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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 714 -
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Tagebücher714 werden pour la forme, und um das Prinzip zu retten, noch einige andere un- bedeutende Anträge gestellt werden. gustav ist mit vorarbeiten, correspon- denz etc. sehr beschäftigt, er scheint wirklich das Zentrum und der rührig- ste der opposition in Bayern zu seyn, ich habe manches interessante bey ihm gesehen und gehört. mein Aufsatz steht schon in der Allgemeinen Zeitung, worüber ich sehr erfreut bin,1 und hier in neuhaus fand ich einen Brief von kolb, worin er mich unter andern bittet, den ungarn den kopf nicht noch mehr zu verrük- ken, als dieß ohnehin schon der fall sey. die steyermärkischen stände haben auf öffentlichkeit der gerichte an- getragen, ich schrieb von Bamberg an frank, um ihm darüber zu gratuli- ren und mir nähere détails nach Wien zu erbitten, meine stellung macht sich mit jedem tage mehr, wozu auch diese meine gegenwärtige reise nicht wenig beygetragen haben dürfte, die allgemeine theilnahme und Aufmerk- samkeit auf mich finde ich allenthalben und weit verbreiteter als ich gedacht hätte, und wäre meine eitelkeit in diesem Punkte größer, so würde sie bey jedem schritte Befriedigung finden. Auch meine verbindungen wachsen mit jedem tage, kurz ich bin ganz nahe daran, was man einen berühmten mann nennt, zu werden, aber mein sinn steht nicht mehr darnach, sondern nach einfluß und macht. Am 13. früh 9 uhr verabschiedete ich mich, sehr ungern, von marie und lulla lerchenfeld und ging mit gustav zur eisenbahn, er fuhr um 9 zu ro- tenhan nach rentweinsdorf, ich um 1/2 10 nach nürnberg, um 3 fuhr ich von da weiter im eilwagen nach regensburg, wo ich um 1/2 4 morgens ankam und gleich aufs dampfboot ging. dieses sollte um 5 abgehen, mußte aber zu meinem Ärger des nebels wegen bis 1/2 9 warten, um 1/2 5 waren wir in Passau, wo ich eduards Pferde fand, er selbst hat sich kürzlich durch einen sturz das schlüsselbein gebrochen. hier ist große gesellschaft: ferdinand [Andrian] sammt gattinn und malchen, louise hornberg, ernst (ein dick- köpfiger tölpelhafter katholischer Pfaffe), frau v. grauvogel, gräfin Joner, eduard und flora crailsheim, 2 junge dürich etc. Also sehr lebhaft und lär- mend. die idee nach ischel zu gehen habe ich bey der unsicherheit wegen der nebel und dem langen (10stündigen) fahren von linz bis hin aufgegeben, und denke morgen nach linz und daher am 17. wo nicht am 18. nach Wien zu kommen. 1 Allgemeine Zeitung v. 11.9.1847, 2031f., datiert Wien 6. September; es handelt sich um eine Besprechung von karl moerings anonym erschienener schrift guter rath für oesterreich. mit Bezugnahme auf das Programm der liberalen Partei in ungarn (leipzig 1847).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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