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vom 14.04.2017, aktuelle Version,

Gleinalmtunnel

Gleinalmtunnel
Gleinalmtunnel
Südportal des Gleinalmtunnels (4. Dez. 2005)
Nutzung Autobahntunnel
Verkehrsverbindung Pyhrnautobahn
Ort Gleinalpe
Länge 8.320 m[1]dep1
Anzahl der Röhren 1, zweite Röhre in Bau (2017/2019)
Querschnitt Halbausbau mit Gegenverkehr
Bau
Baukosten Neubau der 2. Tunnelröhre und Sanierung der 1. Röhre: 243 Mio. € (2013–2019)
Baubeginn 1973 [1]
Fertigstellung 1978 [1]
Planer ?
Betrieb
Betreiber ASFINAG
Maut Sondermaut für Pkw: 8,50 €
Freigabe 1. Röhre 1978 (2. Röhre geplant: Ende 2017)
Lage
Gleinalmtunnel (Steiermark)
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Koordinaten
Nordportal 47° 17′ 39,8″ N, 15° 4′ 40,4″ O
Südportal 47° 14′ 54,3″ N, 15° 9′ 32,9″ O

Der Gleinalmtunnel ist ein Autobahntunnel in Österreich auf der Pyhrnautobahn (A9) mit einer Länge von 8.320 Metern, verbindet die Bezirke Leoben und Graz-Umgebung in der Steiermark und wurde am 11. August 1978 eröffnet.

Geographie

Der Tunnel und die anschließenden Abschnitte der A9 bilden zwischen St. Michael in Obersteiermark und Deutschfeistritz, beide an der Mur gelegen, mit einer Länge von etwa 30 km eine 50%ige Abkürzung gegenüber der etwa 60 km langen Strecke durch das Murtal, wo in den letzten Jahren die Schnellstraßen auch südlich von Bruck an der Mur mit Tunnels und 4-spurig auf hohe Kapazität ausgebaut worden sind.

Die Strecke mit Tunnel bietet also eine Ersparnis von 30 km Strecke (und damit grob etwa 3 € Treibstoffkosten) und 20–30 Minuten Fahrzeit, bei Mautkosten von 8,50 € (für einen Pkw, Einzelfahrt, Stand 2016). Die Mautstelle liegt 5 km nördlich des Tunnels.

Bevor die Strecke Bruck–Deutschfeistritz als Schnellstraße ausgebaut war, floss Pkw-Verkehr über weite Strecken auf zweispuriger Straße nur so schnell wie Lkw-Verkehr. Bevor 2004 für Lkw auch die Schnellstraße mit Streckenmaut belegt wurde, fuhren Lkw, um Tunnelmaut zu sparen nicht selten auch den Umweg über Bruck. Umgekehrt fallen bei wöchentlichen oder noch häufigeren Fahrten mit einer Jahreskarte die Pkw-Tunnelmautkosten nicht ins Gewicht und ist auch eine Fahrt von Graz nach Leoben (7 km flussabwärts von St. Michael) über die Tunnelstrecke deutlich näher, komfortabler und kostengünstiger als über das Murtal.

Die Relation ist international bedeutsam für Verkehr zwischen Deutschland und Slowenien oder Ungarn sowie innerösterreichisch zwischen einerseits Linz (nördlich von St. Michael) oder dem oberen Murtal (oberhalb Leoben) und Graz.

Derzeit ist der Tunnel nur einröhrig ausgeführt und wird im Gegenverkehr bei einer Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h betrieben. Auf Grund von mehrfachen tödlichen Unfällen im Tunnel wurde der Neubau einer zweiten Röhre notwendig. Im September 2013 wurde mit dem Vollausbau begonnen, Projektkosten von 243 Mio. Euro werden kalkuliert. Die zweite Tunnelröhre soll dabei bis Sommer 2017 fertiggestellt sein und ab da vorübergehend als einzige Röhre dienen, während die Röhre 1 generalsaniert werden wird, bis 2019 die Gesamtverkehrsfreigabe beider Röhren erfolgen soll.[2]

Der Gleinalmtunnel wird als Sondermautstrecke betrieben, d. h. unabhängig von der allgemeinen österreichischen Autobahnmaut (Vignette) wird zusätzlich eine Benutzungsgebühr in der Höhe von EUR 8,50 pro Fahrt für alle Kfz bis 3,5 t höchstzulässiges Gesamtgewicht (hzG) eingehoben. Dauerkarten für ein Jahr Dauer, die die Passage durch den anderen Sondermaut-Tunnel Bosruck werden um 101,50 € angeboten. Der Vignettenabschnitt erlaubt die Ermässigung nur einer Jahreskarte auf 61,50 €, weitergehende Ermässigungen gelten für Pendler und Behinderte. (Stand 2016)[3] (Schwerere Kfz – Wohnmobile, Busse, Lkw – jeweils über 3,5 t hzG zahlen keinen Aufpreis für die Tunnelnutzung sondern nur die von Anzahl der Achsen und Abgaskategorie abhängige Autobahn-Kilometermaut.)[4]

