Österreichische Volksbanken-Aktiengesellschaft

Österreichische Volksbanken-Aktiengesellschaft
Logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1922
Sitz Wien, Österreich
Mitarbeiter 2.038 (Ultimo-Anzahl Mitarbeiter 2011)
Bilanzsumme 41.135 Mio. Euro
Branche Bankwesen
Website www.volksbank.com

Die Österreichische Volksbanken-Aktiengesellschaft (auch Österreichische Volksbanken-AG und abgekürzt ÖVAG) ist das Spitzeninstitut der österreichischen Volksbank Gruppe.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die ÖVAG wurde 1922 als Österreichische Zentralgenossenschaftskasse von den im Allgemeinen Verband der auf Selbsthilfe beruhenden Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften Österreichs (seit 1930 Österreichischer Genossenschaftsverband, ÖGV) Kreditgenossenschaften (Schulze-Delitzsch) unter der Führung von Otto Neudörfer gegründet, der bis Juli 1931 als erster Vorstandsobmann fungierte und dann bis zu seinem Tod Vorsitzender des Aufsichtsrates war.

Die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft mit der seither unveränderten Bezeichnung Österreichische Volksbanken-Aktiengesellschaft erfolgte 1974. Die Bank verfügt über den Markennamen und die internationale Bezeichnung Volksbank AG (kurz VBAG).

Mit der Übernahme der Mehrheit bei der Investkredit Bank AG und der Kommunalkredit Austria AG um zusammen 800.000 Euro im Jahre 2005 hatte sich die ÖVAG erhebliche Risiken aufgehalst, die in der Finanzkrise 2008 schlagend geworden sind. Die schwer angeschlagene Kommunalkredit AG wurde am 3. November 2008 durch eine Zwangsverstaatlichung gerettet und die Republik Österreich übernahm um den symbolischen Kaufpreis von 1 Euro den Anteil der ÖVAG. Diese musste den Buchwert ihres Anteiles an der Kommunalkredit in Höhe von 420.000 Euro abschreiben. Im Jahre 2009 erhielt die ÖVAG 1 Mrd. Euro Partizipationskapital vom österreichischen Staat aus dem staatlichen Bankenhilfspaket. Da die Bank in den Folgejahren kein positives Betriebsergebnis erreichte, hatte sie für dieses Kapital keine Dividende zu bezahlen.

Das Geschäftsjahr 2011 endete mit einem Verlust von mehr als 1,3 Milliarden Euro.[1] Der hohe Jahresverlust 2011 hatte mehrere Ursachen, so wurden in erster Linie Verluste bei den Bankentöchtern in Rumänien und Ungarn und die Abschreibungen bei Griechenlandanleihen angegeben. Weiters waren Abschreibungen bei der Beteiligung an der Investkredit notwendig. Auch beim Verkauf der ÖVAG-International an die russische Sberbank konnte nicht der Preis erzielt werden, den man sich erwartet hatte.[2] Das machte ein neuerliches Sanierungskonzept erforderlich, welches am 27. Februar 2012 vereinbart wurde. Um den Verlust abzudecken wurde vorerst eine Kapitalherabsetzung durchgeführt, wobei der Staat von der eingesetzten Milliarde 700 Millionen abschreiben musste. Der 70-prozentigen Kapitalschnitt hat alle Kapitalinstrumente betroffen, also Aktienkapital, staatliches und privates Partizipationskapital. In der Folge beteiligt sich die Republik Österreich direkt bei der ÖVAG, wodurch die Bank im Zuge einer Kapitalerhöhung von insgesamt 484 Millionen Euro, vom Bund 250 Millionen Euro frisches Geld bekommen hat. Die restlichen 234 Millionen Euro stammten von den Bundesländer-Volksbanken, welche die Aktienmehrheit in der ÖVAG behielten. Die österreichischen Volksbanken mussten sich dazu verpflichten, mit der ÖVAG einen „Haftungsverbund“ zu bilden.[3] Der Haftungsverbund, der 58 Kreditinstitute umfasst, wurde am 29. Juni 2012 bei der Bundeswettbewerbsbehörde angemeldet.[4] Mit der Genehmigung durch die österreichische Finanzmarktaufsicht am 18. September 2012 hat der Kreditinstitute-Verbund (Volksbanken-Verbund) Rechtswirksamkeit erlangt. Der Verbund besteht aus 51 Regionalen Volksbanken, 6 Spezialbanken (Apothekerbank, Ärztebank, Gärtnerbank, IMMO-Bank, Sparda Linz, Sparda Villach/Innsbruck), 4 Hauskreditgenossenschaften, der Allgemeinen Bausparkasse der Volksbanken, kurz ABV und der Österreichische Volksbanken-Aktiengesellschaft.[5]

Eigentümerstruktur

Die Österreichische Volksbanken-Aktiengesellschaft hat folgende Eigentümerstruktur:[6]

  • 50,1 % – Volksbanken Holding eGen
  • 43,3 % – Republik Österreich
  • 3,8 % – DZ Bank AG
  • 1,5 % – ERGO Gruppe
  • 0,9 % – Raiffeisen Zentralbank Österreich AG
  • 0,4 % – Streubesitz

Nach Abwicklung der am 28. Februar 2012 beschlossenen Sanierungsmaßnahmen wird sich die Aktionärsstruktur ändern, wobei die geplante Teilverstaatlichung die einschneidendste Maßnahme sein wird.

