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Kunsthistorisches Museum#

Kunsthistorisches Museum Wien
Kunsthistorisches Museum Wien
Foto: Stern. Aus: Wikicommons, unter CC BY-SA 3.0

Der Bau von Hofmuseen wurde nach dem Beschluss, die Befestigungsanlagen niederzureißen (1857) bereits bei den Planungen für die Ringstraße im ersten Stadterweiterungsprojekt vorgesehen.

Das in den Jahren 1871 bis 1891 nach Plänen Gottfried Sempers und Carl von Hasenauers errichtete Kunsthistorische Museum zählt zu den bedeutendsten und eindrucksvollsten Museumsbauten des 19. Jahrhunderts. Geplant wurde es im Zuge der Erweiterung der Hofburg, gemeinsam mit seinem "Zwilling", dem gegenüberliegenden Naturhistorischen Museum, und der Neuen Burg am Heldenplatz.

Am 17. Oktober 1891 eröffnete Kaiser Franz Joseph das "Kunsthistorische Hofmuseum" - erstmals konnten die über Jahrhunderte gewachsenen und mitunter weit verstreuten habsburgischen Sammlungen nun gemeinsam präsentiert werden.

(Die Sammlungen gingen aus erzherzoglichen (Ferdinand II. von Tirol, Ambras; Leopold Wilhelm, Brüssel) bzw. kaiserlichen Privatsammlungen (Rudolf II., Prag) sowie landesfürstlichen Sammlungen in Wien, Graz und Innsbruck hervor. Von diesen ist die Schatzkammer die älteste (13. Jahrhundert), ihr folgten das Münz- und Antikenkabinett (von Karl VI. eingerichtet), die Gemäldegalerie und die Kunstkammer (von Kaiser Ferdinand I. und seinem Sohn Maximilian II. als Wiener Kunstkammer angelegt). Von den Prager Sammlungen Kaiser Rudolfs II. kamen nur Restbestände nach der Plünderung durch die Schweden 1648 nach Wien. Die Ambraser Sammlung Erzherzog Ferdinands II. wurde von Kaiser Rudolf II. für das Kaiserhaus käuflich erworben, kam aber erst nach der Besetzung Tirols durch Bayern 1805 nach Wien.)


Später wurde das Museum in “Kunsthistorisches Staatsmuseum Wien“ umbenannt, seit 1921 trägt es den aktuellen Namen. Nach der Enteignung des Hauses Habsburg-Lothringen gingen die Sammlungen des KHM in Staatsbesitz über und wurden neu geordnet.
(Nach dem Ersten Weltkrieg mussten Werke an einige Nachfolgestaaten der Monarchie übergeben werden,1938 bis 1945 kamen Werke aus jüdischen Sammlungen dazu. Diese werden bis heute in Restitutionsverfahren auf ihre Provenienz geprüft. Das Kunsthistorische Museum erlangte im Zuge der Umwandlung der österreichischen Bundesmuseen in selbständige wissenschaftliche Anstalten öffentlichen Rechts mit 1. 1. 1999 die Vollrechtsfähigkeit.)

Die Architektur des Hauses#

Unter Sempers Einfluss waren die Fassaden des Hasenauerschen Museumsentwurfes geglättet und mit einem kunsthistorischen Skulptur- und Reliefprogramm überzogen worden. Die innere Struktur des Gebäudes kombiniert mehrere Bautraditionen: Vestibül, Stiegenhaus und Kuppelhalle bilden eine dramaturgische, den kaiserlichen Bauherren und seine Vorgänger feiernde Einheit.

Der kreisrunde Deckenausschnitt im Vestibül ermöglicht bereits dem Eintretenden einen ersten Blick in die Kuppelhalle; der Gang über die Treppe führt an Antonio Canovas Theseus–Gruppe vorbei in die Kuppelhalle, den Höhepunkt der kaiserlichen Selbstinszenierung. Auf dieser Mittelachse verdichten sich barockisierende Dekorationselemente zu einem der kostbarsten Innenräume des Wiener Späthistorismus.

Die Sammlungen#

Das Museum beherbergt eine Reihe von Sammlungen wie die Gemäldegalerie mit zahlreichen Hauptwerken der abendländischen Kunst und der größten Bruegel-Sammlung der Welt, die wiedereröffnete Kunstkammer, die Antiken- und Ägyptisch-orientalischen Sammlung.
Zum Kunsthistorischen Museum gehören aber auch die in der Neuen Burg befindlichen Sammlungen, das "Österreichische Theatermuseum" im Palais Lobkowitz, das "Weltmuseum" Wien, der "Theseustempel" im Volksgarten, die "Schatzkammer" in der Hofburg und die "Wagenburg" in einem Nebengebäude von Schloss Schönbrunn. Eine Außenstelle befindet sich im Schloss Ambras in Innsbruck.

