Voestalpine

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Voestalpine
Voestalpine-Logo.svg
Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN AT0000937503
Gründung 1946
Sitz Linz, Österreich
Leitung Wolfgang Eder (Vorstandsvorsitzender)
Joachim Lemppenau (Aufsichtsratsvorsitzender)
Mitarbeiter 46.500 (05/2012)
Umsatz 12.06 Mrd. EUR (2012)[1]
Branche Stahlerzeugung
Website www.voestalpine.com

Die Voestalpine AG ist ein weltweit agierender österreichischer Stahlkonzern mit Sitz in Linz (Oberösterreich). Die voestalpine ging 1995 aus dem 1946 gegründeten Stahlkonzern VÖEST hervor, der Teil der verstaatlichten Industrie Österreichs war.

Die voestalpine ist in über 60 Ländern vertreten und besteht aus rund 360 Produktions- und Vertriebsgesellschaften. Die voestalpine AG notiert seit 1995 an der Wiener Börse. Weltweit beschäftigt das Unternehmen rund 46.500 Mitarbeiter und der Umsatz im Geschäftsjahr 2011/12 betrug rund 12,06 Mrd. EUR. Das EBITDA lag bei 1,3 Mrd. Euro.[2]

Panorama des Werksgeländes. Rechts, Bildmitte Stahlwerk LD-3 und Hochöfen 4, 5 und 6, weiter links Hochofen A, ganz links Kraftwerk

Inhaltsverzeichnis

Struktur des Unternehmens

Die voestalpine-Gruppe besteht aus der Konzernholding und gemäß den Kerngeschäftsbereichen aus vier Divisionen:[3]

Blick auf das Voest-Gelände in Linz über Traun und Donau im Juli 2007
  • Steel Division
  • Special Steel Division
  • Metal Engineering Division
  • Metal Forming Division

Mit Wirkung zum 1. April 2012 werden die bisher getrennt geführten Divisionen Automotive und Profilform künftig zu einer Division zusammengeführt.Durch die Zusammenfassung der beiden Divisionen sollen Synergieeffekte erzielt werden.[4]

Steel Division

Die Steel Division bildet das Kerngeschäft des voestalpine-Konzerns und ist gleichzeitig die größte Einheit des Konzerns.

Schwerpunkt der Steel Division ist die Erzeugung und Verarbeitung von Flachstahlprodukten für die Automobil-, Hausgeräte- und Bauindustrie. In der Steel Division werden warm- und kaltgewalzte, sowie elektrolytisch verzinkte, feuerverzinkte und organisch beschichtete Bleche produziert. Hinzu kommen Elektroband, Grobblech- und Gießereiaktivitäten. Nachgelagerte Bereiche sind Stahl Service Center, Anarbeitung, Logistik Service und Mechatronik. Größtes operatives Unternehmen und gleichzeitig Leitgesellschaft der Steel Division ist die voestalpine Stahl GmbH mit Firmensitz in Linz.[5]

Special Steel Division

Ein von voestalpine in Bau befindliches Hochregallager für 55.000 Euro-Paletten

Die Special Steel Division besteht aus weltweit führenden Edelstahl- und Werkstoff-Unternehmen. Produktionsgesellschaften befinden sich in Österreich, Deutschland, Schweden, Brasilien und den USA. Die Division entstand durch die Akquisition von Böhler-Uddeholm. Zu den Produkten zählen unter anderem Werkzeugstahl und Sonderlegierungen für Öl- und Dampfturbinen. Hauptsächlich sind der Werkzeugbau der Automobilindustrie sowie die Konsumgüterindustrie Kunden der Special Steel Division.[6]

Metal Engineering Division

Die Metal Engineering Division ist eine Bündelung der Bahninfrastrukturaktivitäten der voestalpine. Teil der Division sind die Geschäftsbereiche Schienentechnik, Weichensysteme, Bahnlogistik und Bahnservices, sowie Draht, Nahtlosrohre und Schweißtechnik. Die Produkte der Metal Engineering Division sind hochwertige Schienen- und Weichenprodukte, Walzdraht, gezogener Draht und Spannstahl, Nahtlosrohre sowie Schweißzusatzstoffe und Halbfertigerzeugnisse. Ebenso bietet die Metal Engineering Division den kompletten Service für den Bahn-Fahrwegbau.

