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vom 29.11.2018, aktuelle Version,

Bahnhof Feldkirch

Feldkirch
Blick auf den Bahnhof Feldkirch und das Areal
der früheren Wagenwerkstätte Feldkirch
Blick auf den Bahnhof Feldkirch und das Areal
der früheren Wagenwerkstätte Feldkirch
Daten
Betriebsstellenart Trennungsbahnhof
Abkürzung Fk
IBNR 8100197
Eröffnung 1872
Webadresse ÖBB
Lage
Stadt/Gemeinde Feldkirch
Bundesland Vorarlberg
Staat Österreich
Koordinaten 47° 14′ 29″ N,  36′ 21″ O
Eisenbahnstrecken
Liste der Bahnhöfe in Österreich
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Der Bahnhof Feldkirch ist ein Bahnhof in der österreichischen Stadt Feldkirch in Vorarlberg. Der Bahnhof liegt nördlich der Stadt Feldkirch im Ortsteil Levis zwischen dem Ardetzenberg und dem Känzele. Der Abzweigbahnhof liegt an der Vorarlbergbahn und der Strecke Feldkirch–Buchs. Besondere Bedeutung hat der Bahnhof Feldkirch als zentraler Fernverkehrsknoten für Vorarlberg und insbesondere das dichtbesiedelte Vorarlberger Rheintal. Untertags verkehren stündlich Züge der ÖBB von und nach Wien, die ab Feldkirch alle zwei Stunden abwechselnd entweder nach Zürich oder nach Bregenz weitergebunden werden.

Geschichte

Historische Ansichtskarte des Bahnhofes Feldkirch (1899)

Der Bahnhof wurde 1872 gemeinsam mit der Vorarlberger Bahn eröffnet.[1] Das historische Bahnhofsgebäude wurde seit 1884 immer wieder erweitert, da Feldkirch wegen der Arlbergbahn zum internationalen Verkehrsknoten wurde. In den 1960er Jahren wurde der historische Bahnhof abgerissen. Anfang 1969 wurde der neue Bahnhof in Betrieb genommen. Von 1999 bis 2001 wurde der Bahnhof im Rahmen der ÖBB-Bahnhofsinitiative erneut renoviert und umgebaut. Dabei wurden die Bahnsteige, die Unterführung und die Bahnhofshalle erneuert.[2] Infolgedessen wurde der Bahnhof im Jahr 2010 im Rahmen einer Befragung des VCÖ von den befragten Fahrgästen zum sechstschönsten Bahnhof Österreichs gewählt.[3]

Verkehr

Blick vom Bahnhof Feldkirch zum Schattenburgtunnel (Richtung Bludenz)
Bahnsteige des Bahnhofs Feldkirch (Blick Richtung Bregenz)

Der Bahnhof Feldkirch wird von Railjet-Zügen auf der Strecke (Flughafen Wien)/(Budapest Keleti) Wien Hbf Bludenz Feldkirch –Zürich HB / Bregenz bedient, zusätzlich verkehren am Bahnhof Feldkirch Nachtreisezüge des ÖBB Nightjet, Regionalexpresszüge fahren nach Lindau, Bregenz Hafen, Buchs SG und Schruns, weiterhin wird der Bahnhof von der S1 (Bludenz-Lindau) bedient. Der Bahnhof Feldkirch dient auch als Verladebahnhof für den Autoreisezug von Feldkirch nach Wien, Graz und Villach. Darüber hinaus ist Feldkirch der Grenzbahnhof der Strecke nach Buchs.

Linie Verlauf Taktfrequenz
RJ (Bregenz oder Zürich HB) Feldkirch – Bludenz St. Anton am Arlberg Innsbruck Hbf Salzburg Hbf – Wien Hauptbahnhof Stundentakt
NJ 246/247 Wien – Linz – Innsbruck – Feldkirch – Bregenz Ein Zugpaar täglich
NJ 464/465 Graz – Leoben – Innsbruck – Feldkirch – Zürich Ein Zugpaar täglich
NJ 466/467 Wien – Linz – Innsbruck – Feldkirch – Zürich Ein Zugpaar täglich
IC 118 Bodensee Münster (Westf) Gelsenkirchen Duisburg Köln Koblenz  Mannheim Stuttgart Ulm Lindau Bregenz FeldkirchInnsbruck Ein Zugpaar täglich
REX (Lindau –) Bregenz – Dornbirn Feldkirch – Bludenz ( Schruns) (Halb-)Stundentakt
R Buchs SG – Schaan-Vaduz – Forst-Hilti – Nendeln – Tisis – Gisingen – Altenstadt – Feldkirch Einzelne Züge
Lindau Hbf – Lochau-Hörbranz – Bregenz Hafen – Bregenz – Bregenz Riedenburg – Lauterach – Wolfurt – Schwarzach – Haselstauden – Dornbirn – Dornbirn Schoren – Hatlerdorf – Hohenems – Altach – Götzis – Klaus in Vorarlberg – Sulz-Röthis – Rankweil – Feldkirch Amberg Feldkirch – Frastanz – Schlins-Beschling – Nenzing – Ludesch – Nüziders – Bludenz Halbstundentakt

