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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 735 -
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73517. Dezember 1847 gen sey, solange sich die Weiber nicht um uns bekümmern, solange die Po- litik nicht mode wird, wird es immer schlecht mit uns aussehen. übrigens ist seit einiger Zeit in dieser Beziehung ohnehin schon manches geschehen, schon dadurch, daß ich als verkörperte opposition unter ihnen herumgehe, in Prag besonders sollen die Weiber des teufels seyn, nur hier grassiren noch scholz, nestroy und lato Wrbna. mit diesem letzteren hatte ich neulich bey edmund Zichy (dessen mutter eben gestorben ist, daher er mehrere Abende zu hause war) eine sehr heftige rencontre, ich äußerte mich nämlich geringschätzig über fürst metternich und seine Politik, worüber er, der überhaupt jetzt wegen des traurigen en- des der schweizerhelden in einer fortwährenden exasperation ist und schon durch die vorhergegangene discussion mit mir erbittert war, plötzlich mit einer solchen Wuth über mich herfiel, daß ihm förmlich der Athem ausblieb: ich sey bloß disgustirt, denn ich hätte vor Zeiten bey fürst metternich um eine Anstellung gebettelt, und mein ganzes Auftreten komme nur von per- sönlichen ursachen her etc. ich replicirte kalt und scharf, ja höhnend, be- hielt also die oberhand, denn wo er Widerstand merkt, zieht er, der nur ge- gen schwache und furchtsame insolent ist, zurück. doch lassen dergleichen heftige Auftritte bey mir immer eine unangenehme nachwirkung zurück, da ich immer fürchte, nicht genug gesagt zu haben, obwol ich es gerade in die- sem falle und aus dieser veranlassung nicht zum Äußersten treiben wollte, wegen des eclats, übrigens wird dieser mensch, den man nur mehr die cas- sandra des casinos nennt, täglich unangenehmer, wir weichen uns gegensei- tig aus, und ich besonders vermeide möglichst jede discussion mit ihm. die conferenzen in neufchâtel wegen der schweiz sollen nun doch eintreten,1 aprés coup, meiner Ansicht nach höchst ungeschickt, überhaupt halte ich die enorme Wichtigkeit, die man dieser sache beylegt, für ganz un- motivirt. das formelle recht wenigstens kann nach meiner Ansicht der tag- satzung2 durchaus nicht abgesprochen werden, und so sollte man die leute sich selbst überlassen. nach italien marschiren ganze massen von truppen, die 5. divisionen der italienischen regimenter werden errichtet etc., wozu das? und wohin sollen wir mit unsern finanzen kommen? in Polen und schlesien herrscht noth und Aufregung, mit franz stadion scheint man höchsten orts auch nicht recht zufrieden zu seyn. in Böhmen hat man auf allerhöchsten Befehl lam- 1 Zu den Versuchen der Großmächte, den Konflikt auf einer internationalen Konferenz zu lösen, und deren Ablehnung durch die eidgenossenschaft, vor allem nach der militärischen entscheidung, vgl. edgar Bonjour, geschichte der schweizerischen neutralität. vier Jahr- hunderte eidgenössische Außenpolitik. Bd. 1 (Basel 21965) 294–304. 2 das schweizerische Bundesparlament.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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