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Höhlen im Hochschwabgebiet der Region#

Von den annähernd 2 000 Schächten, Höhlen und Höhlen-Systemen im Hochschwab sind bei weitem noch nicht alle erforscht. Zu den bekanntesten Höhlen im Hochschwabgebiet zählt sicherlich die Frauenmauerhöhle. Sie gehört nicht zum Gebiet der Alpenregion Hochschwab, soll aber wegen ihrer Wichtigkeit kurz erwähnt werden.

Frauenmauerhöhle:#

Sie ist ein Teil des Frauenmauer-Langstein-Höhlensystems und eine Durchgangshöhle. Eine Verbindung der beiden Höhlensysteme wurde lange Zeit angenommen, konnte aber erst 1961 nachgewiesen werden. Der Eingang der Höhle befindet sich in einer Höhe von 1560 m und der Ausgang in 1467 m Höhe. Im Innern der Höhle fand sich neben Augensteinen auch Werfener Schiefer. Es ist daher anzunehmen, dass die Entwässerung damals von Ost nach West gerichtet war. Denn Werfener Schiefer kann nur aus der Jassing stammen. Dass die Erforschung der Höhle bereits im 17. Jh. begann, zeigt die in der Höhle angebrachte Jahreszahl 1605- Im Jahre 1885 ließ es sich Kaiserin Elisabeth nicht nehmen, ebenfalls die Höhle zu durchqueren.

Von den zur Region gehörenden Höhlen und Schächten sollen hier einige näher vorgestellt werden.

Melkbodeneishöhle
Melkbodeneishöhle

Melkbodeneishöhle#

Gleichzeitig mit dem momentanen Rückgang des Gletschereises geht auch das Eis in den Höhlen zurück. Diese Tatsache stellte sich für die Höhlenforscher in der Melkbodeneishöhle als wahrer Segen heraus. Ein Foto aus den 60er Jahren dokumentiert sehr gut, wie die Höhle damals durch Eis verschlossen war. Anfang der 90er Jahre gab dann das Eis einen riesigen Schacht frei. Im September 1995 stieß eine erste Expedition bis in 50 m Tiefe vor. Extremes Schlechtwetter zwang jedoch zur Aufgabe. Im Februar 1997 konnte der Schacht dann bis in 350 m Tiefe befahren werden. In einer weiteren Expedition vom 31. Dezember 1997 bis zum 5. Jänner 1998 konnte schließlich der ganze Schacht erforscht werden. Die Teilnehmer an der Expedition waren Hans Lambauer, Willi Wabnegg, Bernd Kranzeibinder, Franz Darrer, Ralf Meßbacher, Florian Daxbacher und Rüdiger Zenz. Die Ergebnisse waren sensationell: Die Höhle weist eine Gesamttiefe von 540 m auf und ist mit 451m der tiefste Direktschacht in der Steiermark. Die Höhle befindet sich nicht unweit vom Einstieg zum G'hackten südöstlich vom Vogauer-Kreuz in 1770 m Seehöhe.

Bild 'ischinn_Feistringgrabenhoehle'

Feistringgrabenhöhle#

Die zum Naturdenkmal erklärte Höhle wurde bereits 1924 das erste Mal erwähnt. Der Eingang zu dieser Höhle liegt im Westhang des Feistringgrabens bei Aflenz. Der Dom der Eintracht und der Dom der Fehde geben der Höhle ihr imposantes Erscheinungsbild. Der Dom der Eintracht endet mit einem Siphonsee. Der See präsentiert sich in smaragdgrüner Farbe. Bei Hochwasserstand steigt der Wasserspiegel um sechs Meter an. 1997 wurde von Markus Schafheutle der Endsiphon auf 150 m Entfernung erforscht und vermessen.

Eisgrabenschacht#

Unterhalb des Fölzstein befindet sich der recht schwierig zu erreichende Eisgrabenschacht. Der von Peter und Andreas Rust entdeckte Schacht wurde in den Jahren zwischen 1977 und 1980 erforscht und vermessen. In zehn größeren Schachtstufen, zum Teil mit sehr engen und kurzen Horizontalstrecken, endet die Höhle in 300 m Tiefe mit einem Doppelschacht, dessen Ende je ein tiefer See bildet. Ab einer Tiefe von 90 m gibt es wunderschöne und zum Teil auch sehr große Tropfsteine und auch imposante Sinterbildungen zu bestaunen.

Bild 'ischinn_eisgrabenschacht'
Eisgrabenschacht

Ca. 150 Höhenmeter höher, im Verlauf der "Uhrzeigerrinne", findet man die interessante Domenigg-Höhle. Über sie wird bereits in der Zeit der frühen Erstbesteigungen durch die Bergsteigergilde um Karl Domenigg berichtet. Seinen Namen erhielt die Höhle durch den Umstand, dass im hinteren Drittel der Höhle auf einem aufgeschichteten „Steinmanderl' die Visitenkarte von Karl Domenigg gefunden wurde.
Leider ist von der Einzigartigkeit der Höhle nicht mehr viel übrig, da sie großteils "ausgeräumt" wurde. Das ist eben der Nachteil, wenn eine Höhle zu bekannt ist und auch leicht zugänglich ist....

Eiserne Pfeilspitze aus der Feistringsteinhöhle#

Bärenschädel
Bärenschädel

Fundgegenstände
Fundgegenstände

Im Rahmen des Forschungsprojektes Clobucciarich 2000, das sich mit der Erforschung von Almwüstungen im Hochschwabgebiet beschäftigt, konnten bereits mit vielen Einheimischen Gespräche über deren eigene Funde und Erkenntnisse geführt werden. Fritz Bayerl entdeckte am 11. Mai 1963 an der Südseite des Feistringsteins in 1675 m Seehöhe unterhalb der "Roten Rinne" eine ehemalige Wohnhöhle von Braunbären. In der Höhle konnten die Reste von drei Braunbären sowie eine eiserne Pfeilspitze und Holzkohlenreste sichergestellt werden. Ein Bärenschädel weist deutliche Kampfspuren auf, was durch zwei Löcher an der Schädeldecke sowie zwei abgeschlagene Eckzähne zum Ausdruck kommt. Was bei den Knochen besonders auffällig war, ist der Umstand, dass ein Knochen durch einen Halswirbelknochen hindurchgesteckt wurde.

Pfeilspitze
Pfeilspitze

Die Pfeilspitze von der Feistringsteinhöhle dürfte ein Alter von ca. 800 - l000 Jahren haben. Dieser Fund stellt einen wichtigen Beweis dar, dass bereits im frühen Mittelalter im Gebiet des Hochschwab Jagden stattgefunden haben. Eine ähnliche Pfeilspitze wurde im Jahre 1969 in der Percohöhle, die nur 17 m östlich von der Bockhöhle liegt, bei Peggau gefunden.


© Bild und Text Fritz Bayerl, Karl und Inge Friedl