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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 726 -
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Tagebücher726 neulich machte ich die Bekanntschaft des custos des münzcabinets, Bergmann, eines gelehrten ethnographen, den ich auf kloibers rath auf- suchte, um über alte österreichische geschichte und ständewesen Auf- schlüsse zu erhalten. valentin esterhazy ist noch hier und war krank, ich besuchte ihn ein paar male, um von alten Zeiten zu discuriren. von clemens hügel ist eine Brochure über rede- und Preßfreyheit erschienen,1 schofel und unsinn, es ist eine schande, daß dergleichen Zeug bey uns erscheinen kann, und noch mehr, daß es die Ansicht unserer macht- haber ausdrückt. [Wien] 10. november diese letzte Zeit war ziemlich lebhaft wegen des beginnenden landtages, ganz ungarn war abwechselnd hier, um seine Parole zu holen oder die Ab- sichten der regierung zu erspähen etc., daher unser casino auch immer sehr voll und laut. die Aspecten für die regierung scheinen mir ziemlich düster, die majo- rität in der 2. tafel ist oppositionell, die instruktionen fast aller comitate merkwürdig gleichlautend und selbst für die conservativen candidaten im geiste des oppositionsprogramms, freylich ist es vor Anfang des landtags schwer, die effective majorität voraus zu bestimmen, besonders da dießmal beynahe lauter novi homines da sind und die chefs von beyden seiten feh- len. die von der regierungspartey sind meist Administratoren, hofräthe etc., die gegentheiligen ist es der regierung durch das Administratoren- system gelungen auszumerzen,2 dieses ist das einzige resultat der so ver- schrieenen Administratoren, und ich zweifle, ob es ein günstiges für die re- gierung sey, denn es ist immer besser, mit erfahrenen staatsmännern als mit neulingen kämpfen zu müssen. viel wird von den Propositionen abhän- gen, welche noch immer ein staatsgeheimniß sind!!, aber sehr liberal seyn sollen, und zwar bereits ausgearbeitete Bills. gegen Apponyi aber ist Alles, und seine eigene Parthey dürfte ihm mehr schaden als nützen. Zudem hat sich stefferl széchényi nun, nachdem er mit hülfe der regierung gewählt worden ist, feyerlich von ihr losgesagt und dürfte in seinen Angriffen auf Aponnyi und die centralregierung nicht der gemäßigteste bleiben. gelingt es ihm, chef der oppsotion zu seyn und kossuth im Zaume zu erhalten, so kann der landtag bey der einstimmigkeit des landes große resultate ha- 1 einige Betrachtungen über die denk- rede- schrift- und Preßfreyheit (Wien o.J.). 2 in einem versuch zur konsolidierung der königlichen macht in den ungarischen komitaten wurden seit 1844 den obergespanen staatliche Administratoren mit weitgehenden Befug- nissen zur seite gestellt.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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