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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 715 -
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71523. September 1847 Wien 23. september Am 16. vormittag nahm ich von den Bewohnern von neuhaus feyerlichst Abschied und fuhr auf einem kleinen kahne den inn hinab (eine sehr schöne und angenehme fahrt) in einer stunde nach Passau, da vernahm ich aber zu meinem großen verdrusse, daß gerade heute zum ersten male kein dampf- schiff ging – was war zu thun? ich aß im gasthofe und fuhr um 3 per eilwa- gen wieder nach neuhaus zurück, ließ meine sachen gleich nach schärding hinübertragen, visitiren etc., und ging dann wieder nach neuhaus zurück und ins schloß, wo ich mit großem hohngelächter empfangen wurde. Zum glücke war denselben Abend großer Ball und maskerade der kinder, wel- ches bis gegen 1 uhr währte, so daß mir die nacht schnell verging, wir, d.h. eduard, lenchen, crailsheim und ich saßen dann noch bis 2 beysammen, worauf ich mich empfahl und nach schärding hinüber ging. gegen 3 kam der eilwagen, und nach einer sehr langweiligen fahrt war ich gegen 1 uhr mittags in linz. dort ennuyirte ich mich weidlich, sah niemand Bekannten, zu skrbensky wollte ich nicht gehen, und ging des Abends aus verzweiflung ins theater. samstag den 18. fuhr ich bey superbem Wetter nach Wien, fand mehrere Bekannte: franz huniady, Philippsberg etc. auf dem dampfschiffe und war um 1/2 4 in meiner Wohnung. hier kam ich mitten in eine heillose verwirrung. die Börse war in einem Zustande von halbem Wahnsinn, denn kübeck hatte am selben tage (man sagt auf Befehl des fürst metternich) erklärt, er könne bey den gegenwärti- gen conjuncturen keinerley industriepapiere kaufen. da er nun bisher wie- derholt und feyerlich versichert hatte, er werde solche Papiere ohne alle Be- schränkung immer um einen bestimmten Preis nehmen, so kann man sich die Bestürzung denken. in der nacht beriethen rothschild, sina und eskeles und gingen tags darauf zu metternich und kolowrat, stellten ihnen die fol- gen dieses schrittes vor, wie dadurch ein run auf die sparkasse (die 5 mil- lionen in solchen Actien habe) und die Bank entstehen werde, drohten von dem Anleihen zurückzutreten etc., und bewirkten so die Zurücknahme des verbots, worauf kübeck binnen 24 stunden gleich 10 millionen fl solcher Pa- piere aufgedrungen wurden. die Aufregung dauert aber noch fort, gedruckte maueranschläge mit todesdrohungen gegen kübeck wurden angeheftet, und dieser soll wegen der zweymaligen compromittirung, in die er binnen 24 stunden versetzt wurde, seine entlassung begehrt haben, was übrigens wohl nur komödie ist. Aber in einem kläglichen lichte haben sich wieder so- wohl unsere finanzen als die Art, wie man bey uns regiert, gezeigt, und man sagt allgemein, daß kübeck, um diesen forcirten einkäufen genügen zu kön- nen, das Anlehen dieses Winters um 20–25 millionen hat erweitern müssen! daß solche opfer jetzt der masse der contribuenten aufgedrungen werden,
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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