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Redl, Alfred#

* 14. 3. 1864, Lemberg (Lwíw, Ukraine)

† 25. 5. 1913, Wien (Selbstmord)


Offizier (Oberst im Generalstabskorps)


Alfred Redl. Foto, © Bildarchiv der ÖNB, Wien, für AEIOU
Alfred Redl. Foto
© Bildarchiv der ÖNB, Wien, für AEIOU

Generalstabsausbildung, 1907 stellvertretender Chef des Evidenzbüros im k. u. k. Kriegsministerium (Nachrichtendienst). Ab 1912 Chef des Generalstabs des k. u. k. VIII. Korps in Prag. War mindestens 10 Jahre lang russischer Spion und wurde nach seiner Enttarnung im Hotel Klomser in der Wiener Herrengasse durch seinen ehemaligen Mitarbeiter Major Maximilian Ronge und Angehörige des Evidenzbüros (Militärgeheimdienstes) und des Generalstabes zum Selbstmord gezwungen. Danach versuchte man den Fall zu vertuschen, er wurde aber von Egon Erwin Kisch teilweise an die Öffentlichkeit gebracht.

Allerdings wurden Kaiser Franz Josef und Erzherzog Franz Ferdinand nur dahingehend informiert, dass Redl sich aus privaten Gründen das Leben genommen habe. Da Redl viele österreichische und deutsche Spione enttarnte, verschätzten sich die Mittelmächte bei der angenommenen Stärke der russischen Armee und veranschlagten bei ihren Planungen 75 Divisionen zuwenig, was deutlich mehr als die Gesamtstärke der Habsburger - Armee war.

Bei voller Kenntnis des Sachverhalts hätte Kaiser Franz Josef 1914 wohl kaum die Kriegserklärung unterschrieben. Somit ist der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zu einem wesentlichen Teil einer Intrige des Evidenzbüros und Conrads von Hötzendorf zuzuschreiben.

Literatur#

  • G. Markus, Der Fall Redl, 1984
  • ÖBL
  • Verena Moritz, Hannes Leidinger: Oberst Redl. Der Spionagefall, der Skandal, die Fakten. Wien 2012.

Weiterführendes#


Oberst Redl wurd durch M. R o n g e auf Befehl Hötzendorfs zum Selbstmord veranlasst, konnte sich aber erst nach mehreren Stunden dazu entschliessen. Rechtlich korrekt wäre es gewesen, ihn einzuvernehmen, um herauszufinden, was denn zwei Jahre vor dem Ersten Weltkrieg so alles verraten worden war, um die Planungen ändern zu können und dadurch viele Soldatenleben retten zu können.

Was mit Redl geschah, war eigentlich Mord (Ehrenkodex der Offiziere spielt da keine Rolle !). Sogar die Nazis haben den Verschwörern des 2O. Juli 1944 den Prozess gemacht, um den Schein zu wahren. Nur Generaloberst Fromm ließ Stauffenberg und einige seiner Mittäter erschießen, allerdings auch nur, um seine eigene Mitwisserschaft zu verschleiern. War dies im Falle Ronge auch so ?

Noch immer ist nicht genau erforscht, was Redl verraten haben soll, obwohl die russischen Archive schon lange offen sind !

Erstklassigster Fachmann ist übrigens im Gegenstand der Wiener Univ. Prof. Dr. Gerhard J a g s c h i t z, übrigens ein Nachkomme Ronges. Vielleicht könnte er für eine Ronge-Biographie im Austria-Forum gewonnen werden, da das niemand besser kann als er.

--glaubauf karl, Dienstag, 16. März 2010, 16:19


Neueste Forschungen, die endlich in russischen Archiven von Verena Moritz und Hannes Leidinger, beide Jagschitz- Mitarbeiter, durchgeführt wurden, siehe mein obiger Kommentar, während die beamtete Militärgeschichtsschreibung imm denselben (Un)sinn verbreitete zeigen den Fall Redl in völlig neuem Licht. Vgl dazu wikipedia...Von Erpressung kan demnach keine Rede sein, eher eine Schutzbehauptung der Militärgeschichtschreibung, Redl suchte von sich aus dem Kontakt, die Russen waren nicht die Bösen, wie man es aus Monarchistensicht halt haben will..

-- Glaubauf Karl, Freitag, 19. Oktober 2012, 20:23