Die Metal Engineering stellt Produkte für die Eisenbahnindustrie, die Öl- und Gasindustrie, die Stahl- und Bauindustrie, die Maschinenbauindustrie und die Automobilindustrie her.[7]

Metal Forming Division

Am 1. April 2012 wurden die Division Profilform und die Division Automotive zur Metal Forming Division zusammen geführt. voestalpine Metal Forming startete mit 10.000 Mitarbeitern weltweit. Die Kompetenzen des Konzerns werden damit in vier annähernd gleich großen Divisionen gebündelt. Durch die Zusammenlegung der beiden Divisionen ergibt sich eine Reihe von Vorteilen: So gab es schon bisher eine enge Zusammenarbeit im Bereich Forschung und Entwicklung. Auf der Kundenseite - insbesondere in der Automobilindustrie und am Energiesektor – gab es in den letzten Jahren immer stärkere Überschneidungen und damit sich hervorragend ergänzende Kompetenzen.

Die neue Division verfügt über fünf Geschäftsbereiche: „Tubes & Sections“ ist ein weltweit führender Hersteller von innovativen und hochwertigen Rohren, Profilen und Präzisionsstahlrohrprodukten. „Automotive Body Parts“ ist Direktlieferant von innovativen und qualitativ hochwertigen Karosserieteilen an die Automobilindustrie. Kaltgewalzte Edelbandstähle mit hoher Maßhaltigkeit und ausgezeichneter Oberflächengüte bleiben weiterhin unter „Precision Strip“ zusammengefasst, anspruchsvolle Produktlösungen in den Bereichen Hochregallager und Systemregale unter „Material Handling“. „Flamco“ produziert hoch qualitative Komponenten in der Heizungs- und Wasserinstallation mit dem Marktschwerpunkt Benelux.[8]

Aktionärsstruktur

Grundkapital: 307.132.044,75 EUR

169.049.163 Aktien[9]

  • RLB OÖ Invest GmbH und Co OG (15 %)
  • Oberbank AG (5 %)
  • voestalpine Mitarbeiterbeteiligung Privatstiftung (13 %)[10]
  • Streubesitz (67 %)[11]

Geschichte

Hauptartikel: VÖEST

Gründung als Rüstungsbetrieb

Der Spatenstich für den Bau der „Hermann-Göring-Werke“, welche vollständig „Reichswerke Aktiengesellschaft für Erzbergbau und Eisenhütten ‚Hermann Göring’ Linz“ hieß, und Tochtergesellschaft der Berliner Reichswerke Hermann Göring war, erfolgte am 13. Mai 1938. Als Standort wurde die nahe der Donau gelegene Dorfsiedlung St. Peter/Zizlau – seit 1915 Stadtteil von Linz – ausgewählt. Grund dafür war, dass der breite Streifen im Osten von Linz aufgrund der permanenten Hochwassergefahr bis auf St. Peter nahezu unbebaut war. Man entschied sich daher, dafür die Siedlung abzutragen und die Einwohner in andere Stadtteile umzusiedeln. Das Gebiet wurde großflächig mit Schotter aufgeschüttet, um künftigen Hochwassern vorzubeugen. Bei der Schottergewinnung in der Umgebung von Linz entstanden der Weikerlsee sowie Teile des Pichlinger Sees.

Ein Gasometer der Voest, ein weithin sichtbares Industriebauwerk

In Erwägung als Standort wurde ursprünglich auch das Gebiet um Pichling und Asten gezogen, doch kam man zum Entschluss, dort würde zu viel landwirtschaftliche Nutzfläche verloren gehen. Das Areal im Osten von Linz, auf welchem nun gebaut wurde, besaß ein Ausmaß von 4 x 1,5 km (heute rund 1 km² weniger). Auf demselben Areal wurde von der nationalsozialistischen Herrschaft auch „die Stickstoffwerke Ostmark AG“ gegründet – die spätere Chemie Linz.