Gesellschaftliche Ereignisse

James-Joyce-Zitat-Leiste in der Feldkircher Bahnhofshalle

James Joyce

Seit dem Bloomsday 1994 ist in der Bahnhofshalle von Feldkirch ein James-Joyce-Zitat zu lesen, das die besondere Verbindung des irischen Schriftstellers mit der Montfort-Stadt betont. Dank einflussreicher Freunde konnte James Joyce, der 1915 weltkriegsbedingt als „feindlicher Ausländer“ betrachtet wurde, mit seiner Lebensgefährtin Nora Barnacle und den beiden gemeinsamen Kindern aus Österreich ausreisen, während sein Bruder Stanislaus Joyce noch in Triest als „feindlicher Ausländer“ verhaftet wurde und auf Weltkriegsdauer inhaftiert blieb.[4] Bei der Grenzkontrolle in Feldkirch wurde auch Joyce um eine Haar verhaftet, weshalb sich nach seinen Worten am Bahnhof von Feldkirch das Schicksal seines Romanes Ulysses entschieden hat.[5] Ende 2001 haben die ÖBB die ursprünglich vom Kulturkreis Feldkirch über den Fahrscheinschaltern angebrachte Gedenktafel durch eine besonders anschauliche und auffällige Präsentation des ins Deutsche übersetzten literarhistorischen Joyce-Zitates (Over there, on those tracks the fate of ‚Ulysses‘ was decided in 1915.) ersetzt, womit die ÖBB wesentlich zur Popularisierung und Verbreitung des jahrzehntelang verborgenen Sachverhaltes beitragen.

Stefan Zweig

Der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig behauptet in seinen „Die Welt von Gestern“ betitelten Memoiren, dass er 1919 am Bahnhof Feldkirch Zeit- und Augenzeuge gewesen sei, als Karl I. von der Republik Österreich ins Schweizer Exil abgeschoben wurde.[6]

„Bei der Rückkehr nach Österreich über die Grenzstation Feldkirch stand mir ein unvergeßliches Erlebnis bevor. Schon beim Aussteigen hatte ich eine merkwürdige Unruhe bei den Grenzbeamten und Polizisten wahrgenommen. Es kam der Glockenschlag, der das Nahen eines Zuges ankündigte. Die Polizisten stellten sich auf, alle Beamten eilten aus ihren Verschlägen. Langsam, majestätisch rollte der Zug heran, ein Zug besonderer Art, ein Salonzug. Die Lokomotive hielt an. Eine fühlbare Bewegung ging durch die Reihen der Wartenden, ich wußte immer noch nicht warum.

Da erkannte ich hinter der Spiegelscheibe des Waggons hoch aufgerichtet Kaiser Karl, den letzten Kaiser von Österreich und seine schwarzgekleidete Gemahlin, Kaiserin Zita. Ich schrak zusammen: Der letzte Kaiser von Österreich, der Erbe der habsburgischen Dynastie, die siebenhundert Jahre das Land regiert, verließ sein Reich! Weil er die formelle Abdankung verweigerte, hatte die Republik seine Abreise erzwungen. Nun stand der hohe ernste Mann am Fenster und sah zum letzten Mal die Berge, die Häuser, die Menschen seines Landes. ...[Anm. 1]

Carl Zuckmayer

Carl-Zuckmayer-Zitat am Feldkircher Bahnhof (2016)

Der deutsche Dichter Carl Zuckmayer (1896–1977) flüchtete auch über den Grenzbahnhof Feldkirch in die Schweiz und eines seiner Zitate findet sich auf einer Mauer am Bahnhof:[7]

„Als der Zug langsam in Feldkirch einfuhr und man den grellen Kegel der Scheinwerfer sah, hatte ich wenig Hoffnung. Der Tag dämmerte bereits, mein Puls klopfte mit dem Ticken der Uhr. Wenn man nur schon raus wäre. Jede Sekunde kann irgendeine neue Wendung bringen. Jede Ablösung eines Grenzbeamten eine neue Verdächtigung, die ganze Komödie war umsonst.“

Deutscher Grenzbahnhof ab 1938

Beim Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland 1938 kam es seitens einheimischer SS-Leute zu antisemitischen Ausschreitungen gegenüber angereisten Juden.[8]

Personen

  • Elmar Steurer (* 1924), Vorstand des Bahnhofes[9] und Abgeordneter zum Vorarlberger Landtag sowie ab 1970 dessen 2. Landtagsvizepräsident.

