Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographien
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 730 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 730 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I

Bild der Seite - 730 -

Bild der Seite - 730 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I

Text der Seite - 730 -

Tagebücher730 sich alle tage, indem nun schon eine menge comitate übergesprungen sind. soviel scheint aber doch gesagt werden zu können, daß die opposition bey den ständen eine schwache mehrheit haben, bey den magnaten aber (wozu die regierung wahre Proletarierpairs requirirt hat) in der minorität bleiben wird, vielleicht die Administratorenfrage ausgenommen, wo viele magnaten persönlich verletzt worden sind. übrigens hat sich schon eine Partey gebil- det, welcher die königlichen Propositionen, besonders in der Aviticitaet, Ab- lösung etc. viel zu weit gehen. im ganzen läßt sich daher über den gang des landtags noch wenig prophezeyen, die steuerfrage aber wird wahrscheinlich durchfallen, weil niemanden, der stark begütert ist, ernst damit ist.1 louis Batthyány möchte die opposition despotisch beherrschen und wird sich da- mit wahrscheinlich den hals brechen, bey ihm ist nichts Anderes als Persön- lichkeit und haß gegen Apponyi. daß meine Anwesenheit in Presburg Aufsehen erregte, und ich dort eine Art von personnage war, ist natürlich, und ich kann sagen, daß ich nament- lich von der opposition, herrn und damen (denn dort treibt alles Politik, und unsere landtage etc. nehmen sich gegen diese allgemeine Aufregung und theilnahme gar misérabel aus), sehr fetirt wurde, die ersten notabili- täten ließen sich mir vorstellen etc. erzherzog stephan lud mich auf seinen großen Ball, womit er am 18. sein haus eröffnete, und wo auch der kaiser erschien, und unterhielt sich sehr lange (sogar wie mir schien mit einer ge- wissen Affectation) mit mir, und zwar über politische gegenstände, wobey ich ganz unumwunden ihm meine meinung sagte. ich war im Wirthshause abgestiegen, mußte aber dann zu edmund Zichy auf sein Begehren ziehen und amusirte mich da sehr mit seinem täglichen höchst mannigfaltigen morgenrapport als Polizeychef und oberststallmei- ster, ein mahl aß ich im oppositionscasino, besuchte aber auch das conserva- tive casino und hielt mich überhaupt möglichst neutral, wohnte einer reg- nicolarsitzung bey. Abends war ich bey Aspasie esterhazy im casino und einmal auf einem rout bey emmanuel Zichy, besuchte caroline károly, die mich sehr freundlich empfing, und wanderte dann zu fuße mit charlotte, emmanuel und otto Zichy und georges karoly zurück etc., kurz die paar tage waren sehr angenehm, und ich nahm mir vor, öfters diesen Ausflug zu wiederholen. neulich besuchte ich meinen alten freund daiser, welchen ich seit fast einem Jahre nicht gesehen habe, wir sprachen von den wunderlichen Zeit- läuften, diese alten diplomaten aus unserer schule sind aber sammt und 1 Am Programm des landtags standen – wie schon in den vorhergehenden – eine Änderung des feudalen erbrechts (Avitizität) und die Aufhebung des Privilegs der steuerfreiheit des adeligen grundbesitzes.
zurück zum  Buch „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I"
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“