Die Hermann Göring-Werke Linz und ihre inzwischen gegründeten Tochtergesellschaften, die Eisenwerke Oberdonau GmbH (Rüstungsbetrieb) und die Stahlbau GmbH (Engineering- und Montagebetrieb zum Bau der Linzer Werke), wurden 1939 mit der Österreichisch-Alpine Montangesellschaft zur Alpine Montan Aktiengesellschaft "Hermann Göring" Linz fusioniert.[12]

Ohne ausländische Arbeitskräfte - ab 1938 zivile Ausländer, ab 1940/41 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene sowie ab Ende 1942 KZ-Häftlinge - hätten die Werke nicht gebaut und die Rüstungsgüter nicht produziert werden können.[13]

1941, nachdem der erste Hochofen angeblasen werden konnte, begannen die „Eisenwerke Oberdonau“ mit der Produktion von Panzerteilen, welche im nahe gelegenen Nibelungenwerk St. Valentin montiert wurden. Bis 1944 konnten drei weitere Hochöfen fertiggestellt werden, und so wurden bis zur weitgehenden Kriegsbeschädigung der Werksgebäude durch US-amerikanische Bombenangriffe im Juli 1944 rund 1,5 Millionen Tonnen Roheisen für die Erzeugung von Panzerblechen produziert. Im selben Jahr erreichte der Beschäftigtenstand der Linzer Werke seinen Höhepunkt. Der Ausländeranteil (Zwangsarbeit) ohne Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge betrug durchschnittlich zwei Drittel, in einzelnen Betriebsteilen sogar bis zu 90 Prozent.[14] Die über 7000 KZ-Häftlinge aus Mauthausen, die zwischen 1942 und 1945 in zwei Lagern auf dem Werksgelände untergebracht waren, wurden in der Deutschen Erd- und Steinwerke GmbH, Hochofenschlackenwerk, Linz/Donau, beim Ausbau der Hütte Linz und der Panzerproduktion der Eisenwerke Oberdonau und schließlich mehr oder weniger in allen Produktionsbereichen der Reichswerke eingesetzt.[15]

Bis zuletzt arbeiteten rund 20.000 Menschen (ohne KZ-Häftlinge) in allen Betrieben der Linzer Werke,[16] welches neben den anderen neuen Industrieunternehmen zum wirtschaftlichen Motor der Stadt geworden war. Die Bevölkerungszahl der Stadt stieg von 112.000 im Jahre 1938 auf 194.000 im Jahr 1945 an. Allerdings befanden sich auch rund 40.000 Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter, Umsiedler, Flüchtlinge (teils aus Siedlungen nördlich der Donau, da man die nahende Besatzungszeit durch die Russen fürchtete) und Bombengeschädigte in der Stadt.

Kriegsende und Wiederaufbau

Nach Kriegsende wurden die ehemaligen Hermann Göring-Werke als deutsches Eigentum von den Alliierten (USA) beschlagnahmt und in Vereinigte österreichische Eisen- und Stahlwerke (VÖEST) umbenannt und von der Alpine Montan AG getrennt. Am 16. Juli 1946 wurde die neu gegründete VÖEST von den Amerikanern zur treuhändigen Verwaltung an die Republik Österreich übergeben. Aufgrund des "Verstaatlichtengesetzes" vom 26. Juli 1946 ging die VÖEST in das Eigentum des österreichischen Staates über.[17]

Die verbliebenen 4400 Arbeiter der VÖEST begannen nun mit dem Wiederaufbau. Als erstes wurde das Kraftwerk, welches auch heute noch den Großteil der Energieversorgung sicherstellt, wiederaufgebaut. Betrieben wird es mit Kokerei- und Gichtgas, sowie heute auch Erdgas. Danach wurden die Kokerei, der Hochofen und das Stahlwerk wieder in Betrieb genommen. 1947 konnte der erste Hochofen wieder angeblasen werden, ein Symbol des Wiederaufbaus. 1951 waren drei, ab 1956 vier Hochöfen in Betrieb. Ab 1947 konnte auch wieder Stahl produziert werden, und im gleichen Jahr ergänzte ein weiterer Siemens-Martin-Ofen die Stahlproduktionskapazität.

