Donawitz

Dieser Artikel beschreibt den Leobener Stadtteil. Für die gleichnamige Gemeinde in Tschechien, siehe Stanovice u Karlových Var.
Das seit 1837 bestehende Hüttenwerk der voestalpine AG in Donawitz mit seinen wesentlichen Anlagenteilen: 1. Erzaufbereitung (Sinteranlage) mit 115 Meter hohen Kamin, 2. Hochöfen, 3. Stahlwerk, 4. Schienenwalzwerk, 5. Schienenlager, 6. Drahtwalzwerk

Donawitz ist ein Stadtteil von Leoben und zählt (Volkszählung 2001) 4202 Einwohner. Im Jahre 1938 wurde Donawitz, damals eine eigene Gemeinde, zu Leoben eingemeindet.

Der 1155 als „Tumoiz“ erwähnte Ort war schon zur Römerzeit besiedelt. Eine Grabkapelle aus dem 3. Jahrhundert ist in Graz im Museum Joanneum aufbewahrt. Seit dem Mittelalter ist der Ort durch die Eisenindustrie geprägt. Schon 1314 wird der Ort als bedeutender Handelsplatz für Eisen genannt, das in zahlreichen Hüttenwerken - so genannten Radwerken - im Vordernbergertal aus dem Erz des Steirischen Erzbergs gewonnen wurde.

Hüttenwerk Donawitz

Die Ursprünge des heutigen Stahlwerkes in Donawitz gehen auf die urkundlich nachweisbaren Hammerwerke aus dem Jahre 1436 zurück.

Die Erzverhüttung in Radwerken war an das Vorhandensein von Wasserkraft gebunden, was auch die Erzeugungsmenge stark begrenze. Mit dem Einsatz immer leistungsfähigerer Dampfmaschinen war es am Anfang des 19. Jahrhunderts möglich, wesentlich größere Hüttenwerke an verkehrsgünstigen Orten zu errichten. So entstand auch in Donawitz 1837 aus dem bisher relativ kleinen Puddlingsstahlwerk die nach ihrem Erbauer Franz Mayr benannte Franzenshütte.

1868 erfuhr Donawitz durch den Anschluss an Eisenbahn mittels der Verbindungsbahn zwischen Südbahn und Kronprinz-Rudolfs-Bahn einen starken wirtschaftlichen Aufschwung. Es konnte nun Steinkohle in großen Mengen aus Nordmähren heran geschafft werden und die Eisenwaren konnten schneller und günstiger zu den Kunden transportiert werden.

1881 erfolgte die Gründung der Österreichisch-Alpine Montangesellschaft (OAMG) durch den Zusammenschluss mehrerer Hüttenbetriebe in der Steiermark und Kärnten mit ihrem Hauptwerk in Donawitz. In den Folgejahren erfuhr das Werk in Donawitz ein umfassender Ausbau.

1891 wurde der erste Kokshochofen mit 200 t Tagesleistung in Donawitz angeblasen. 1899 folgte der zweite Hochofen mit 250 t und 1905 sowie 1907 der dritte und vierte Hochofen mit je 400 t Tageleistung. 1911 wurde der nicht mehr zeitgemäße Hochofen I durch einen weiteren 400 t Ofen ersetzt. Die größte Jahresproduktion der Hochöfen mit ca. 410.000 Jahrestonnen Roheisen wurde 1916 infolge des Rüstungsbedarfs durch den Ersten Weltkrieg erzielt.

Ab 1878 war ein Siemens-Martin-Stahlwerk, das vor dem Ersten Weltkrieg mit 14 Einheiten für je 30 t Einsatz als größte Anlage auf dem Kontinent galt. Die Rohstahlproduktion betrug 1916 annähernd 500.000 Jahrestonnen. Zur Weiterverarbeitung entstanden ein Block- und Drahtwalzwerk, eine Träger- und Schienenwalzstrecke sowie Bandwalzstrecken.

Mit dem Zerfall der Donaumonarchie 1918 ging ein großer Teil der Absatzmärkte des Hüttenwerks in Donawitz verloren. Der dadurch verursache Produktionsrückgang wurde durch die Weltwirtschaftskrise weiter verschärft. Nach mehreren Besitzwechseln wurde das Hüttenwerk 1941 Teil der Reichswerke Hermann Göring. Infolge der Ankurbelung der Rüstungsindustrie konnte die Roheisenproduktion 1941 wieder auf ca. 500.000 t gesteigert werden. Durch die Lage der Werksanlagen in einem engen Tal umgeben von hohen Bergen, blieben Donawitz großflächige Bombenangriffe wie der Hütte Linz erspart.

Nach Kriegsende im Mai 1945 besetzte die Rote Armee die Obersteiermark und begann sofort mit der Demontage von Betriebsanlagen. Nach Festlegung der alliierten Besatzungszonen kamen Ende Juli 1945 die Briten in die Steiermark und die Sowjets zogen ab. Das Werk wurde verstaatlicht und die Firmenstruktur der ehemaligen ÖAMG wiederhergestellt. 1948 wurde der sogenannte „Österreichische Eisen- und Stahlplan“ erstellt, der die zukünftigen Entwicklungs- und Ausbaumaßnahmen der beiden großen Hüttenwerke in Linz und Donawitz bestimmte. In Linz (Vereinigte Österreichische Eisen- und Stahlwerke AG - VÖEST) sollte die Erzeugung von Flachprodukten, also Blechen und in Donawitz die Fertigung von warmgewalzten Profilen, Trägern, Schienen und Draht konzentriert werden.

1973 erfolgte die Fusion der ÖAMG mit der VÖEST zur VOEST-ALPINE AG. Die Hütte Donawitz wurde bis in jüngste Zeit grundlegend modernisiert und beschäftigt heute (2009) rund 2300 Arbeitnehmer. Die beiden Hochöfen besitzen eine Tagesproduktion von zusammen rund 4000 t Roheisen. Der größte Teil der rund 1,5 Millionen Jahrestonnen umfassenden Stahlproduktion wird zu Eisenbahnschienen verarbeitet, was das Werk zur größten Schienenfabrik Europas macht.

47.37555555555615.072222222222556Koordinaten: 47° 22′ 32″ N, 15° 4′ 20″ O