Thayatalbahn

Thayatalbahn
Streckennummer (ÖBB): 176 01
Streckenlänge: 41,5 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Maximale Neigung: 21 
Höchstgeschwindigkeit: 60 km/h
Strecke – geradeaus
Bahnstrecke Wien–Gmünd von Gmünd
Bahnhof, Station
-2,5 Schwarzenau im Waldviertel 501 m ü. A.
   
0,0 ehem Abzw Willings nach Wien
   
1,1 Windigsteig
   
1,3 Anschlussbahn (Awanst) Lagerhaus
   
2,6 Kottschallings
   
9,5 Waidhofen an der Thaya 508 m ü. A.
   
12,1 Kleineberharts
   
14,9 Thaya 508 m ü. A.
   
18,3 Oberedlitz
   
21,1 Merkengersch
   
24,7 Dobersberg 450 m ü. A.
   
27,8 Radlmühle
   
29,5 Waldkirchen an der Thaya 506 m ü. A.
   
31,0 Gilgenberg
   
33,9 Fratres 496 m ü. A.
   
34,5 Staatsgrenze Österreich/Tschechien
   
38,9 Slavonice (Zlabings) 521 m ü. A.
Strecke – geradeaus
von Kostelec u Jihlavy

Die Thayatalbahn ist eine stillgelegte und vor dem möglichen Teilabriss stehende Bahnstrecke in Niederösterreich. Sie ist eingleisig, normalspurig und nicht elektrifiziert. Sie zweigt am Bahnhof Schwarzenau von der Franz-Josefs-Bahn in Richtung Norden ab und führt über Waidhofen an der Thaya bis nach Zlabings. Sie ist die einzige internationale und grenzüberschreitende Bahnstrecke, welche vom Land Niederösterreich übernommen wurde. Insgesamt wurden über 630 Bahnkilometer durch das Land von der ÖBB übernommen
Ebenfalls bei Schwarzenau zweigt die Zwettler Bahn von der Franz-Josefs-Bahn in Richtung Süden ab.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Thayatalbahn auf einer hist. Landkarte
Bahnhof Waidhofen an der Thaya

Ursprünglich war geplant, Waidhofen an der Thaya direkt an die Franz-Josefs-Bahn anzuschließen; die Waidhofener standen dem aber negativ gegenüber. Erst als man sah, dass ein Bahnanschluss einen wirtschaftlichen Aufschwung bedeutete, wurde ein Nebenbahnanschluss realisiert.

Die Bahnstrecke Schwarzenau bis Waidhofen an der Thaya wurde am 3. August 1891 offiziell eröffnet, die Verlängerung bis nach Zlabings am 20. Juni 1903.[1][2]

1945 wurde der grenzüberschreitende Verkehr eingestellt, die Züge endeten nunmehr an der Haltestelle Fratres.

Als 1959 der zweigleisige Betrieb auf der Franz-Josefs-Bahn aufgelassen wurde, wurde die Strecke in den Bahnhof Schwarzenau verlängert. Bis dahin begann sie bei der Abzweigung Willings in km 0,0 und benutzte bis dort das rechte Streckengleis der Franz-Josefs-Bahn mit. Ab dann diente dieses ehemalige Streckengleis ausschließlich der Thaytalbahn.

Am 29. Mai 1976 endete der Dampflokbetrieb.

Am 10. Jänner 1977 wurde der Streckenabschnitt Gilgenberg-Fratres eingestellt.

Am 1. September 1986 wurde der Personenverkehr zwischen Waidhofen an der Thaya und Gilgenberg wegen Unrentabilität eingestellt und durch eine Autobuslinie ersetzt.[3]

Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs im Jahr 1989 stellte sich die Frage einer Wiederinbetriebnahme der Bahnstrecke. Diese stieß sowohl bei den Tschechen, als auch bei österreichischen Bahninteressenten auf Interesse, jedoch nicht bei der ÖBB aufgrund der kolportierten Kosten von 53 Mio. Schilling (3,85 Mio. Euro).[4] Ende 1992 wird der Verein neue Thayatalbahn gegründet welcher sich für die Reaktivierung der Strecke einsetzt.[5] Unglücklicherweise werden durch das Hochwasser 2006 Teile der im Güterverkehr befahrenen Trasse zwischen Waidhofen an der Thaya und Waldkirchen an der Thaya beschädigt und bis heute nicht wiederinstandgesetzt.