Aufschwung

Die VÖEST bildete das Fundament der Verstaatlichten Industrie, die spätere Österreichische Industrieholding AG (ÖIAG). Ab 1947 erlebte die VÖEST einen beständigen Aufschwung und wurde spätestens mit der Entwicklung des LD-Verfahrens zur Stahlerzeugung im Jahre 1952 zum Paradebetrieb der Verstaatlichten Industrie. Im selben Jahr wird auch die GIWOG – Gemeinnützige Industrie-Wohnungsges. m.b.H. Linz – gegründet, um VÖEST-Mitarbeitern selbst Wohnraum zur Verfügung stellen zu können. So wurden von dieser Gesellschaft Wohnsiedlungen wie beispielsweise bereits 1952 die Muldenstraßensiedlung mit 178 Wohneinheiten errichtet.

Nachdem LD-Stahl auch für den Schiffbau zugelassen wurde, erwog die VÖEST eine eigene Reederei zu gründen. Grund dafür war, dass die Frachtkosten für Kohle und Erztransporte zwischen 1950 und 1970 massiven Preisschwankungen unterlagen. Pro Tonne musste das Unternehmen von 22 bis zu 120 englischen Shilling bezahlen. Die Ister-Reederei“ wurde gegründet, und im Januar 1958 lief bei der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft das erste Schiff vom Stapel – die zu 100 % aus LD-Stahl gebaute „Linzertor“. Im März 1959 erreicht die Linzertor New York City als ihr erstes Fahrziel. Nach Löschen der Ladung tritt das erste VÖEST-Frachtschiff die Weiterfahrt in Richtung Hampton Roads im südöstlichen Virginia an, um dort für die Rückfahrt Kohlefracht aufzunehmen. Weitere Schiffe wurden in Auftrag gegeben. Im November 1960 lief das zweite Frachtschiff, die „Wienertor“ bei der AG Weser in Bremen vom Stapel. Es besaß eine Länge von 159,44 m, eine maximale Breite von 20,20 m und einen Freibord-Tiefgang von ca. 9,89 m. Es konnte eine Geschwindigkeit von circa 15,5 Knoten erreichen und maximal 16.250 t laden. Das dritte Schiff der VÖEST-Reederei war die „Kremsertor“, welche am 20. Jänner 1966 in einem Sturm vor der Küste Großbritanniens bei Plymouth sinkt. Als Ersatz wird Ende Oktober 1967 die „Buntentor“ in der Flensburger Werft fertiggestellt. Es ist das größte VÖEST-Schiff, mit einer Tragfähigkeit von 38.000 t.

Aber auch die VÖEST selbst ließ Schiffe bauen. In der von 1974 bis 1991 zum Konzern gehörenden Schiffswerft Korneuburg, welche unter NS-Besatzung den Hermann-Göring-Werken einverleibt und ausgebaut wurde, wurden über 100 Passagierschiffe für die Sowjetunion gebaut.

1973 wurde die damals wirtschaftlich in Bedrängnis geratene steirische Alpine Montan AG (vollständige Bezeichnung Oesterreichisch-Alpine Montangesellschaft, Hauptproduktionsstätte in Leoben-Donawitz) auf politischen Druck hin wieder in die VÖEST eingegliedert, zu der sie bereits vor 1946 gehört hatte. Auch die anderen damaligen österreichischen Stahlerzeuger Böhler und Schoeller-Bleckmann wurden auf politischen Wunsch hin in den neuen Konzern miteingebracht. Das neu entstandene Unternehmen erhielt den Namen VÖEST-Alpine AG.

