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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 737 -
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73731. Dezember 1847 um mit mir darüber zu sprechen, ich bin nicht einverstanden, habe aber noch keine bestimmte Antwort gegeben. münchhausen war ein paar tage hier und ging nach italien, ein wunder- licher origineller kauz. Jetzt ist Alexander troubetzkoi hier, wo die ganze familie, darunter ein paar superbe schwestern, oustinoff und ribeaupierre, versammelt sind, die mutter liegt krank am mutterkrebs und wird wohl kaum lebendig Wien verlassen, ich sehe sie ziemlich viel. das neue carlstheater in der leopoldstadt ist vor kurzem eröffnet wor- den, neulich war ich mit flore, gabrielle und louise Praschma draußen. das Wetter war bisher immer sehr mild, vor etlichen tagen hatten wir einen so dichten nebel, daß man sich hier eines ähnlichen nicht erinnert, seit 3 tagen ist es nun grimmig kalt, trocken und schön. schnee ist noch nicht gefallen. [Wien] 24. dezember nichts neues als der tod marie louisens, der die complicationen noch mehr vermehrt. morgen Abend reise ich ab, mit etwas heitereren Aussichten hin- sichtlich meiner geschäfte, aber doch immer schlecht genug. in grätz will ich einen tag bleiben und habe mir die patres patriae bestellt, und nach triest eine menge geschäftsleute. An varnbüler habe ich eine lange epistel abgesendet über unsere Zustände und den Beystand, den uns deutschland leisten sollte, dazu schloß ich material über die hiesige gewerbsgesetzge- bung, wie er es wünschte etc. Auch an deym habe ich wegen der Adresse an die ungarn (recte an louis Batthyány) geschrieben etc., kurz ich habe red- lich mein haus bestellt und fahre nun zwar ungern jedoch ziemlich beruhigt ab, pour chercher aventure und meinen Beutel in obacht zu nehmen. venedig 31. december 1847 Am Weihnachtstage den 25. dieses monats Abends 7 uhr verließ ich Wien und fuhr bey mäßiger kälte aber starkem schnee über den semmering, um 7 uhr war ich in grätz. Als ich noch beym frühstück war, kam frank und bald nach ihm carl mandell. ich ging dann mit frank zu herrn v. kalch- berg ins Bureau und fand in ihm noch weit mehr als ich erwartet hatte, ei- nen durch und durch gebildeten, energischen politischen kopf, wir sprachen mehrere stunden lang über die allgemein österreichischen und speciell stey- ermärkischen Zustände, welche letzteren auch in Beziehung auf die stel- lung der stände günstiger zu seyn scheinen als irgendwo anders, freylich haben sie sich auch noch nicht auf das politische feld gewagt, ausgenom- men mit ihrem neulichen Antrage auf öffentlichkeit der gerichte. man er- zählte mir manches interessante über den neulichen krawall in grätz gegen die Jesuiten und den klerus, derselbe zeigt immerhin von einer gewissen entschiedenheit des Bürgerstandes und kann dieselbe nur für die Zukunft
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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