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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 736 -
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Tagebücher736 berg wegen seiner motion auf censurmilderung eine rüge ertheilt! (wäh- rend in Presburg dieselbe regierung die censur quasi fallen läßt) und zu- gleich ganz verfassungswidrige Beschränkungen in der discussionsfreyheit eingeführt, kurz Alles geht schlechter denn jemals. doblhoff ist aus ham- burg zurück gekommen, geladener als je, und die hiesigen stände bereiten energische schritte für ihre nächste versammlung vor: eine vollständige re- admittirung des 4. standes zu allen Berathungen, und dann, was ich schon im vorigen Jahre wollte, eine förmliche declaration des droits mit hinsicht auf die böhmischen und ungarischen vorgänge. Meine Politik ist jetzt nicht mehr auf vorstellungen und überzeugung ge- richtet: die männer des systems wollen nicht überzeugt seyn, denn sie sind gewissenlos, und es liegt ihnen nichts am heile der monarchie, was wir also anstreben müssen, ist der sturz dieser männer und dieses systems. daher krieg mit allen Waffen, besonders aber durch untergrabung des öffentlichen kredites und Aufdeckung des Abgrundes der finanzen. Auch für veröffent- lichung muß vor Allem gesorgt werden, und dazu hat doblhoff im Auslande manches nützliche verabredet. das 2. heft der Aktenstücke (böhmisches) ist erschienen, nächstens er- scheint das 3. ebenfalls bohemica, und für das 4. prepariren wir eben das material.1 die Adreßdebatten bey den magnaten waren heftiger, interessanter, und unsere Angelegenheiten kamen dabey noch weit mehr aufs tapet, als bey den ständen. louis Batthyány, mischka esterházy etc. sprachen sehr stark darüber, und emil deseöffy wollte sie widerlegen, that es aber so unge- schickt, daß er uns den besten dienst leistete. diese reden habe ich im Aus- zuge an kolb geschickt, zweifle aber, ob sie erscheinen werden, denn man hat der Allgemeinen Zeitung in letzter Zeit mit verboth gedroht! Also auch das noch! das wäre ein harter schlag. übrigens werden die kämpfe in Presburg immer bitterer und persön- licher, die gehoffte mäßigung verschwindet täglich mehr, gestern war ein furchtbarer excess, wo man die hauptwache stürmen wollte, um einen wegen grober Beleidigung einer schildwache arretirten Juraten zu be- freyen. edmund Zichy kam heute morgens hier an, frühstückte bey mir und erzählte mir den hergang, auch er wurde insultirt. kossuth und mucki Waldstein sind hart aneinander gerathen, und ersterer hat ein duell aus- geschlagen – garstige geschichten. – – hier ist die rede von einer Adresse an den landtag als erwiderung der von ihm ausgesprochenen sympathieen für uns. doblhoff war heute bey mir, 1 historische Actenstücke über das ständewesen in oesterreich. 6 hefte (leipzig 1847– 1848).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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