  • Ägyptisch- Orientalische Sammlung
    Die Sammlung zählt zu den bedeutendsten Sammlungen ägyptischer Altertümer der Welt. Die mehr als 17 000 Objekte datieren in einen Zeitraum von fast 4500 Jahren, von der ägyptischen Vor- und Frühzeit (um 4000/3500 v. Chr.) bis in die frühchristliche Epoche.
  • Antikensammlung
    In der Schausammlung sind etwa 2.500 Objekte zu sehen. Vor allem drei Schwerpunkte machen die Sammlung zu einer der besten ihrer Art: die einzigartigen antiken Prunkkameen (darunter die berühmte Gemma Augustea), die Schatzfunde aus der Völkerwanderungszeit und dem Frühmittelalter (wie etwa der Goldschatz von Nagyszentmiklós) sowie die Vasensammlung mit Meisterwerken wie dem Brygos-Skyphos.
  • Gemäldegalerie
    Die Gemäldegalerie ging aus den Kunstsammlungen des Hauses Habsburg hervor und zählt heute weltweit zu den größten und bedeutendsten ihrer Art. Der Grundstock der Sammlung sowie ihre wesentlichen Schwerpunkte wurden bereits im 17. Jahrhundert gelegt: die venezianische Malerei des 16. Jahrhunderts (Tizian, Veronese, Tintoretto), die flämische Malerei des 17. Jahrhunderts (Peter Paul Rubens, Anthonis van Dyck), altniederländische Malerei (Jan van Eyck, Rogier van der Weyden) und die altdeutsche Malerei (Albrecht Dürer, Lucas Cranach).
    Zu den weiteren Höhepunkten der Gemäldegalerie gehören heute der weltweit einzigartige Bestand an Bildern von Pieter Bruegel d. Ä. sowie Meisterwerke von Vermeer, Rembrandt, Raffael, Caravaggio, Velázquez und der italienischen Barockmalerei.
  • Kunstkammer Wien
    Die Kunstkammer Wien ist weltweit die bedeutendste ihrer Art und seit 1. März 2013 in neuer Pracht wieder für alle zugänglich. In 20 nach Themenschwerpunkten neu gestalteten Räumen eröffnet sich eine Welt des Schönen, sozusagen ein "Museum im Museum", mit ausgesuchten Meisterwerken (u.a. der "Saliera", dem berühmten Salzfass von Cellini).
  • Münzkabinett
    Das Münzkabinett, gegliedert in drei Säle, gehört zu den fünf größten und bedeutendsten Münzsammlungen der Welt. Mit seinen rund 600.000 Objekten aus drei Jahrtausenden umfasste es nicht nur Münzen, sondern auch prämonetäre Geldformen, Papiergeld, Aktien sowie Medaillen, Orden und Ehrenzeichen.
  • Museumsbibliothek
    Die Bibliothek des Kunsthistorischen Museums ist eine wissenschaftliche Präsenzbibliothek mit Fachbibliotheken in allen Sammlungen und Abteilungen des Hauses. Der Gesamtbestand der Bibliothek umfasst derzeit rund 256.000 Bände; der Anteil an historisch wertvollem Buchgut des 15. bis 19. Jahrhunderts beträgt rund 36.000 Titel. Schwerpunkte bilden dabei Inkunabeln, Handschriften, Karten sowie historische Druck- und Mappenwerke zur Geschichte, Kulturgeschichte und Kunst, darüber hinaus Sondersammlungen wie die Maximiliansbibliothek.

  • Sammlungen in der Neuen Burg
    • Hofjagd- und Rüstkammer
      Die Wiener Sammlung ist die bestdokumentierte höfische Rüstkammer der abendländischen Welt, da die Objekte durchwegs im Zusammenhang mit hochpolitischen Ereignissen entstanden oder in die Sammlung gekommen sind: anlässlich von Feldzügen, Reichstagen, Huldigungen, Krönungen, Verlobungen, Hochzeiten oder Taufen.
      Der Golddegen Maximilians II. (1527 – 1576), eine der schönsten Waffen der Welt, ist hier ebenso verwahrt wie der prächtige Reiterharnisch König Ferdinands von Aragon (1452 – 1516). Nahezu alle westeuropäischen Herrscherhäuser sind mit Objekten vom 15. bis ins frühe 20. Jahrhundert vertreten.
    • Sammlung alter Musikinstrumente
      Die Sammlung verfügt über den weltweit bedeutendsten Bestand an Renaissance- und Barockinstrumenten und verwahrt, pflegt und präsentiert außerdem zahlreiche Instrumente, die von berühmten Musikern und Komponisten gespielt wurden.
    • Ephesos Museum
      Seit 1895 legen österreichische Archäologen die Ruinen des antiken Ephesos (Türkei) frei. Bis 1906 kamen zahlreiche Fundobjekte nach Wien, die heute im Ephesos Museum, einer Dependance der Antikensammlung, ausgestellt sind.
      Zu den Höhepunkten gehören unter anderem das Partherdenkmal, die Amazone vom Artemisionaltar, die Bronzestatue eines Athleten und der Knabe mit der Fuchsgans. Neben den ephesischen Fundstücken beherbergt das Museum auch Architekturproben und Skulpturen aus dem Mysterienheiligtum der griechischen Insel Samothrake, das 1873 und 1875 von österreichischen Archäologen ausgegraben wurde.
    • Archiv
      Es besteht aus einem Zentralarchiv für die allgemeinen Belange des Museums und aus Dauerleihgaben in den Sammlungen und Abteilungen des Hauses. Das Archiv ist beschränkt öffentlich zugänglich.

Weiterführendes#

Literatur#

  • H. Fillitz und G. Kugler, Kunsthistorisches Museum, Wien. Führer durch die Sammlungen, 1988
  • H. Haupt, Die Geschichte des Hauses am Ring, 1991
  • B. Kriller und G. Kugler, Kunsthistorisches Museum, Architektur und Ausstattung, 1991