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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 731 -
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7313. Dezember 1847 sonders des radoteurs mit Phrasen und syllogismen und verstehen ihre Zeit nicht. lerchenfeld schrieb mir kürzlich, er scheint entmuthigt und verstimmt, sein referat in der kammer über das eisenbahnanlehen ist von dem Willich’schen Antrage geworfen worden. so sehr ich in thesi für Anleihen im Wege öffentlicher subscription bin, so war ich doch in diesem falle, wo es sich handelte, gewiß und bald geld zu kriegen, mit lerchenfeld für ein Anlei- hen von der Bank.1 in der schweiz ist der tanz losgegangen. fritz schwarzenberg soll vom sonderbunde weggewiesen worden seyn. in italien ist das größte geschehen: ein Zollverein zwischen Piemont, toskana und rom! [Wien] 3. dezember gestern Abend kam ich von neuaigen zurück, wo ich einige tage bey Breu- ner auf der Jagd war. es waren außer Breuners söhnen und verwandten noch da: georg esterhazy, rudolf lamberg, locatelli, ludwigsdorf, harnon- cour, fritz fünfkirchen etc. die Jagd, auf hasen, fasanen und rehe, war sehr hübsch. Abgerechnet das vergnügen, welches mir die Jagd gewährt, will ich das edle Waidwerk auch deßwegen cultivieren (wenigstens in so weit es meine übrigen Beschäftigungen zulassen), weil es mich mit den landedel- leuten, also gerade mit der klasse menschen in nahe Berührung bringt, auf welche ich vorzugsweise wirken will und auch schon gewirkt habe. neulich war ich zu einer Jagd nach königstetten bey fries geladen, welche aber we- gen der erkrankung August Pereira’s, der auch seitdem gestorben ist, abge- sagt wurde.2 die ungarischen Adressdébatten haben eine ganze Woche gedauert und am 29. mit dem siege der opposition (26 gegen 22 stimmen) geendet, welche die kossuth’sche fassung annahm, worin seiner majestät zwar für die un- garische thronrede und die königlichen Propositionen gedankt, jedoch der ältern und neuesten gravamina des landes punctatim erwähnt wird. die regierungspartey wollte bloß eine dankadresse, szechenyi ein mittelding, wobey er wieder als langweiliger schwätzer von sich und immer nur von sich sprach, mir scheint, an dem manne war nie sehr viel, und jetzt weni- ger als je, was nicht hindert, daß er wahrscheinlich in einem Jahre kanz- ler seyn wird. unserer Angelegenheiten wurde in der debatte ziemlich viel, 1 es handelte sich um die verhandlungen des kurz zuvor geschlossenen bayerischen son- derlandtags, in dessen mittelpunkt die frage der finanzierung des weiteren Ausbaus des eisenbahnnetzes stand, vgl. auch eintrag v. 3.12.1847. 2 moritz v. fries war mit einer tochter des Wiener Bankiers frh. August Pereira-Arnstein verheiratet.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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