Krise der Verstaatlichten

In den darauffolgenden Jahren wurde der starke politische Einfluss auf das verstaatlichte Unternehmen verstärkt zur Arbeitsplatzsicherung eingesetzt. Diese Praxis fand ihr Ende im Jahre 1985, als das zum Mischkonzern angewachsene Unternehmen, das bereits seit 1981 hochdefizitär war,[18] einen durch Ölderivatgeschäfte noch verstärkten Rekordverlust von 25 Milliarden Schilling einfuhr. In der Folge wurde das Unternehmen massiv re- und umstrukturiert und der Personalstand stark abgebaut. Der damalige Finanzminister Ferdinand Lacina entließ den gesamten Voest-Vorstand und beendete mit einer neuen gesetzlichen Grundlage das bis dahin übliche Parteienproporz-System, das die Bestellung der Unternehmensführung von politischer Zugehörigkeit anstatt von wirtschaftlicher Qualifikation abhängig gemacht hatte.[19]

Das Sanierungskonzept wurde am 1. September 1986 veröffentlicht und sah den Abbau von 9400 Mitarbeitern und einen zusätzlichen Kapitalbedarf von 21,5 Milliarden Schlling bis 1990 vor. Um das entlassene Personal bei der Wiedereingliederung ins Erwerbsleben zu unterstützen, wurde 1987 die Stahlstiftung[20] gegründet. Die grundlegende Restrukturierung und strategische Neuausrichtung des ÖIAG-Konzerns führte 1988 und 1989 zur Bildung von sieben bzw. sechs Branchenholdings und damit auch zur völligen Restrukturierung des Stahl-Bereiches der verstaatlichten Industrie in Österreich. Durch Ausgliederung aus der bisherigen VOEST-ALPINE AG entstanden vier dieser sechs Branchenholdings oder bestanden zumindest in großem Ausmaß aus Betrieben und Gesellschaften, die in der Vergangenheit der VOEST-ALPINE Gruppe angehörten. Zwei dieser Branchenholdings waren die VOEST-ALPINE STAHL AG und die Maschinen- und Anlagenbau Holding AG. Letztere wurde u.a. die VOEST-ALPINE Industriebau GmbH und die VOEST-ALPINE Maschinenbau Gesellschaft m.b.H. (ab 1989 Machinery, Construction & Engineering Ges.m.b.H.) zugeordnet.[21] 1989 umfasste die VOEST-ALPINE STAHL AG alle Stahl erzeugenden Betriebe und die Unternehmen der stahlnahen Verarbeitung.[22]

Im selben Jahr wurden die sechs Branchenholdings der ÖIAG in die Industrie- und Beteiligungsverwaltungs-GesmbH (IBVG), einer hundertprozentigen Tochter der ÖIAG, eingebracht, die 1990 in die Austrian Industries AG umgewandelt wurde und den ersten Schritt in Richtung Börse durch eine "Going-Public"- Anleihe unternahm.[23] Mit dem Privatisierungsgesetz von 1993 wurde das Firmenkonglomerat im Wesentlichen in drei Konzerne zerlegt, die bis 1995 teilprivatisiert wurden:

Privatisierung

Mit dem Börsengang im Jahr 1995 wurde die Privatisierung des bis dahin noch zu 100 Prozent im Staatseigentum (ÖIAG) befindlichen voestalpine eingeleitet. Das Unternehmen wurde 2001 in vier Divisionen gegliedert: Stahl, Bahnsysteme, motion (ab Ende 2005 Automotive) und Profilform. 2003 wurde die vollständige Privatisierung beschlossen – die letzten Staatsanteile wurden zum Verkauf angeboten.[24] Seit demselben Jahr firmiert das Unternehmen wieder unter der traditionellen Bezeichnung voestalpine AG, jedoch in neuer Schreibweise.

