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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 722 -
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Tagebücher722 eine Protestation immerhin nothwendig, denn die Ausschreibung einer nicht bewilligten steuer bleibt immer ungesetzlich, mag sie nun ausgehen von wem sie will. Zugleich wäre es angezeigt, an salm ein förmliches Ansuchen wegen schleunigster einberufung des landtages zu richten. Wie gesagt, in wenig tagen kömmt deym hieher, und da werden wir das besprechen. die Bundesakte kann allerdings vor der hand nicht angerufen werden, denn diese ist bisher wenigstens dem Buchstaben nach nicht verletzt, bisher hat sich bloß Salm eine eigenmächtigkeit zu schulden kommen lassen. Jedes heft der grenzboten bringt jetzt donnernde Artikel, über ständische sachen (auch ein paar von egbert über die mährischen stände, welche ich besorgte1), über die letzten Börsengeschichten, so z.B. neulich einen ganz superben, betitelt: memento mori2 etc., auch die deutsche Zeitung wird für oesterreich immer bedeutender, so wie die kölner etc., kurz von allen seiten wird der stinkende alte cadaver getreten. Angesichts alles dessen ist end- lich der dalailama fürst metternich in Bewegung gekommen und – – hat sedlnitzky beauftragt, ihm über die neuen ständischen regungen Bericht zu erstatten, ob diese nicht etwa gar liberale tendenzen äußerten, oder ob vielleicht gar schon versuche von vereinigung und Besprechung stattgehabt hätten!! Buchstäblich wahr. die ständischen Aktenstücke (bey Jurany) sind bereits im Buchhandel, ich denke der sache fortgang zu geben und nach und nach die wichtigern Akten aller Provinzen in dieser sammlung erscheinen zu lassen.3 neulich besuchte ich lützow und hatte eine sehr lange unterredung mit ihm, die zwar wie natürlich stockdumm, aber da er von kolowrats Brosamen lebt, mir doch interessant war,4 über metternich schimpfen sie alle, nur ge- duld, geduld, die regierung will ja, aber langsam, und bereitet uns keine verlegenheiten, das ist der ewige refrain. vor noch 2 Jahren, wie war da die sprache anders! in dieser hinsicht sind wir doch vorwärts gegangen. [Wien] 30. oktober Am 17. fuhr ich nach Würmla zu fünfkirchen, wo ich zwar nur wenige stun- den, d.h. über nacht blieb, aber dennoch hinreichend Zeit hatte, mich weid- lich zu ennuyiren. tags darauf fuhren wir nach Zwentendorf zu Althann auf die Jagd. Wir fanden Alles schon beym frühstück, worauf wir die donau 1 die grenzboten. Zeitschrift für Politik und literatur 6 (1847), iv. Bd., 24–30: der mähri- sche landtag 1847. unter diesem titel erschienen zwei kürzere Artikel. 2 ebda, iii. Bd., 531f.: tagebuch. Aus Wien: memento mori. 3 historische Actenstücke über das ständewesen in oesterreich. 6 hefte (leipzig 1847– 1848); vgl. Eintrag v. 22.7.1847. 4 der vizepräsident des rechnungs-direktoriums graf hieronymus lützow war ein schwa- ger von graf franz kolowrat, sein sohn franz 1861 dessen universalerbe.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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