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Türkenschanzpark Wien Türkenschanzpark #

1180 Wien, zwischen Peter-Jordan-Straße, Gregor-Mendel-Straße, Hasenauerstraße und Max-Emanuel-Straße


Der Park wurde 1874-78 nach Plänen des Stadtgartendirektors Gustav Sennholz eingerichtet und 1888 anstelle einer ehemaligen türkischen Schanze (1683; wohl auch schon 1529, da der Name 1649 erwähnt wird) eröffnet. Er liegt auf hügeligem Gelände (in einem Einschnitt führt die Trasse der Verbindungsbahn durch).

Auf der unverbauten Türkenschanze befanden sich staatliche Bauten, wie ein Pulvermagazin, Windmühlen und Sandgruben. Severin Schreiber ließ hier gelben Bausand abbauen und verkaufte das Areal, nachdem es ausgebeutet war. In der Nähe ist eine Gasse nach ihm benannt, ein Gemeindebau in Döbling heißt "Am Sandberg".

Als in den 1870er Jahren das Währinger Cottageviertel entstand, kam der Wunsch nach einer gepflegten Parkanlage für die Bewohner auf. Der Ringstraßenarchitekt Heinrich Ferstel, Obmann des Cottage-Vereins, war auch der Initiator des 1883 gegründeten "Vereins zur Errichtung eines öffentlichen Parks auf der Türkenschanze." Mit Spenden, Sponsorgeldern und Subventionen konnten zunächst 51.000 m² Grund von Severin Schreiber erworben werden. Der Park wurde im englischen Landschaftsstil mit Hilfe der Schlossgärten von Sanssouci und der Baumschulen von Berlin, Erfurt, Metz und Utrecht gestaltet.

Bei der Eröffnung (1888) hielt Kaiser Franz Joseph I. seine aufsehenerregende Rede über die "Beseitigung der physischen Grenze der Vororte"; durch das Gesetz vom 19. 12. 1890 erfolgte dann (nach jahrzehntelangen Verhandlungen) die Eingemeindung der außerhalb des Linienwalls gelegenen Vororte. Die Zeremonie fand vor dem zentral im Park gelegenen Aussichtsturm statt. Daran erinnert eine Tafel an dem 23 m hohen, runden Sichtziegelbau mit einem Obergeschoß aus Fachwerk. Die Bezeichnung "Paulinenwarte" erinnert an Fürstin Pauline Metternich, die für die Gestaltung des Parks exotische Gehölze aus ihrer Baumschule in Böhmen spendete (diese Bezeichnung wurde der Warte erst später gegeben). Mitte der 1970er Jahre wurde die Aussichtswarte , die ursprünglich auch als Wasserreservoir diente, wegen Baufälligkeit gesperrt. Seit der Renovierung 2010 ist sie wieder an Wochenenden geöffnet.

1893 übernahm die Gemeinde Wien den Park. 1908 beschloss der Gemeinderat, die Anlage durch Einbeziehung der benachbarten Sandgrube im Westen zu vergrößern und mit Bäumen und Sträuchern aus allen Klimazonen der Welt zu bepflanzen. In jüngster Zeit kamen botanische Raritäten wie Zierbäume aus China, Japan und Nordamerika dazu. Die Pläne zur Erweiterung stammten von Stadtplaner Heinrich Goldemund und Stadtgartendirektor Wenzel Hybler. 1910 eröffnete Josef Neumayer der neuen Teil des Türkenschanzparks. Bis 1918 war der Türkenschanzpark die größte städtische Parkanlage. 1926 wurde darin ein Kinderfreibad errichtet. An seiner Stelle befindet sich seit 1993 ein Lehrteich der "Studiengruppe Ökologie". 1999 erhielt der historische Garten eine 2.500 Quadratmeter große Freizeitwelt mit Streetball, Beach-Volleyball, Basketball- und Skateanlagen.

Auf einer Fläche von rund 150.000 Quadratmetern präsentiert sich der Türkenschanzpark durch seine Topografie landschaftlich äußerst reizvoll und ist für seine Teich- und Bachanlagen, Wasserfälle und Springbrunnen bekannt. Die bei den ursprünglichen Plänen des romantischen Landschaftsgartens vorgesehenen Sichtbeziehungen und -achsen sind nur noch zum Teil nachzuvollziehen.

Im Türkenschanzpark befinden sich zahlreiche historische und moderne Denkmäler wie die von Adalbert Stifter, Auguste Fickert, Arthur Schnitzler, Leon Askin, Emmerich Kalman und anderen.

  • Im September 2016 erscheint ein reich ilustrierter Band über das "Grüne Juwel" Wiens - bald auch als Web Book


Der Türkenschanzpark
Das grüne Juwel
© P. Diem
Teich
Einer der beiden großen Teiche
© P. Diem
Aussichtsturm Paulinenwarte
Aussichtsturm
© P. Diem
Wiese
"Studentenwiese"
© P. Diem
Türkischer Yunus-Emre-Brunnen (Ecke Feistmantelstraße/Dänenstraße, 1991)
Türkischer Brunnen
© P. Diem
Adalbert Stifter
Wasserfall
Wasserfall
© P. Diem
Leon Askin
Leon Askin
© P. Diem
Kosakendenkmal - Hilfe bei der Türkenbelagerung
Kosakendenkmal
© P. Diem
Auguste Fickert
Auguste Fickert
© P. Diem

Literatur#

  • Czeike, Wien-Lexikon
  • Renate Schweitzer, Der Türkenschanzpark - Ein Abriß seiner Entstehungsgeschichte, in: WGB1I. 23 (1968), 309ff.
  • H. Kretschmer, Währing, Wiener Bezirkskulturführer, 1982
  • Helga Maria Wolf, Archivbilder Währing, 2004
  • Stadtgartenamt: 125 Jahre Türkenschanzpark


Redaktion: P. Diem und hmw alle Fotos: P. Diem