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Gütersloh, Albert Paris#

eigentlich Albert Conrad Kiehtreiber


* 5. 2. 1887, Wien

† 16. 5. 1973, Baden (Niederösterreich)


Maler und Schriftsteller

Gütersloh, Albert Paris
Albert Paris Gütersloh, Selbstbildnis. Gemälde, 1913 (Histor. Museum d. Stadt Wien)
© Histor. Museum d. Stadt Wien, für AEIOU

Albert Paris Gütersloh wurde am 5. Februar 1887 in Wien als Albert Konrad Kiehtreiber geboren.

Er besuchte ab 1898 das Stiftsgymnasium Melk und ab 1900 das Gymnasium der Franziskaner in Bozen, da er nach den Plänen seiner Eltern Priester werden sollte.

Er brach das Gymnasium jedoch ab, nahm er Schauspielunterricht, bestand 1906 die Schauspielprüfung und spielte unter dem Namen Albert Matthäus an Provinzbühnen der Monarchie und in Bad Reichenhall. Von Max Reinhardt wurde er an das Deutsche Theater in Berlin verpflichtet.
Die Beziehung zum Theater dauerte zwar länger, wichtiger waren ihm aber seine schriftstellerischen Arbeiten; gleichzeitig beschäftigte er sich mit der Malerei.


Als autodidaktischer Maler debütierte er 1909 mit Zeichnungen auf der "Internationalen Kunstschau" in Wien und stellte später in Wien (Kunstschau, Hagenbund, Secession, Art-Club) und im Ausland aus. Nachdem 1911 sein expressionistischer Roman "Die tanzende Törin" erschienen war, ging er als Kunstberichterstatter nach Paris, wo er 1911/12 bei Maurice Denis Malerei studierte und Ölbilder zu malen begann.

Zurück in Wien wurde er Schüler von Gustav Klimt und gehörte dessen Kreis mit Egon Schiele und Josef Hoffmann an. 1913 veröffentlichte er Beiträge in den Zeitschriften "Der Ruf" und "Die Aktion", 1914 gab er mit Karl Adler die Zeitschrift "Der Knock-about" heraus. 1915 rückte er zum Kriegsdienst ein, wurde nach einem Jahr aus Gesundheitsgründen nach Wien zurückbeordert und arbeitete zuerst beim Roten Kreuz, danach im Kriegspressequartier. Hier lernte er Hugo von Hofmannsthal, Hermann Bahr, Robert Musil, Heimito von Doderer und Franz Blei kennen, mit dem er 1918/19 zusammen m die Zeitschrift "Die Rettung" herausgab. Von 1919 bis 1921 war er Oberregisseur am Schauspielhaus in München und zugleich als Schriftsteller und Bühnenbildner (u.a. am Wiener Burgtheater) und als Kirchenrestaurator tätig.

Ab 1916 nannte sich Albert Kiehtreiber des öfteren "Albert Paris Gütersloh", 1922 änderte er seinen Namen offiziell.


War er zunächst noch als Schauspieler und Regisseur tätig, erreichte er als Maler mit dem Reichel-Preis (1926) und dem Grand Prix in Paris für seine Gobelins (1928) öffentliche Anerkennung, die in der Berufung als Professor an die Wiener Kunstgewerbeschule 1931 gipfelte. Von 1933 bis 1939 war er Mitglied der Wiener Secession, 1934 erhielt er die Goldene Staatspreismedaille, 1935 begann er sein literarisches Hauptwerk "Sonne und Mond, ein historischer Roman aus der Gegenwart". Nach dem Anschluss wurde Güterslohs Kunst von den Nationalsozialisten als entartet eingestuft; er verlor 1938 seine Professur an der Kunstgewerbeschule und erhielt 1940 auch Berufsverbot.

Nach dem Zweiten Weltkrieg leitete Albert Paris Gütersloh von 1945 bis 1962 eine Meisterschule für Malerei und einen Freskokurs an der Wiener Akademie der bildenden Künste, deren Rektor er von 1953 bis 1955 war.

Ab 1945 war Gütersloh Mitglied des Art-Clubs und der Secession, deren Präsident er von 1950 bis 1954 war. 1950 gründete er gemeinsam mit Josef Hoffmann die 'Föderation moderner bildender Künstler Österreichs' und wurde 1951 deren erster Präsident.


Albert Paris Gütersloh war ein Multitalent - er war Schauspieler, Schriftsteller und Maler, machte Entwürfe für Gobelins, Glasfenster und Mosaike. Seine literarischen Arbeiten entwickelten sich vom expressionistischen Frühwerk zu einem sinnlich-barocken Stil, seine Gemälde entwickelten sich vom Realismus und der damals noch nicht so bezeichneten 'Neuen Sachlichkeit' bald zu einer Art Surrealismus.

Als Lehrer von Arik Brauer, Ernst Fuchs, Wolfgang Hutter und Anton Lehmden gilt er als Wegbereiter und Mentor der Wiener Schule des Phantastischen Realismus.

Gütersloh war zwei Mal verheiratet; mit Milena Hutter verband ihn eine jahrelange Liebesaffäre, aus der der gemeinsame Sohn Wolfgang Hutter stammt, den er allerdings erst in seinem Testament 1973 als seinen Sohn anerkannte.

Albert Paris Gütersloh starb am 16. Mai 1973 in Baden bei Wien, wo er ab 1970 gelebt hatte. Er ist auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 32 C, Nummer 35) in einem Ehrengrab bestattet.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Reichel-Preis, 1926
  • Grand Prix in Paris für seine Gobelins, 1928
  • Staatspreis für Malerei, 1935
  • Grand Prix in Paris, 1937
  • Würdigungspreis der Stadt Wien für Malerei und Graphik, 1948
  • Großer Österreichischer Staatspreis für bildende Kunst, 1952
  • Ehrenring der Stadt Wien, 1957
  • Großer Österreichischer Staatspreis für Dichtkunst, 1961
  • Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst, 1967

Werke (Auswahl)#

Gemälde
  • Stillleben
  • Porträts
  • Landschaften
  • kleinformatige Aquarelle ironischen Inhalts
  • Entwürfe für Gobelins
Essays
  • E. Schiele, 1911
  • Bekenntnisse eines modernen Malers, 1926
Romane
  • Die tanzende Törin, 1911
  • Der Lügner unter Bürgern, 1922
  • Eine sagenhafte Figur, 1946
  • Sonne und Mond, 1962
Erzählungen
  • Die Fabeln vom Eros, 1947
Gedichte
  • Musik zu einem Lebenslauf, 1957

Weiterführendes#

Hörprobe #

Hörprobe Österreichische Mediathek


Paradiese der Liebe.
Ausschnitt; Autorenlesung. Wien, 30.1.1973 Vorlesen

Literatur#

  • F. Thurner, A. P. Gütersloh. Studien zu seinem Romanwerk, 1970
  • A. P. Gütersloh. Beispiele, Werkkatalog, 1977
  • J. Adler, Allegorie und Eros, 1986
  • U. Storch, "Zwischen den Worten liegen alle andern Künste", Dissertation, Wien 1989
  • I. Ackerl, F. Weissensteiner: Österreichisches Personenlexikon der Ersten und Zweiten Republik, 1992
  • K. Schröder, Neue Sachlichkeit, Ausstellungskatalog, Kunstforum, Wien 1995

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl