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vom 25.01.2017, aktuelle Version,

Enzersdorf im Thale

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Enzersdorf im Thale (Dorf)
Ortschaft
Katastralgemeinde Enzersdorf im Thale
Verwaltungssprengel
Enzersdorf im Thale (Österreich)
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Basisdaten
Pol. Bezirk, Bundesland Hollabrunn (HL), Niederösterreich
Gerichtsbezirk Hollabrunn
Pol. Gemeinde Hollabrunn
Koordinaten 48° 35′ 12″ N, 16° 14′ 27″ Of1
Höhe 267 m ü. A.
Einwohner der Ortschaft 218 (31. Oktober 2016)
Gebäudestand 132 (15. Mai 2001f1)
Fläche d. KG 17,31 km²
Postleitzahl 2032 Hollabrunn
Vorwahl +43/02953f1
Ortsvorsteher Johann Suttner (ÖVP)f1
Statistische Kennzeichnung
Ortschaftskennziffer 03754
Katastralgemeinde-Nummer 9011
Zählsprengel/ -bezirk Enzersdorf im Thale (31022 080)
Quelle: STAT: Ortsverzeichnis; BEV: GEONAM; NÖGIS
Pfarrkirche St. Markus zu Enzersdorf im Thale

Enzersdorf im Thale ist ein Ortsteil der Stadtgemeinde Hollabrunn in Niederösterreich.

Lage

Die 17,3 km² große Katastralgemeinde liegt im größten Eichenmischwald Mitteleuropas auf einer Höhe von 267 m ü. A. Der Ort befindet sich im Osten des politischen Bezirks Hollabrunn, rund 12 km nordöstlich des Stadtzentrums von Hollabrunn und etwa 40 km nördlich von Wien.

Geschichte

Prähistorischer Handelsknoten

Enzersdorf und Kleinkadolz liegen seit Anbeginn auf dem Kreuzungspunkt zweier wichtiger Handelsstraßen und weisen seit der Steinzeit Funde aus den unterschiedlichen Epochen auf. Die letzte große prähistorische Erkenntnis rührt aus dem Jahr 2000. Damals wurden vom Museum für Urgeschichte des Landes NÖ (in Asparn/Zaya) in der Flur „Im Grund“ nahe der alten Feldmühle (etwa 500 Meter westlich des Ortszentrums von Enzersdorf) bei Ausgrabungen zwei Bronze-Depotfunde aus der Urnenfelderzeit sichergestellt. Man vermutet, dass hier ein Bronzegießer ansässig war, dem die Materialien gehörten und der serien- bzw. massenweise Gebrauchsgegenstände aus Bronze herstellte. Seine Anwesenheit spricht dafür, dass der Ort ein bedeutender Handelsknoten war.

Ehemaliger Markt und versunkene Dörfer

Rest von Schloss Enzersdorf im Thale

Enzersdorf im Thale entwickelt sich im Mittelalter zwischen 1100 und 1500 mit seiner Wasserfestung als Zentralort im Langenthal (auch oberes Göllersbachthal genannt) und wird Marktgemeinde. Einerseits gründet die wohlhabende Familie der Ritter von Enzersdorf selbst zahlreiche andere "Enzersdorfe" rund um Wien. Andererseits bietet der stark befestigte Ort auch den Einwohnern der umliegenden Dörfer Schutz in Kriegen sowie Arbeitsplätze. Das dürfte mit ein Grund sein, warum bis ins 15. Jahrhundert in einem Umkreis von etwa vier Kilometern zumindest sechs bis acht Dörfer - teils sogar mit Holzburgen bestückt - veröden. Noch heute sind einige dieser Orte, die vom Wald überwuchert wurden, oberflächlich anhand von Wallanlagen und Hausbergen erkennbar.