Am 29. März 2007 gab das Unternehmen bekannt, den Stahlerzeuger Böhler-Uddeholm übernehmen zu wollen, nachdem dessen Kernaktionär seine Anteile zum Verkauf anbot. Nach Ende der Angebotsfrist Anfang Juni 2007 verfügte der Konzern mit über 50 % der Anteile nun über die Mehrheit, wenn auch mit weniger Anteilen als ursprünglich erwartet worden waren.[25] Der Anteil wurde mit Stand vom 6. September 2007, auf 79,2 % am Grundkapital erhöht. Die Integration als fünfte Division Edelstahl fand statt. Nach dem Erwerb der restlichen Anteile von BÖHLER-UDDEHOLM AG im Jahre 2008 befindet sich diese nunmehr in vollständigem Eigentum des voestalpine.[26]Im September 2009 hat die voestalpine AG eine Neuordnung der Böhler-Uddeholm AG vorgenommen. Danach wurde die bisherige Division Welding Consumables der Division Bahnsysteme der voestalpine AG zugeordnet. Die bisherige Division Precision Strip wurde Teil der voestalpine-Division Profilform. Die Böhler-Uddeholm Divisionen High Performance Metals und Special Forgings bilden die neue voestalpine-Division Edelstahl und verbleiben bei der Böhler-Uddeholm AG.[27]

Nach dem Zusammenschluss mit Böhler-Uddeholm beschäftigt der voestalpine-Konzern weltweit 41.490 Mitarbeiter (Stichtag 31. Dezember 2007).

Globale Wirtschaftskrise

Nach dem Kollaps der US-amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 sanken die Auftragseingänge der voestalpine und die Situation verschlimmerte sich laufend. Der Konzern reagierte rasch mit einem breitflächigen und Krisenmanagement sowie mit konzernweiten Kostenoptimierungs- und Effizienzsteigerungsprogrammen. Das Geschäftsjahr 2009/10 wurde das härteste und schwierigste seit Jahrzehnten.

Durch eine Strafanzeige deckte Voestalpine das Kartell Schienenfreunde auf, an dem das Unternehmen über Jahrzehnte beteiligt war.

Innovationen

LD-Verfahren

Siehe Hauptartikel: Linz-Donawitz-Verfahren

Das von der damaligen VÖEST entwickelte Linz-Donawitz-Verfahren (LD-Verfahren) ist eine der bedeutendsten Erfindungen in der Stahlerzeugung, bei dem Roheisen mit technisch reinem Sauerstoff aufgeblasen wird. 1952 ging das weltweit erste LD-Stahlwerk am Standort Linz in Betrieb. Das heutige Stahlwerk LD-3, das 1973 eröffnet wurde, gilt bis heute als eines der modernsten der Welt.

Das Know-how der Ingenieure der damaligen Neubauabteilung zur Errichtung von (LD-)Stahlwerken floss später in den neugegründeten VOEST-Alpine Industrieanlagenbau (VAI) ein. Dieser ging nach der Teilung der VÖEST 1993 in der VA Tech AG auf und gehört damit heute zum Siemens-Konzern.

HSH-Schienen

Die voestalpine Schienen GmbH Donawitz setzt seit 1900 mit der Erzeugung ultralanger bzw. spezialkopfgehärteter Schienen in einer Länge von bis zu 120 Metern Maßstäbe in der modernen Schienenerzeugung.[28] Das Verfahren zur Kopfhärtung ist eine Eigenentwicklung der voestalpine Schienen GmbH in Donawitz.[29]

Die ersten Versuche zu HSH-Schienen (Head Special Hardened) fanden bereits Anfang der 1980er Jahre statt,[30]aber erst 1990 begann die industrielle Fertigung auf einer auf einem eigenen Patent basierende Betriebsanlage zur Herstellung von kopfgehärteten Schienen – ein Meilenstein in der Geschichte der voestalpine Schienen. Als einziges Unternehmen liefert die voestalpine wärmebehandelte und schweißstoßfreie Schienen in einer Länge von 120 Metern aus.[31]

phs-ultraform

2002 landete das Pflichtenheft zur Entwicklung eines neuen "Superstahls" auf den Tischen der Forscher und Entwickler der voestalpine – der Startschuss für die Entwicklung der so genannten PHS-Technologie ("Presshärtender Stahl"). Durch Zusammenführung von Produkt- und Prozess-Know-how wurden von voestalpine Stahl, voestalpine Polynorm, voestalpine Europlatinen, voestalpine Krems und SADEF sowohl ein Verfahren zur Herstellung von Bauteilen aus härtbarem Stahl als auch eine innovative Beschichtung auf Zinkbasis entwickelt und patentiert – die phs-ultraform. Dieser "Presshärtender Stahl" und die daraus gefertigten Produkte – crashrelevante Bauteile für die Automobilindustrie – haben eine extrem hohe Festigkeit, Passgenauigkeit und Korrosionsbeständigkeit.[32]