Literatur

  • Lothar Beer: Die Geschichte der Bahnen in Vorarlberg, Band I. Hecht-Verlag, 1984
  • Lothar Beer: Die Geschichte der Bahnen in Vorarlberg, Band II. Hecht-Verlag, 1995; Bahnhof Feldkirch S. 142–148; Wagenwerkstätte Feldkirch. S. 279–283
  • Franz J. Fröwis: Drei Sonderzüge von historischer Bedeutung in Vorarlberg (1917, 1919 und 1921) In: Bludenzer Geschichtsblätter, Heft 40/41 1981; S. 3–43, Der "Hofsonderzug" vom 24. März 1919; S. 23–30, Über die Abschiebung der Habsburger via Feldkirch in die Schweiz.
  Commons: Bahnhof Feldkirch  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Vision Rheintal: Eine Raumbezogene Kulturgeschichte (PDF; 4,6 MB)
  2. ÖBB Immobilien Bahnhofsoffensive
  3. ORF Vorarlberg: Dornbirn hat schönsten Bahnhof Vorarlbergs. Artikel vom 25. August 2010.
  4. Andreas Weigel: Feldkirch und das Schicksal. Zum 125. Geburtstag von James Joyce (1882–1941). St. Galler Tagblatt, 2. Februar 2007.
  5. Andreas Weigel: Das Schicksal des „Ulysses“. James Joyce und Feldkirch, Vorarlberg. In: Montfort. Vierteljahreszeitschrift für Geschichte und Gegenwart Vorarlbergs. 52. Jahrgang. 2000. Heft 3. S. 289–301.
  6. Ulrich Nachbaur: Am Grenzbahnhof Feldkirch 1919. In: Archivale des Monats (2009) (= Vorarlberger Landesarchiv [Hrsg.]: Kleine Schriften des Vorarlberger Landesarchivs. Band 15). 2010, ISBN 978-3-902622-12-9, ISSN 2070-352X, S. 12–13 (Volltext als PDF auf den Webseiten des Vorarlberger Landesarchivs).
  7. Jutta Berger: Radtouren zu Orten des NS-Widerstands in Feldkirch. In: derStandard.at. 28. September 2018, abgerufen am 28. September 2018.
  8. Geschichts- und Schicksalsort: Bahnhof Feldkirch. (Memento vom 23. März 2014 im Internet Archive) www.vorarlberg.naturfreunde.at, abgerufen am 23. März 2014
  9. Generaldirektion der Österreichischen Bundesbahnen (Hrsg.): Almanach der Österreichischen Eisenbahnen 1977. Wien 1977, S. 66

Anmerkungen

  1. Stefan Zweig: „Welt von Gestern“. – Der Wahrheitsgehalt dieser Anekdote wird mittlerweile selbst von „Stefan Zweig“-Biografen in Frage gestellt: „Zweig beteuert zwar in der „Welt von Gestern“, dass er am 24. März 1919 in Feldkirch Augenzeuge jenes historisch erfreulichen Moments wurde, als Karl und Zita Habsburg von der Republik Österreich in die Schweiz abgeschoben wurden. Allerdings misstrauen auch Zweig-Biografen diesem berühmt gewordenen Augenzeugenbericht, weil die ihm innewohnende Sensation weder von Zweig noch von seiner ihn begleitenden, damaligen Lebensgefährtin und späteren Ehefrau Friderike Winternitz je irgendwo zuvor erwähnt bzw. festgehalten wurde. Zweig erwähnt die oft als historischer Augenzeugenbericht zitierte Anekdote erstmals in seiner Jahrzehnte später verfassten „Welt von Gestern“. Die gleichfalls journalistisch und schriftstellerisch tätige Friderike Winternitz erwähnt die legendäre Anekdote auch erst nach dem „Zweiten Weltkrieg“ in ihrer Zweig-Biografie, nachdem sie durch Zweigs „Welt von Gestern“ erfahren hat, was sie und Zweig in Feldkirch gesehen haben (sollen).“ (Andreas Weigel: James Joyce und Stefan Zweig (Rohbericht). Exkurs Feldkirch.)