevollen haltung, dem männlichen schmerze der ferraresen etc. [schreiben], die hundsfötter laufen alle vor einem nassen fetzen davon – voilá la vérité. ficquelmont ist dem erzherzog rainer, dessen krauteselhaf- tigkeit immer glänzender hervortritt, beygegeben, der könig von sardinien scheint, den alten traditionen seines hauses treu, nach beyden seiten ein falsches spiel spielen zu wollen. nachher besuchte ich noch Amelie horrocks in ihrer neuen Behausung, sie ging tags darauf nach Baden zu ihrer mutter. in Jügels Buchhandlung kam mir endlich die französische übersetzung meines 2. theiles (jedoch ohne die Beylagen) zu gesichte, und als specimen dieser übersetzung fand ich gleich, als ich sie aufschlug, die Worte: ist kein stein da? folgendermaßen übersetzt: n’yat-il pas là une pierre?1 Am nämlichen tage, den 2. Abends 8 uhr, verließ ich frankfurt in einem horriblen taxis’schen eilwagen, war am morgen um 1/2 9 in Würzburg, wo ich frühstückte und nach einer stunde nach Bamberg weiter fuhr. gegen 6 nachmittag kamen wir da an, und um 1/2 7 ging die eisenbahn nach culm- bach, wo wir um 9 ankamen. hier aber gingen zahllose verwirrungen an. ich hatte noch von coblenz aus an lerchenfeld geschrieben, ich würde an diesem tage nach unter steinach kommen, wohin er mir also Pferde schik- ken möchte, nun ging aber dieser Zug nur bis culmbach, d.i. eine station vor untersteinach. da ich also dort keine Pferde von lerchenfeld fand, und es schon spät am Abend war, beschloß ich Anfangs, in culmbach zu über- nachten. dann aber besann ich mich, doch noch diesen Abend per eilwagen bis untersteinach zu fahren in der hoffnung, vielleicht dort die Pferde zu finden, nur durch die besondere Protection des Postexpeditors erhielt ich die erlaubniß, an diesem orte, welcher keine Poststation ist, sammt meinem gepäcke aussteigen zu dürfen. Bis 1/2 11 mußte ich dann in einem überfüll- ten Bierhause zu culmbach auf den Abgang des eilwagens warten. um 11 kam ich also in untersteinach, einem elenden neste an, trommelte in dem einzigen Wirthshause die leute aus den Betten, fand wieder keine Pferde und mußte daher tant bien que mal meine nacht dort zubringen. tags dar- auf regnete und blies es aus allen kräften, ein Wagen oder Pferde waren in dem ganzen orte nicht zu finden, und so nahm ich denn einen menschen mit 1 gemeint ist der preußische reformer karl reichsfreiherr vom und zum stein (1757–1831), daraus wird in der übersetzung ein stein (pierre).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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