Stahlwelt

Die voestalpine Stahlwelt ist eine Erlebniswelt für Erwachsene und Kinder. In der Stahlwelt wird der Werkstoff Stahl und der voestalpine-Konzern multimedial erlebbar. Die Ausstellung vermittelt Wissen entlang der Bereiche Stahlerzeugung, Stahlverarbeitung, Stahlprodukte und Stahlerfolge.[33]

Die zentrale Erlebniswelt ist eine riesige Stahlrotunde, die einem Stahlwerk-Tiegel nachempfunden ist. 80 verchromte Kugeln mit einem Durchmesser von bis zu 2,50 Metern sind Teil der Stahlwelt. Beeindruckende Exponate und interaktive Stationen machen den Werkstoff Stahl für Besucher spannend.[34]

Schichtbetrieb

In Linz und Donawitz wird rund um die Uhr in 8-stündigen Schichten gearbeitet. Zur Schichtwechsel-Zeit fahren zahlreiche so genannte „Schichtbusse“ vom voestalpine-Gelände in die Linzer Umlandgemeinden und zurück. Mehrere Haltestellen befinden sich in Linz direkt. Auch Nicht-Mitarbeiter können zu gewöhnlichen Preisen diese Busse benutzen. Die meisten Schichtbusse sind von Postbus. Eine Linie (Linie 18) wird von den Linz AG Linien befahren.

vatron

Die vatron gmbh war ein Tochterunternehmen von voestalpine Stahl und Siemens VAI. Sie wurde am 1. Oktober 1998 aus den Forschungs- und Entwicklungsbereichen der voestalpine Stahl und der Siemens VAI herausgelöst, um Messsystementwicklungen für den Qualitätsproduzenten voestalpine auch am externen Markt zu verkaufen.

Vatron beschäftigte sich mit der Optimierung von Produktionsanlagen speziell im Bereich der Stahlindustrie, sowie der Entwicklung, Fertigung und Betrieb von physikalischen Simulationseinrichtungen. Die Produktpalette reicht hier von der Schlackenfrüherkennung im Stahlwerk, über Zustandsüberwachungen und Messgeräten an Stranggießanlagen bis zu optischen Qualitätsmessungen in Walzwerken.

Aufgrund geänderterer Geschäftsinteressen wurde das Joint Venture vatron gmbh mit 1. August 2011 aufgespalten und die jeweiligen Bereiche in die voestalpine und Siemens VAI reintegriert. voestalpine Stahl führt keine gesonderten Produktaktivitäten weiter. Siemens VAI gründete auf Basis dieses Bereiches und sämtlicher enthaltener Produkte der ehemaligen vatron gmbh das globale Kompetenzzentrum für Mechatronik.

