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vom 24.08.2016, aktuelle Version,

Fischer-Deponie

Fischer-Deponie (1989)

Die Fischer-Deponie – Niederösterreichs Altlast N1 – war eine 800.000 m³ große Deponie in Theresienfeld (Niederösterreich) im Wiener Becken, in der unter anderem gefährlicher Industrie- und Gewerbemüll illegal abgelagert wurde, trotz ihrer Lage inmitten eines riesigen Grundwasserreservoirs. Mit ihrer Sanierung, die schließlich 140 Millionen € kostete, beschäftigten sich während der 1980er und 1990er Jahre immer wieder die österreichischen Gerichte und Medien.[1]

Die Deponie wurde als bis zum damaligen Zeitpunkt größtes Altlastensanierungsprojekt Europas 2001 bis 2008 saniert.

Lage

Die Deponie entstand aus einer Schottergrube im gut durchlässigen Schotterbett der Mitterndorfer Senke, einem der größten Wasserspeicher Mitteleuropas. Obwohl die Sohle der Grube im Bereich der Grundwasserschwankungen lag, wurden keine technischen Vorkehrungen zum Grundwasserschutz getroffen.

Betrieb der Deponie

1972 begann die Firma Waxina in der aufgelassenen Schottergrube Fässer abzulagern. Der spätere Pächter Johann Fischer, von dem die Deponie schließlich ihren Namen bekam, verwendete sie unter anderem zur Ablagerung von Industrie- und Gewerbemüll. Ob unter seiner Verantwortung und mit seinem Wissen auch Giftfässer dort deponiert wurden, konnte nie abschließend geklärt werden, jedenfalls wurde weit mehr deponiert, als bewilligt war, darunter auch mit Öl kontaminierter Erdaushub und Hausmüll.

1982 wurde festgestellt, dass chlorierte Kohlenwasserstoffe, vor allem Perchlorethylen, aus der Deponie das Grundwasser der Mitterndorfer Senke kontaminieren.

Bei den zuständigen Behörden, die in den darauffolgenden Jahren immer wieder Missstände feststellten, waren mehrere Verfahren anhängig, so dass 1985 und 1986 schließlich über 500 Fässer aus der Deponie entfernt werden konnten, die unter anderem Lösungsmittel- und Kunstharzrückstände enthielten. Da der Betreiber im Rechtsstreit mit den zuständigen Behörden mehrfach bereits bestehende Räumungsfristen wieder aufheben lassen konnte, konnte er bis 1987 weiter Material in die Deponie einbringen.

Sanierung/Räumung

Dennoch konnten die Behörden 1987 die endgültige Schließung und anschließend die Sanierung der Deponie durchsetzen, wenn auch erst nach jahrzehntelangem Rechtsstreit.

Die Räumung der Deponie, offiziell als Altlast N1 bezeichnet, wurde Ende 2005 abgeschlossen, dabei musste fast eine Million Tonnen Bauschutt und Gewerbeabfälle aus der Deponie entfernt werden, darunter über 40.000 Tonnen gefährliche Abfälle. Anschließend wurden noch weitere 900.000 Tonnen verunreinigten Schotters entsorgt. Das Material wurde vor Ort nach Deponieklassen klassifiziert und auf entsprechende geordnete Deponien verbracht. Das Vorhaben gilt als das bislang aufwendigste und teuerste Einzelprojekt der Altlastsanierung in Österreich.

Die Sanierung wurde Ende Juni 2005 endgültig abgeschlossen, wobei die durch die Räumung wieder freigelegten Böschungen aus der Zeit der Nutzung als Schottergrube mit frischem Kies überschüttet und die verbleibende Grube/Wanne wieder begrünt wurde. Eine Wiederverfüllung bis auf das ursprüngliche Geländeniveau (vor Beginn des Schotterabbaus) wurde aus Kostengründen nicht durchgeführt.

Insgesamt verursachte die drei Jahre dauernde Sanierung/Räumung, bei der im Mittel täglich 160 LKW-Ladungen Deponiematerial abgetragen wurden, einem Kostenaufwand von 130 Millionen €. Ein Gutteil der Kosten entfielen auf die anfallenden Deponiegebühren derjenigen geordneten Deponien, auf die das Material verbracht wurde. Die Kosten trug die Republik Österreich.

Weitere Altlasten und Sanierungen

In Niederösterreich waren mit Stand 1. März 2006 von 56 verzeichneten Altlasten 13 bereits saniert, 18 in Arbeit und bei 6 liefen die Planungen dazu.[2]

Beispielhaft gelistet seien hier nur Schottergruben, die mit (teilweise) grundwassergefährdenden Abfällen verfüllt worden sind, in der Mitterndorfer Senke in Niederösterreich liegen und damit im Verdacht standen oder stehen, Grundwasserbrunnen der dritten Wiener Trinkwasserleitung zu gefährden. Folgende 3 sind mittlerweile saniert:

  • Altlast N9: Deponie Berger (Mülldeponie Helene Berger), in Weikersdorf am Steinfelde, Schottergrube an der B26 1 km westlich der A2 westlich von Wiener Neustadt im 1970–1987 mit Müll verfüllt, in das höchste Grundwasser hineinreichend, von einer Arge mit Porr Umwelttechnik GmbH durch Vorbehandlung und Räumung von 1,15 Mio t Abfällen und kontaminiertem Untergrund Sommer 1996–1998 geräumt, Fertigstellung nach 56 Monaten Bauzeit 2001.[3][4]
  • Altlast N52: Angerler Grube (Eigentümer: Alexander Angerler) in Theresienfeld 3 km nördlich von Wiener Neustadt, 150 m südlich der Fischer-Deponie. Schottergrube, die in den 1970/1980er-Jahren bis in eine Tiefe von 19 m und bis nur 1 m über das höchste Grundwasser mit Aushub, Bauschutt, Abfall, darunter gefährlichen Lösemitteln in Fässern verfüllt wurde. Zeitweise wurde eine (zusätzliche) Belastung des Grundwassers im Abstrom mit Trichlorethen festgestellt. Der betroffene Grundwasserkörper der Mitterndorfer Senke ist von sehr großer wasserwirtschaftlicher Bedeutung, insbesondere für Brunnen der dritten Trinkwasserleitung für Wien. Saniert durch Aushub von Füllung und Untergrund August 2005 bis August 2009.[5][6]
  • Altlasten N55 und N56: Müllgruben Betongrubenfelder, südöstlich der Fischer-Deponie als Schottergruben vor 1945 zur Errichtung von Betonfundamenten ausgehoben, bis in die 1970er-Jahre mit Müll verfüllt, darunter Destillationsrückstände und Lösemittel. Trotz Räumung zahlreicher Fässer, Kontaminierung des Untergrunds, Sanierung durch Betrieb einer Bodenluftabsaugung seit 2. Quartal 2009 für geplant 3 Jahre.[7]

Mit Stand Ende 2015 ist eine Sanierung für folgende Deponie erst in Planung:

  • Altlast N6: Aluminiumschlackendeponie in Wiener Neustadt, 500 m westlich der A2 und 500 m südlich der B26, also etwa 500 m südöstlich der Altlast N9. Hier wurden 1974 bis etwa 1990 verschiedene Abfälle, überwiegend (680.000 t) Aluminiumkrätze mit wasserlöslichen Salzanteilen (Chloride, Fluoride) deponiert. Grundwasser erreicht in 3 Jahren die tiefste Stelle der Deponiesohle, die Deponie ist mit Mutterboden abgedeckt und rekultiviert. In der reduzierenden Atmosphäre bilden sich Gase wie Methan, Wasserstoff und grundwasserschädigendes Ammoniak. 1991 wurde der Altlast Prioritätenklasse 2 gegeben und Oktober 2010 belassen. Februar 2003 ist die ehemalige Betreiberin – auch der ehemaligen Altlast N9 –, die Einzelunternehmerin Helene Berger verstorben, die Nachkommen haben das Erbe nicht angetreten, womit es samt Sanierungspflicht an den Staat fiel. Dezember 2010 werden die Sanierungskosten mit 200 Mio. € abgeschätzt, eine europaweite Ausschreibung der Arbeiten wurde für 2011 erwartet. [8][9]
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Einzelnachweise

  1. Mitterndorfer Senke: Gift von damals bedroht das Trinkwasser derstandard.at, 1. März 2006, zuletzt abgerufen 25. Dezember 2015
  2. Mitterndorfer Senke: Gift von damals bedroht das Trinkwasser derstandard.at, 1. März 2006, zuletzt abgerufen 25. Dezember 2015
  3. http://www.put.at/index.php?id=1072&tx_mmcporrreferences_pi_overview%5Bbereich%5D=0&tx_mmcporrreferences_pi_overview%5Bland%5D=0&tx_mmcporrreferences_pi_overview%5Bzeit%5D=0&tx_mmcporrreferences_pi_overview%5Bart%5D=0&tx_mmcporrreferences_pi_overview%5Bpage%5D=2&tx_mmcporrreferences_pi_overview%5Bid%5D=4963&cHash=6b7ddd2a0496b5e0780a8efaf8a3e4b3 Räumung Deponie Berger, 1996-98, PORR Umwelttechnik GmbH, Wien, abgerufen 25. Dezember 2015
  4. http://www.umweltbundesamt.at/umweltschutz/altlasten/altlasteninfo/sanaltlasten/niederoesterreich/n9/ Sanierte Altlast N9: Mülldeponie Helene Berger, Umweltbundesamt, 23. Jänner 2003, abgerufen 25. Dezember 2015.
  5. https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Begut/BEGUT_COO_2026_100_2_645698/COO_2026_100_2_645735.pdf Altlast N 52 „Angerler Grube“ Beurteilung der Sanierungsmaßnahmen (§14 Altlastensanierungsgesetz) Umweltbundesamt, November 2009 (?), abgerufen 25. Dezember 2015.
  6. http://waterandwaste.at/?p=281 Sanierung der Altlast Angerler Grube, waste & water, Wr. Neudorf, 5. Oktober 2015, abgerufen 25. Dezember 2015.
  7. http://www.balsa-gmbh.at/betongrubenfelder.html Betongrubenfelder / NÖ, BALSA– Bundesaltlastensanierungges.m.b.H., (c) 2006–2009, abgerufen 25. Dezember 2015
  8. http://www.umweltbundesamt.at/umweltsituation/altlasten/verzeichnisse/altlasten3/niederoesterreich/n6/ Altlast N6: Aluminiumschlackendeponie, Umweltbundesamt, Oktober 2010, abgerufen 25. Dezember 2015.
  9. http://www.noen.at/nachrichten/lokales/aktuell/wiener_neustadt/Aluminiumschlackendeponie-in-Wiener-Neustadt-wird-geraeumt;art2575,17326 Aluminiumschlackendeponie in Wiener Neustadt wird geräumt, NÖN, 21. Dezember 2010, abgerufen 25. Dezember 2015