Die Revitalisierung der Bahnstrecke ist im niederösterreichischen Landesverkehrskonzept von 1991, 1997 und 2001 mit höchster Priorität vorgesehen. Im Jänner 2010 wurde die Übernahme der Gesamtstrecke durch das Land Niederösterreich mit dem Bund und der ÖBB per 1. Jänner 2011 vereinbart.[6] Der gesamte Eisenbahnverkehr wurde mit dem Fahrplanwechsel per 12. Dezember 2010 eingestellt und für den Personenverkehr zwischen Schwarzenau und Waidhofen an der Thaya wurde eine Autobuslinie eingeführt.[7] Es ist geplant, zwischen 2011 und 2013 auf den Schienen zwischen Waidhofen an der Thaya und Slavonice/Zlabings einen Radweg als Teilstück der Thayarunde zu errichten. Die Errichtungskosten dafür sollen vom Land Niederösterreich getragen werden. Die Gemeinden sollen die Erhaltung und Pflege übernehmen. Die Gemeinde- und Stadträte müssen hierfür noch einem vom Land vorgefassten Grundsatzbeschluss zustimmen.[8]

Wiederinbetriebnahme oder Umwandlung in einen Radweg?

Derzeit gibt es eine - teilweise sehr emotional geführte - Diskussion, ob die Strecke wieder in Betrieb genommen oder durch einen Radweg auf oder neben den Gleisen ersetzt werden soll.

Bemühungen um die Wiederinbetriebnahme

Die Thayatalbahn ist neben der Ybbstalbahn eine der am stärksten politisch umstrittenen Bahnstrecken in Niederösterreich.[9] Die Thayatalbahn wurde auf Wunsch des Landes NÖ noch vor deren Übernahme und gegen den Wunsch von Teilen der Bevölkerung und einigen Bürgermeistern des Bezirks Waidhofen/Thaya stillgelegt. Wie auch auf anderen Bahnstrecken wie der Ybbstalbahn wird beabsichtigt Gleise abzureißen und auf dem Bahnkörper Radwege zu errichten. Aufgrund des politischen Drucks von Landesseite sprachen sich die Bürgermeister des Bezirks für einen Radweg auf der Bahn aus.[10]

Bereits vor der Einstellung bemühte sich eine Bürgerinitiative um die Wiederaufnahme des Verkehrs auf der gesamten Strecke. Aufgrund der entgegen ursprünglichen Versprechungen von Bundes und Landesseite durchgeführten Einstellung der Thayatalbahn startete die Bürgerinitiative Pro Thayatalbahn eine grenzüberschreitende Unterschriftenaktion bei der sich innerhalb weniger Wochen über 1.300 Unterzeichner/innen für die Reaktivierung der Thayatalbahn aussprachen. Neben vielen Prominenten aus Österreich unterzeichnete z.B. Jiří Gruša, ehemaliger Direktor der Diplomatischen Akademie in Wien und ehemaliger Botschafter in Österreich, sowie der Bürgerrechtskämpfer, Charta 77-Unterzeichner und ehemalige Premierminister Petr Pithart. Die Petition richtet sich persönlich an Landeshauptmann Erwin Pröll, der noch bei der Präsentation der grenzüberschreitenden niederösterreichischen Landesausstellung 2009 zusicherte, den Lückenschluss des Bahngrenzüberganges Slavonice-Fratres auf seine persönlichen Prioritätenliste vorzureihen.[11]

Wie hoch die Kosten für den Radweg sind ist noch völlig unklar. Erste Schätzungen gingen von 4,5 Millionen Euro aus. Letzte Aussagen erhöhten die Kosten auf 6,0 Millionen Euro. Auch wie hoch die Kosten für die Erhaltung seitens der Gemeinden sind ist noch nicht klar.