Einzelnachweise

  1. Die angegebene Zahl bezieht sich auf das Geschäftsjahr 04/2011 bis 03/2012
  2. [1] vom 30. Mai 2012
  3. vgl. Bouncken, Ricarda B.; Jones, Gareth R.: Organisation: Theorie, Design und Wandel. 5. Auflage; Pearson Studium, München 2008, S. 359.
  4. vgl. http://www.voestalpine.com/group/de/presse/presseaussendungen/2011-12-15-voestalpine-ag-strafft-konzernstruktur-veraenderungen-im-vorstand.html/
  5. vgl. http://www.voestalpine.com/group/de/divisionen/steel/
  6. vgl. http://www.voestalpine.com/group/de/divisionen/special-steel/
  7. vgl. http://www.voestalpine.com/group/de/divisionen/metal-engineering/
  8. vgl. http://www.voestalpine.com/group/de/divisionen/metal-forming
  9. voestalpine: Eigenkapital; abgerufen am 15. Juni 2012
  10. voestalpine: Mitarbeiterbeteiligung; abgerufen am 10. Jänner 2012
  11. OnVista: VOESTALPINE AG; abgerufen am 10. Jänner 2012
  12. vgl. www.voestalpine.com/historie
  13. siehe www.voestalpine.com/historie
  14. vgl. www.voestalpine.com/historie
  15. vgl. Perz, B.: KZ-Häftlinge als Zwangsarbeiter der Reichswerke "Hermann Göring" in Linz, in: Rathkolb, O.; (Hg.): NS-Zwangsarbeit: Der Standort Linz der "Reichswerke Hermann Göring AG Berlin" 1938-1945, Bd. 1: Zwangsarbeit - Sklavenarbeit: Politik-, sozial- und wirtschaftshistorische Studien, Wien 2001, S. 499 ff
  16. vgl. Moser, J.: Aus ökonomischer Sicht: Die Bedeutung des Einsatzes ausländischer Arbeitskräfte, ZwangsarbeiterInnen, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge in den Linzer Eisen- und Stahlwerken, in: Rathkolb, O.; (Hg.): NS-Zwangsarbeit: Der Standort Linz der "Reichswerke Hermann Göring AG Berlin" 1938-1945, Bd. 1: Zwangsarbeit - Sklavenarbeit: Politik-, sozial- und wirtschaftshistorische Studien, Wien 2001, S. 335
  17. vgl. www.voestalpine.com/historie
  18. vgl. www.voestalpine.com/historie
  19. Ex-Staatsunternehmen auf Fusionskurs, Der Standard, 30. März 2007, S. 18
  20. Geschichte der Stahlstiftung
  21. vgl. VOEST-ALPINE STAHL AG, Stahl 88, Unser Auftrag ist Erfolg, Das Geschäftsjahr 1988 der Unternehmensgruppe VOEST-ALPINE STAHL, 6 und ÖIAG, Geschäftsbereich 1988 und Austrian Industries, Geschäftsbericht 1989.
  22. vgl. VOEST-ALPINE STAHL, Das Geschäftsjahr 1989 der Unternehmensgruppe VOEST-ALPINE STAHL, 12.
  23. vgl. www.voestalpine.com/historie
  24. vgl. www.voestalpine.com/historie
  25. DiePresse.com: voestalpine: Böhler-Übernahme mit Schönheitsfehler
  26. vgl. www.voestalpine.com/historie
  27. http://www.bohler-uddeholm.com/german/523_DEU_HTML.htm
  28. vgl. http://www.voestalpine.com/schienen/de/company/locations/history.html
  29. vgl. http://voestalpine.com/group/de/presse/presseaussendungen/offizielle_eroeffnung.html
  30. vgl. Köstler, Hans Jörg (Red.), Werk Donawitz, Entwicklung und Umfeld 50 Jahre LD-Verfahren, Hrsg. voestalpine Bahnsysteme GmbH, Federführung bei der Herausgabe: Montanhistorischer Verein für Österreich, [Redaktion und Schriftleitung: Hans Jörg Köstler und Heinrich Wentner] Eigenverlag des Herausgebers, Donawitz 2002, 233
  31. vgl. VOEST-ALPINE Stahl AG, Unternehmensgruppe VOEST-ALPINE STAHL, Das Geschäftsjahr 1990, 18
  32. vgl. http://www.voestalpine.com/innovation/kategorien/mobilitaet/ein-neuer-superstahl-fuer-das-automobil
  33. vgl. http://www.mamilade.at/voestalpine/stahlwelt/linz/1006620-voestalpine_linz.html
  34. vgl. http://www.voestalpine-stahlwelt.at/Erlebnis-Stahlwelt/Ausstellung

Weblinks

48.27388888888914.333333333333Koordinaten: 48° 16′ 26″ N, 14° 20′ 0″ O