Prägendste Figur unter den Herren von Enzersdorf war wohl Wolf Christoph, letzter Ritter von Enzersdorf, der 1598 starb. Unter ihm wird Enzersdorf von 1572 bis 1627 zur protestantischen Pfarre (mit Kleinkadolz und Patzenthal) mit einem Lutheraner als Pfarrer. Einer von ihnen - Michael Grünberger - widmete sein „Erempel“-Buch u. a. Wolf Christoph und seiner Gemahlin. In den Jahren 1571 und 1580 fanden im so genannten Pragerhof (Haus Ernstbrunner Straße Nr. 13) lutheranische Synoden für das Weinviertel statt, zu der auch Pastoren aus Deutschland anreisten. Wolf Christoph war zudem Initiator des Wappenbuches der Stände unter der Enns. Er hatte ausgedehnte Besitzungen und ließ das gewaltige Wasserschloss neu erbauen, das durch einen Kupferstich von Georg Matthaeus Vischer noch heute bekannt ist. Er fungierte als Kaiserlicher Rat von Maximilian II. Dieser war Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und Erzherzog zu Österreich von 1564 bis 1576. Der damals prominente franco-flämische Renaissance-Komponist Jacob Regnart widmete Wolf Christoph von Enzersdorf sogar einen Band seiner Villanellen ("Kurtzweilige teutsche Lieder zu dreyen Stimmen nach Art der Neapolitanen oder welschen Villanellen", 1574).

Pfarre

Pranger in Enzersdorf im Thale aus der Zeit um 1560

Enzersdorf im Thale bildet mit Kleinkadolz und den unmittelbar benachbarten Katastralgemeinden Oedenkirchenwald und Glasweinerwald eine eigene Pfarre, die zur Erzdiözese Wien gehört. Die Pfarrkirche Enzersdorf im Thale ist dem heiligen Markus geweiht und wurde 1897 errichtet. Diese katholische Pfarre wurde 1783 gegründet.

Sehenswürdigkeiten

Auf dem Gebiet der Pfarre finden sich viele alte Gebäude und Sehenswürdigkeiten. In der Pfarrkirche sind noch Grabdenkmäler der Ritter von Enzersdorf zu finden. Mitten im Ort befindet sich der Rest eines Wasserschlosses, das auf einer Halbinsel liegt. Am Hauptplatz steht die Prangersäule samt Bagstein - gegenüber das Feuerwehrhaus im Jugendstil. Im Wald liegen das Fachwerk-Forsthaus Ödenkirchen und das Jagdschloss Glaswein (beide sind bewohnt und nicht zu besichtigen).

Einwohnerentwicklung

Die Einwohnerzahl ist in den letzten 15 Jahren um 14 Prozent auf 218 Personen (Stand: Ende Oktober 2016) gestiegen. Enzersdorf im Thale bildet mit dem baulich zusammengewachsenen Kleinkadolz eine Dorfgemeinschaft, die das gesellschaftliche Leben prägt. Dort stieg die Einwohnerzahl im selben Zeitraum sogar um 24 Prozent auf 141. Beide Orte entwickeln sich im Vergleich zur gesamten Großgemeinde weit überdurchschnittlich stark.

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Literatur

  • Weichselbaum, Josef (1993): Heimatbuch von Enzersdorf/Th. und Kleinkadolz. Eigenverlag: Kleinkadolz
  • Lauermann, Ernst; Rammer, Elisabeth (2013): Die urnenfelderzeitlichen Metallhortfunde Niederösterreichs. Mit besonderer Berücksichtigung der zwei Depotfunde aus Enzersdorf im Thale. Bonn: Verlag Dr. Rudolf Habelt GmbH
  • Fittner, Johann Walter (1999): Eggendorf im Thale. Sakralgeschichtlicher Abriß aus Anlaß der Hundertjahrfeier des Weihetages 1999. Eigenverlag: Eggendorf im Thale
  • Vischer, Georg Matthaeus (1672): Topographia archiducatus Austriae Inferioris modernae, Wien
  • Einwohnerstatistik der Stadtgemeinde Hollabrunn, Oktober 2016