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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 728 -
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Tagebücher728 die hauptaufmerksamkeit erregen jetzt die schweizergeschichten,1 wo es nun schon zum blutigen Zusammenstoße gekommen seyn dürfte, der narr fritz schwarzenberg ist wieder dabey und dient als volontair dem sonderbund,2 ich habe für keinen theil sympathieen, es ist ein lumpenpack auf beyden seiten. in italien geht es immer toller, d.h. in toscana, lucca und wohl auch im römischen, dagegen aber gibt sardinien nun öffentlich- keit der gerichte, comunalverfassung, état civil der civilobrigkeiten und ein Preßgesetz!! und wir??!! – – – – [Wien] 21. november gestern Abends kam ich von Pressburg zurück, wohin ich am 17. gegangen war. die eröffnung des landtages hatte also am 12. stattgefunden und zwar unter einem unerhörten enthusiasmus, als der kaiser seine thronrede in ungarischer sprache hielt, worauf niemand vorbereitet war, es soll eine bey- spiellose scene gewesen seyn, und Alles vom kaiser auf dem throne an bis zum letzten Juraten zerfloß in thränen. diese ächt ungarische scene wie- derholte sich, als am nämlichen tage erzherzog stephan einstimmig als Pa- latin acclamirt, und am folgenden, da er installirt wurde. die ungarn sind in mancher Beziehung noch politische kinder, und namentlich spielt ihnen der enthusiasmus oft arge streiche, so hatte ich auch hier im casino alle mühe, ihnen begreiflich zu machen, daß mit der ungarischen thronrede doch noch nicht Alles erreicht sey, übrigens ist es begreiflich, daß der Augenblick den sogenannten loyalen ein momentanes übergewicht gab. diese stimmung fand ich auch noch in Preßburg, wenn auch nur mehr schwach und theil- weise, jedoch noch immer zum großen Ärger der äußersten opposition z.B. louis Batthyány’s, kossuth dagegen meint ganz gescheidt, daß sich diese stimmung benützen lasse, um die sympathieen der dynastie von dem sy- steme der jetzigen regierung zu trennen, und je loyaler gegen die Person des monarchen, desto entschiedener werde man gegen seine Beamten auftreten können. die ganze kaiserliche familie, namentlich aber kaiser und kaise- rinn waren ganz entzückt von ihrem empfange, und ich könnte zahllose An- ekdoten in diesem sinne erzählen. Auch für uns ist es gut, wenn sie sich an die aura popularis zu gewöhnen anfangen. 1 der sonderbundkrieg, der mit einer niederlage der abtrünnigen kantone endete. 2 fürst friedrich schwarzenberg hatte bereits am spanischen karlistenkrieg auf der ka- tholisch-legitimistischen seite teilgenommen und war allgemein als „der lanzknecht“ bekannt. Unter diesem Namen veröffentlichte er auch mehrere Arbeiten im Privatdruck; vgl. Aus dem Wanderbuche eines verabschiedeten lanzknechtes. 5 Bde. (Wien 1844–1848, Neuauflage in einem Band Wien 1925), und die von Helene Bettelheim-Gabillon hrsgg. sammlung „der landsknecht“ [sic]. Bilder aus Alt-österreich (österreichische Bibliothek 7, leipzig 1915).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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