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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 721 -
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72115. Oktober 1847 bereits erwähnten anti-ständischen Aufsatz in jener Zeitung1 habe ich ihm zukommen lassen, mein letzter Artikel über die neuesten vorgänge in Böh- men ist jedoch noch nicht erschienen!2 deym hat mir auf meine neuliche epistel ausführlich geantwortet, er bleibt bey seiner meinung, weil er seine landsleute eines energischen und einstimmigen schrittes noch nicht für fähig hält. dann aber, meine ich, hät- ten sie nicht einen solchen lärm schlagen sollen (freylich gibt es auch noch in der Ausführung eine menge büreaukratischer schwierigkeiten,a übrigens sagt er, liege ihm nichts daran, die Böhmen in einem vortheilhaften lichte erscheinen zu lassen: wenn nur über die sache im Auslande, in ungarn und in den nachbarprovinzen möglichst viel lärm gemacht werde, so mögen sei- netwegen die böhmischen stände als schwächlinge, inconsequente leute etc. ausgeschrieen werden. das ist meiner meinung nach ein gefährliches spiel, und ich fürchte, daß die stände aus dieser geschichte nicht stärker noch geachteter hervorgehen werden. die sache des fortschrittes im All- gemeinen wird aber allerdings nicht verlieren. überhaupt hat deym und viele der avancirtesten Böhmen mit ihm eine mir sehr bedenkliche tendenz, nähmlich: zur Auflösung des ständischen institutes zu drängen in der hoff- nung, es müsse dann etwas besseres nachkommen, ich aber wäre weit eher für eine organische fortbildung desselben. gleich am tage nachdem ich den Brief an deym abgeschickt hatte, sah ich carlos Auersperg auf seiner durchreise, dessen genauere détails über jene vorgänge mich in der Ansicht, welche ich gegen deym und nostitz aus- gesprochen hatte, allerdings etwas zweifelhaft machten. salm hat nämlich mit ganz besondern dévouement die verantwortlichkeit ausschließlich auf sich genommen, und ohne die regierung zu compromittiren lediglich in sei- ner eigenschaft als ständechef die Ausschreibung der steuer befohlen. die regierung ihrerseits hat den unwürdigen kunstgriff gebraucht, die vorlage der landtagsschrift vom 31. August durch die landesfürstlichen commis- saire geflissentlich verzögern zu lassen und dann zu thun, als ob sie von dem ganzen inhalte derselben noch nichts wisse und daher stringente tempore einstweilen die gesammte steuersumme ausschreiben lassen müsse, so kann denn von einer Protestation etc. wider die Regierung vorerst allerdings noch nicht die rede seyn, indem dieselbe bisher noch nicht als illegal erscheint, sondern nur davon, salm zur verantwortung zu ziehen, worauf sich dann das Weitere finden wird. dessenungeachtet aber wäre, meiner Ansicht nach, 1 vgl. eintrag v. 7.10.1847. 2 der Artikel erschien in der Allgemeinen Zeitung v. 16.10.1847, 2311: die böhmischen stände. Prag, 6. oktober. a die klammer schließt nicht.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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