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Königskuchen#

Königskuchen, Foto: Doris Wolf, 2012
Königskuchen, Foto: Doris Wolf, 2012

Seit dem späten Mittelalter gab es am Dreikönigstag den Brauch des Königskuchens und Bohnenkönigs. In wessen Kuchenstück sich eine eingebackene Bohne befand, der war König für einen Tag. Er durfte einen Hofstaat bestimmen und alle mussten trinken, wenn es der Narrenkönig befahl. Jacob Jordaens (1593 - 1678 ) malte mehrfach das "Fest des Bohnenkönigs", das vierte Bild dieser Art (1656) befindet sich im Wiener Kunsthistorischen Museum. Es zeigt den König und seinen Hofstaat in angeheiterter Stimmung, eine lateinische Inschrift verrät die Moral der ausgelassenen Szene: "Keiner ist dem Narren ähnlicher als der Betrunkene." Die Wahl des Bohnenkönigs setzte sich als Brauch im 17. und 18. Jahrhundert in allen sozialen Schichten durch. Sie erfolgte meist durch das Los, das z.B. in einem Kuchen eingebacken sein konnte. Etwas später fand das Fest statt, für das der König aufzukommen hatte. Manchmal übernahm die weltliche Obrigkeit die Kosten. Oft zählten Umzüge und Tänze dazu, das wichtigste Ritual war aber der Trinkspruch "Der König trinkt". Dies wird zumeist im Zusammenhang mit einer Persiflage weltlicher Herrscher oder des Fastnachtsbrauchs der "verkehrten Welt" gedeutet. Neueste Archivforschungen sehen darin die ritualgebundene Ausformung einer Legende: Als Maria das Christuskind stillte, hätten das die sie besuchenden Hirten bzw. die Weisen mit den Worten "Der König trinkt!" kommentiert. Nach dieser Theorie repräsentiert der Bohnenkönig am Epiphanias-Tag die göttliche Erscheinung auf der Welt.

Der Brauch des Bohnenkönigs ist seit dem 14. Jahrhundert (Brügge, 1392) bekannt. 1533 schrieb Sebastian Franck in seinem berühmten Weltbuch: "An der heiligen drei Könige Tag bäckt jeder Hausvater einen guten Kuchen, danach er vermag und ein Hausgesinde hat gross oder klein, und knetet einen Pfennig hinein. Danach schneidet er den Kuchen in viele Stücke und gibt jedem aus dem Hausgesinde eins. Wem nun das Stück wird, darin der Pfennig ist, der wird von allen als ein König erkannt."

Ein Wiener Rezept für den Dreikönigskuchen ist ein Germteig, wie bei anderen Brauchgebäcken. Daraus formt man ein Laibchen und neun Schnecken, die rundherum angesetzt werden und gibt eine Bohne hinein. Nach dem Backen dekoriert man den Kuchen mit einer Papierkrone. Anstelle der Bohne kann man Mandeln, Nüsse oder Geldstücke im Teig "verstecken". In Frankreich war es in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts üblich, zentimetergroße Porzellanpüppchen in den Königskuchen einzubacken. In der Schweiz haben Bäcker und Konditoren den Brauch 1952 wiederbelebt. Es gibt inzwischen Varianten mit Rosinen, Mandeln oder aus Vollkornmehl. Jährlich verkaufen sie nun eine Million Dreikönigskuchen, mit eingebackenen Plastikfiguren.

Quellen:
Harvey Cox: Das Fest der Narren, Gütersloh 1984, 10
Kirchhoff: Christliches Brauchtum im Jahreskreis, München 1990, 107
Kunsthistorisches Museum Wien, Führer durch die Sammlungen, Wien 1988, 342
Der Kleine Pauly, Lexikon der Antike, Stuttgart 1969, III/Sp. 58