Quartier Belvedere

Die Baustelle im August 2012
Detail der Baustelle, 2012

Das Quartier Belvedere ist ein im Entstehen begriffenes neues Stadtviertel im 10. Wiener Gemeindebezirk, Favoriten. Es wird auf einem etwa 25 Hektar großen Teil der Fläche des bis 2009 / 2010 großteils abgesiedelten 3. und des 2013 entfernten 4. Südbahnhofs errichtet, und zwar dort, wo sich das Aufnahmsgebäude des Bahnhofs für Süd- und Ostbahn, die Bahnsteige mit den vorgelagerten Gleisharfen, Abstellgleise für Loks und Wagen und Teile des Frachtenbahnhofs befunden haben. In der Mitte des Areals befindet sich, diagonal gelegen, der am 9. Dezember 2012 teilweise eröffnete und bis 2015 in Vollbetrieb zu nehmende neue Wiener Hauptbahnhof, der samt den Zufahrtsgleisen weitere 50 Hektar belegt. Im Gegensatz zum südlich anschließenden, überwiegend dem Wohnbau gewidmeten, etwa 34 Hektar großen Sonnwendviertel wird das Quartier Belvedere vor allem Büro- und Geschäftsbauten umfassen.

Inhaltsverzeichnis

Name

Der Name des Viertels ist nicht historisch; er wurde um das Jahr 2000 oder kurz darauf von Stadtplanung, Bauunternehmen und Immobilienentwicklern eingeführt. Er bezieht sich auf das nordöstlich direkt benachbarte, 1714–1723 errichtete Schloss Belvedere, mit seinem Kunstmuseum und seiner barocken Gartenanlage eine wesentliche Kulturattraktion Wiens. Der Name Quartier Belvedere wurde zur Umbenennung der bis 8. Dezember 2012 Südbahnhof (S-Bahn) genannten Haltestelle der Wiener S-Bahn-Stammstrecke aufgegriffen.

Lage

Das Viertel wird etwa wie folgt begrenzt:

  • Nordwesten: Wiedner Gürtel (vom Südtiroler Platz zur Arsenalstraße), Teil einer zwischen den inneren und äußeren Stadtbezirken verlaufenden, hier etwa achtspurigen Hauptverkehrsstraße; nördlich der Straße schließt der Innenbezirk Wieden an, nordöstlich Park und Schloss Belvedere. Unter und auf dem Südtiroler Platz befindet sich die Verkehrsstation Wien Südtiroler Platz mit U-Bahn-, S-Bahn- und Straßenbahnhaltestellen; die meisten Haltestellen heißen seit 9. Dezember 2012 (Wien) Hauptbahnhof; die U1-Station Südtiroler Platz-Hauptbahnhof.
  • Nordosten: Arsenalstraße mit S-Bahn-Haltestelle Wien Quartier Belvedere und Straßenbahnhaltestellen; dahinter der Schweizer Garten mit dem 21er Haus; südlich des Quartiers schließt das historische Arsenal mit dem Heeresgeschichtlichen Museum an die Straße an.
  • Süden: Alfred-Adler-Straße (projektierte Verbindung in Verlängerung der Landgutgasse von der Sonnwendgasse zur Ghegastraße vor dem Arsenal); südlich davon befindet sich das im Entstehen befindliche Sonnwendviertel.
  • Südwesten: Sonnwendgasse vom Südtiroler Platz zur Landgutgasse; Richtung Westen folgt ihr nach ein bis zwei Häuserblöcken die Favoritenstraße, Hauptstraße des Bezirks. Die Favoritenstraße ist hier Fußgängerzone, daher nimmt die Sonnwendgasse einen wesentlichen Teil des früher durch die Favoritenstraße verlaufenden Individualverkehrs auf.

Diagonal zwischen Südtiroler Platz und Arsenalstraße bei der Ghegastraße liegt in Hochlage die mehrgleisige Bahntrasse mit dem Hauptbahnhof direkt beim Südtiroler Platz und mit ausgedehnten Gleisanlagen Richtung Südosten anschließend an das Abfertigungsbauwerk. Unter dem Bahnviadukt werden die Gertrude-Fröhlich-Sandner-Straße, die Karl-Popper-Straße (mit Straßenbahnlinie D) und die Alfred-Adler-Straße die Trasse kreuzen.

Frühere Nutzung

Das Gebiet lag einst weit vor den Toren der ummauerten Stadt Wien südlich der 1850 eingemeindeten Vorstadt Wieden und wurde landwirtschaftlich genutzt. Erworbenes Stadtgebiet südlich der Wieden wurde 1874 zum neuen 10. Bezirk, Favoriten, zusammengefasst. Der in den 1840er Jahren erfolgte Bau von Südbahnhof und Ostbahnhof direkt außerhalb des Linienwalls, der Wieden und Favoriten noch bis in die 1890er Jahre trennte, bewirkte in den folgenden Jahrzehnten steigenden Flächenbedarf der Bahn. Um 1890 hatte das Areal längst seine heutige Ausdehnung erreicht.

Um das Jahr 2000 wurden Überlegungen der Österreichischen Bundesbahnen konkreter, den Bahnhof als Durchgangsbahnhof komplett neu zu errichten und das frei werdende Areal für andere Nutzungen zu verwerten.

Siehe dazu:

Planung

Der Wiener Gemeinderat beschloss in Absprache mit den ÖBB 2004 den Masterplan für das gesamte Areal. Das Quartier Belvedere wird Bürogebäude für rund 20.000 Arbeitsplätze umfassen. Unter anderem entstehen hier die neue Konzernzentrale der Österreichischen Bundesbahnen und (auf dem Bauplatz des demolierten Südbahnhofs Ecke Wiedner Gürtel / Arsenalstraße) ein Bürohochhaus für den Bankenkonzern Erste Group. Die Gebäude werden so angeordnet, dass das Stadtbild mit den Blickachsen im Bereich des nahen Belvedere nicht beeinträchtigt wird.

Kunst-Quartier Belvedere

Durch den neuen Stadtteil soll ein Ast einer „Kulturmeile“ führen, die sich von der Inneren Stadt über das Belvedere und das 21er Haus bis zum Heeresgeschichtlichen Museum im Arsenal zieht; die Verlegung des Wien Museums auf das Areal wurde erwogen, jedoch Ende 2012 zugunsten des Verbleibs auf dem Karlsplatz verworfen.. Im Quartier Belvedere soll außerdem ein Cluster an privat geförderten, allgemein zugänglichen Bildungs- und Informationseinrichtungen entstehen, um Wissbegierige aller Alters- und Berufsgruppen anzuziehen.[1]

Einzelnachweise

  1. Die neue Kulturachse in der Stadt auf www.kunstquartier.eu, abgerufen am 19. April 2012

Weblinks