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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 713 -
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71315. September 1847 Wir machen fußpromenaden, so oft das Wetter es erlaubt, heute waren wir auf der ruine Wildenstein und von da in grafengehaig, wo ein fabri- kant, müller, an 400 Webstühle beschäftigt (jedoch in ihren eigenen häu- sern) und Baumwollenzeuge um spottpreise nach indien und Amerika, z.B. paños für die indianer, neger etc. verschickt. neuhaus 15. september der letzte tag, den wir in heinersreuth zubrachten, war der einzige ganz schöne und warme, wir benützten ihn zu einer herrlichen fußpromenade nach schwarzenstein. tags darauf, am 11., fuhren wir alle zusammen nach dem frühstücke fort und waren nach 11 in culmbach, wo uns graf giech, der bekannte ehemalige Präsident in Ansbach, erwartete, wir gingen alle miteinander auf die schöne Plassenburg, die einstige residenz der mark- grafen, jetzt strafarbeitshaus für die Protestanten in Bayern. von da aus schleppte uns giech in der sonnenhitze nach einem angeblichen „Plätzchen“, welches er aber trotz langen suchens nicht fand. Wir sprachen viel über oe- sterreich etc., und wie gustav mir nachher sagte, hatte er schon lange meine Bekanntschaft machen wollen. nach eingenommenem mittagessen fuhren wir per eisenbahn nach Bam- berg, wo wir um 1/2 6 ankamen und Pfeuffer’s, horneck’s etc. im Bahnhofe fanden. gustav und ich ließen sie mit den damen und gingen in eine Buch- handlung, rudharts geschichte der bayerischen landstände zu suchen,1 je- doch umsonst. ich wohnte bey gustav und blieb noch am 12., sonntag, dort, eine sehr an- genehme Zeit. sonntag nachmittag waren wir mit horneck’s, Buseck’s etc. in Berg, wo ein von einem Bamberger nach einem selbsterfundenen Prinzip gebautes dampfboot seine Probefahrt machte, etc. Abends waren wir bey Pfeuffer’s etc. ich könnte nicht leicht ein angenehmeres familienleben nen- nen als das bey lerchenfelds. lola2 ist gräfinn landsfeld geworden und hat eine blaßrothe rose im Wappen, jetzt soll sie theresiendame werden, ihre impertinenzen gegen alle Welt nehmen immer zu, und schande genug, es finden sich leute in menge, und darunter mancher alte Adel, der ihr den hof macht. ein könig kann doch heutzutage noch mehr als ich glaubte, und dieses ist die ernste politi- sche seite bey der sache. der landtag, den der könig klugerweise nicht selbst eröffnet, sondern die ganze Zeit in Aschaffenburg bleibt, wird allem Anscheine nach kaum 3–4 Wochen dauern und sich bloß mit der eisenbahnfrage beschäftigen, jedoch 1 ignaz rudhart, die geschichte der landstände in Bayern (heidelberg 1816). 2 lola montez, die geliebte könig ludwig i. v. Bayern.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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