Konzern der Österreichischen Volksbanken-AG (kurz ÖVAG Konzern)

Der ÖVAG Konzern ist Österreichs viertgrößte Bankengruppe und ist in den Geschäftsfeldern Financial Markets, Immobilien, Unternehmen und Retail tätig.

Dem Konzern gehören neben Banken, Immobilien- und Leasinggesellschaften weitere Dienstleistungsunternehmen an:[7]

  • Banken (Investkredit Bank AG, VB Factoring Bank AG, Investkredit Investmentbank AG, Volksbank Invest Kapitalanlageges.m.b.H., Volksbank Malta und Volksbank International AG mit ihren Tochtergesellschaften in CEE wurden 2011 an die Russische Sberbank verkauft – ausschließlich VB Romania)
  • Immobiliengesellschaften (VB Real Estate Services GmbH, IMMO-Kapitalanlage AG)
  • Leasinggesellschaften (VB Real Estate Services GmbH, VB Leasing Finanzierungs GmbH, VB-Leasing International Holding GmbH)
  • Dienstleister (Back Office Service für Banken GmbH (B.O.G.) und VB Management Beratung GmbH)

Kennzahlen 2011 des ÖVAG Konzerns

Dem Geschäftsbericht[8] des Konzerns sind nachstehende Kennzahlen zu entnehmen:

  • Durchschnittliche Anzahl der Mitarbeiter: 3.120 (1.315 Inland, 1.805 Ausland)
  • Bilanzsumme: 41,135 Mrd. Euro
  • Jahresergebnis vor Steuern: -891,2 Mio. Euro

Volksbank International AG

Die Volksbank International AG (VBI) www.vbi.at ist ein Tochterunternehmen der Österreichischen Volksbanken-Aktiengesellschaft. Im Zuge der Umsetzung der neuen Strategie der ÖVAG, die auf der Fokussierung auf das Kerngeschäft (Spitzeninstitut des Volksbank-Sektors, Unternehmens- und Immobiliengeschäft) beruht, wurde Ende 2010 der Beschluss zum Verkauf der Volksbank International AG (VBI) gefasst.

Im September 2011 haben die bisherigen Eigentümer der VBI (ÖVAG: 51 %, DZ Bank AG und WGZ Bank AG: 24,5 %, Banque Populaire Caisse d’Epargne: 24,5 %) sowie Vertreter der russischen Sberbank einen Vertrag über den Verkauf der VBI unterzeichnet. Die Sberbank hat 100 % der Anteile an der VBI Gruppe (exklusive Volksbank Rumänien) erworben. Das Closing der Transaktion soll am 15. Februar 2012 stattfinden.[9]

Das von der Sberbank erworbene Banken-Netzwerk besteht aus neun Instituten in folgenden acht mittel- und osteuropäischen Ländern: Slowakei, Tschechien, Ungarn, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien und Ukraine.

Die Volksbank Rumänien ist von der Transaktion ausgenommen und wurde in eine neue Gesellschaft eingebracht. Die Eigentümerverhältnisse bleiben unverändert, die ÖVAG behält ihren 51 %-Anteil. Die neue Gesellschaft wird von den Eigentümern direkt – nicht wie bisher über die VBI in Wien – gesteuert.

Direktoren und Generaldirektoren

Aufsichtsratspräsidenten

Ehrenamtliche Vorstandsvorsitzende (Obmänner)

  • Otto Neudörfer (1923 bis 1931)
  • Karl Rehling (1931 bis 1937)
  • Paul Poindecker (1937 bis 1938)[11]

Einzelnachweise

  1. ORF in Eco am 1. März 2012
  2. In: Kurier online. 28. Februar 2012.
  3. [1] In: „Die Presse.com. 28. Februar 2012.
  4. Bundeswettbewerbsbehörde
  5. [2]
  6. ÖVAG-Eigentümerstruktur (Stand: 7. November 2011)
  7. Jahresbericht 2009 Österreichischer Genossenschaftsverband (ÖGV)
  8. Geschäftsjahr 2011.
  9. Volksbank International gehört ab Mittwoch den Russen
  10. Neuer Aufsichtsrat: Vergangenheit "unter Kontrolle"
  11. [Johann Brazda (Hrsg.): 150 Jahre Volksbanken in Österreich, Schulze-Delitzsch-Schriftenreihe, Band 23, Wien 2001

Weblinks