Da noch Fragen zu den Kosten und keine Detailplanungen vorhanden sind, fordert der Verein Neue Thayatalbahn die Gemeinde- und Stadträte auf gegen den vom Land NÖ vorgefassten Grundsatzbeschluss zu stimmen.[12]

Kosten/Nutzenrechnung: Radweg/Bahn

Laut Verein Neue Thayatalbahn hat die Thayatalbahn (Schwarzenau bis Fratres) einen Wiederbeschaffungswert von über 35 Millionen Euro. Der Abriss der Gleise sowie der Neubau eines Radweges auf der Bahntrasse kann jedoch bis zu 10 Millionen Euro kosten. Für einen Radwegkilometer sind je nach geographischer Beschaffenheit zwischen 80.000 und 110.000 Euro zu berechnen. Die gesamte Thayarunde ist ca. 90 Kilometer lang. Demnach kann der Radweg bis zu 9 Millionen Euro kosten. Eine vom Verein Neue Thayatalbahn kontaktierte tschechische Eisenbahnbaufirma schätzt die Revitalisierungskosten der Thayatalbahn auf ca. 15 Millionen Euro.[13] In Anbetracht der Kostenrelation Radweg/Bahn und der zu erwartenden höheren Wertschöpfung für die Region Thayaland durch eine Kombination eines Radwegs neben der Bahntrasse gibt es Überlegungen in der Region, die bereits zahlreich vorhandenen Radwege zu nutzen und einen Radrundweg neben der Thayatalbahn entstehen zu lassen. Ein Radweg neben der Bahn ist auch deshalb günstiger, da bereits vorhandene Güter/Begleit/Wald/Wander und Radwege genützt und vernetzt werden können sowie eine Kombination eines attraktiven Radwegs mit einer grenzüberschreitenden Thayatalbahn weit mehr Wertschöpfung in die Region bringt.

Argumente für den Radweg

Gemäß Aussagen des Landes NÖ würde die Wiederherstellung der Thayatalbahn etwa 28 Mio. Euro kosten, der Radweg jedoch nur 6 Mio. Euro. Er soll den Tourismus im Waldviertel ankurbeln.

Möglicher Gütertransport auf der Thayatalbahn

Eine Besonderheit der Region Waldviertel/Südböhmen ist der rege Transport und die Verarbeitung von Holz. Über die vier Grenzübergänge der Bezirke Gmünd und Waidhofen/Thaya liefern täglich dutzende Schwer-LKW Rundholz zu den verarbeitenden Holzbetrieben im Bezirk Zwettl. Diese könnten Umwelt, Menschen und Straßen schonend über die Thayatalbahn und Zwettler Bahn in die Sägewerke im Bezirk Zwettl zugeliefert werden. Eine vom Land NÖ bezahlte Studie belegt weiters die wirtschaftlichen und ökonomischen Vorteile der Thayatalbahn für die Regionen Waldviertel und Südböhmen.

Wagenmaterial

Bis zur Einstellung des Personenverkehrs im Dezember 2010 wurde der Personenverkehr zwischen Schwarzenau und Waidhofen/Thayamittels Dieseltriebwagen der Reihe 5047 betrieben. Bis 1990 verkehrten auf der Strecke Dieseltriebwagen der Reihen 5046 und 5146.

Weblinks

 Commons: Thayatalbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Stadtchronik Waidhofen an der Thaya, Band 1, Ausgabe von Mai 2004
  2. Betriebseröffnung auf der Localbahn Schwarzenau - Waidhofen an der Thaya. In: Wiener Zeitung, 4. August 1891, S. 1 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz
  3. Stadtchronik Waidhofen an der Thaya, Band 1, Ausgabe von Mai 2004
  4. Stadtchronik Waidhofen an der Thaya, Band 2, Ausgabe von Mai 2004
  5. Stadtchronik Waidhofen an der Thaya, Band 2, Ausgabe von Mai 2004
  6. Sideletter Land NÖ - Abbestellung der Verkehrsleistungen bei der ÖBB, abgerufen am 25. März 2011
  7. VVNB Infoblatt zur Einstellung Zwettl-Schwarzenau-Waidhofen/Thaya, abgerufen am 18. Dezember 2010.
  8. Niederösterreichische Nachrichten, Lokalausgabe Waidhofen an der Thaya, Woche 08/2011
  9. Bericht der Bezirksblätter Waidhofen/Thaya vom Juni 2010, abgerufen am 25. März 2011
  10. ORF-Report vom 1. März 2011
  11. [1] Landeshauptmann Erwin Pröll bei der Präsentation der grenzüberschreitenden Landesausstellung 2009 in Telc mit dem Thema "getrennt - geteilt - vereint"
  12. [2] Bericht der Bezirksblätter Waidhofen/Thaya: Bahn-Befürworter fordern Nein zu Radweg, abgerufen am 25. März 2011
  13. [3] Bericht der Bezirksblätter Waidhofen/Thaya: Bahn kostet nur 15 Millionen Euro, abgerufen am 25. März 2011