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vom 30.10.2016, aktuelle Version,

Adele Hartwig

Adele Hartwig

Adele Hartwig (vor 1893 in Wien – nach 1933) war eine österreichische Theaterschauspielerin.

Leben

Hartwig, die aus einer Priester- und Offiziersfamilie stammte, ging aus freien Stücken zur Bühne. Dies führte zu einer Entfremdung von ihrer Familie.

1893 debütierte sie als „Maria Stuart“ in Wiener Neustadt. Danach hatte sie Engagements am Stadttheater Olmütz (1895) und am Stadttheater Brünn (1896), wo sie in modernen Stücken auftrat. Ende 1896 und Anfang 1897 spielte sie in New York; ihr US-Debüt gab sie im Oktober 1896 in dem Stück Die offizielle Frau.[1] Von 1897 bis 1900 gehörte sie zum festen Ensemble des Hoftheaters Braunschweig. Am Hoftheater Braunschweig war sie für das Rollenfach der „Salondame“ engagiert. Ihr Repertoire reichte jedoch darüber hinaus; sie spielte dort verschiedene Rollen „nach Individualität“, u. a. auch die Rößl-Wirtin in dem Lustspiel Im weißen Rößl von Oskar Blumenthal und Gustav Kadelburg. Im Oktober 1899 trat sie am Hoftheater Braunschweig als „Nora“ auf.[2]

Sie war anschließend einige Zeit auch am Residenztheater Berlin (Debütrolle im September 1900 ebenfalls „Nora[3]) beschäftigt. Dort löste sie den Vertrag jedoch wegen mangelnder Beschäftigung und trat 1901 in den Verband des Neuen Theaters in Berlin ein. Sie spielte dort u. a. die Titelrolle in Oscar Wildes Theaterstück Salome in einer Neuinszenierung. Mit dieser Produktion gastierte sie im Dezember 1903 auch am Deutschen Volkstheater in Wien. 1903 spielte sie am Deutschen Theater Berlin die Königin in Maurice Maeterlincks Schauspiel Pelléas et Mélisande in Max Reinhardts erster eigener Theaterinszenierung. Ab 1904 war sie fest am Deutschen Theater Berlin engagiert. Dort übernahm sie im Dezember 1904 in der deutschen Erstaufführung von George Bernard Shaws Schauspiel Helden die Rolle der Raina. 1905 spielte sie am Deutschen Theater die Rolle der Hedwig (Tells Frau) in Friedrich Schillers Schauspiel Wilhelm Tell; außerdem wirkte sie in Henri Murgers Die Bohème mit.

Ab 1906 trat sie dann wieder am Neuen Theater Berlin unter der Direktion von Alfred Schmieden auf.[4] Im „Neuen Theater Almanach“ wird sie in der Ausgabe von 1907 als Mitglied des Kleinen Theaters Berlin geführt. Ab 1907 war sie als frei gastierende Schauspielerin tätig. Im August 1909 gastierte sie am Residenztheater in Frankfurt am Main, wo sie mit Harry Walden und Ernst Bach in Einaktern von Rudolf Presber, William Somerset Maugham, Walter Turszinsky und Hans Brennert auftrat. 1912 folgte ein Engagement am Komödienhaus am Schiffbauerdamm in Berlin. Dort spielte Hartwig die Titelrolle in der Komödie Die Zarin von Melchior Lengyel und Ludwig Biro (Premiere: Komödienhaus, 27. September 1912). Ab April 1913 leitete sie gemeinsam mit Toni Impekoven kurzzeitig das Berliner Komödienhaus, beide übernahmen zudem das in Insolvenz geratene Friedrich-Wilhelmstädtische Schauspielhaus. Ab 1914 war sie wieder frei gastierend tätig. Von 1915 bis 1918 leitete sie zusammen mit ihrem Ehemann, dem Schauspieler Walter Wassermann, das Deutsche Theater in Łódź, ein Fronttheater während des Ersten Weltkriegs, an dem sie auch als Schauspielerin und Regisseurin tätig wurde. Ab 1918 spielte sie wieder Theater in Berlin.

Hartwig trat auch in Stücken von Arthur Schnitzler auf. Ihre Wandlungsfähigkeit zeigte sie u. a. dadurch, dass sie an einem Abend sowohl die tragische Rolle der Christine in Liebelei, als auch die komische Rolle der Balletttänzerin Annie in der Episode Abschiedssouper in Schnitzlers Theaterzyklus Anatol verkörperte.

1921 und 1922 war sie in einigen Stummfilmen zu sehen. 1926 gründete sie in Berlin das Englische Theater - Deutscher Schauspieler (E. V.), dessen Leiterin sie bis Anfang der 1930er Jahre war. Sie führte dort u. a. Stücke von George Bernard Shaw auf.

Adele Hartwig war mit einem Herrn Petz verheiratet und führte bis 1903 den Namen Adele Hartwig-Petz. 1903 kehrte sie - vermutlich nach der Scheidung - zu ihrem Mädchennamen zurück.

Filmografie

  • 1921: Betrüger des Volkes
  • 1921: Schattenpflanzen der Großstadt
  • 1921: Der wandernde Koffer
  • 1922: Die Königin von Whitechapel
  • 1922: Die Schatten jener Nacht

Literatur

Einzelnachweise

  1. A history of the New York stage from the first performance in 1732 to 1901 S. 238. Abgerufen am 29. März 2015
  2. Nora Besetzung der Aufführung am Herzoglichen Hof-Theater Braunschweig. Spielzeit 1899/1900. Ibsen.nb.no. Abgerufen am 29. März 2015
  3. Nora Besetzung der Aufführung am Residenz-Theater Berlin vom 16. September 1900. Ibsen.nb.no. Abgerufen am 29. März 2015
  4. Unsere Bilder in: Berliner Leben: Zeitschrift für Schönheit und Kunst (mit einem Foto von Adele Hartwig). Ausgabe 2/1906. Seite 4 und S. 10 (Foto). Abgerufen am 29. März 2015