An der Mautstelle des Gleinalmtunnels gibt es wie auch am Bosrucktunnel eine Videomautspur. Nach Vorausbezahlung der Maut bleibt das Kennzeichen ein Jahr gespeichert. In der Videomautspur wird bei reduzierter Fahrtgeschwindigkei das Kennzeichen gescannt und die Durchfahrt automatisch ohne Wartezeiten ermöglicht.

Brände

Am 6. August 2001 ereignete sich im Gleinalmtunnel ein Autounfall, welcher einen folgenschweren Brand verursachte und fünf Menschen das Leben kostete.[5]

In den Abendstunden des 4. August 2016 geriet etwa 2 Kilometer nach der Tunneleinfahrt ein zu einem Wohnmobil umgebauter Reisebus aus Dänemark in Brand. Die sieben Insassen konnten sich retten, mussten aber mit Rauchgasvergiftungen in Krankenhäuser gebracht werden. Die Feuerwehr konnte das vollständige Ausbrennen des Busses nicht mehr verhindern. Am 5. August 2016 wurde bekannt gegeben, dass an der Unfallstelle die Tunnelzwischendecke einsturzgefährdet sei und zur Behebung der Brandschäden der Tunnel voraussichtlich ein- bis eineinhalb Monate gesperrt bleiben werde. Die Verkehrsumleitung erfolgte über die Semmering Schnellstraße (S6) und die Brucker Schnellstraße (S35). Der Transitverkehr wurde weiträumig über die Tauern- (A10, im Westen) und Süd Autobahn (A2, im Osten) umgeleitet.[6][7] Am 17. August 2016 wurde bekannt gegeben, dass der Tunnel am 25. August 2016 wieder für den Verkehr freigegeben werden könne.[8]

Für die in 21 Tagen erfolgte Sanierung der Brandschäden wurden Arbeiter von der in Bau befindlichen zweiten Röhre abgezogen. 25 bis 30 Arbeiter waren im Einsatz, bei dem rund um die Uhr gearbeitet wurde. Im Unfallbereich waren die Zwischendecke und die Abstellnische schwer beschädigt, sowie Einrichtungen der Tunneltechnik zerstört worden. 40 m2 (30 Tonnen) beschädigter Zwischendecke wurden abgetragen. Für die neue Betonzwischendecke wurden 64 Felsanker neu gesetzt, die eine Brandschutzisolierung erhielten, sowie eine Lüftungsjalousie erneuert. Die Abstellnische wurde mit 300 m3 Beton vollständig verfüllt (es waren im Tunnel mehr Nischen als vorgeschrieben vorhanden). Die Sanierungskosten wurden von der Asfinag mit 500.000 Euro angegeben. Der Einnahmenentfall aus der Sondermaut des Tunnels wurde von der Asfinag mit 2,5 Mio. Euro, etwa 120.000 Euro pro Tag, angegeben. Rund 3 Mio. Euro will die Asfinag von der Haftpflichtversicherung des Buslenkers einfordern. Die Asfinag erklärte, die Gültigkeit von laufenden Jahreskarten um einen Monat zu verlängern.[9][10][11]

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Der Gleinalmtunnel: Die Bauweise und die Kosten. Abgerufen am 10. November 2011.
  2. A 9 Pyhrn Autobahn Vollausbau Gleinalmtunnel
  3. Sonder- und Videomaut Asfinag.at, abgerufen 25. August 2016.
  4. Maut für Lkw und Bus Asfinag.at, abgerufen 25. August 2016.
  5. Deutscher verursachte Unfall im Gleinalmtunnel Handelsblatt online, 7. August 2001, abgerufen am 6. Juli 2014.
  6. Gleinalmtunnel nach Brand bis Montag gesperrt orf.at, 5. August 2016, abgerufen 5. August 2016.
  7. Kleine Zeitung vom 5. August 2016: Tunnel bleibt noch ein bis eineinhalb Monate gesperrt (abgerufen am 5. August 2016)
  8. Gleinalmtunnel: Sanierung schneller als geplant orf.at, 17. August 2016, abgerufen 17. August 2016.
  9. Thomas Rossacher: Gleinalmtunnel ist morgen ab 14 Uhr wieder offen, Kleine Zeitung, Print, 24. August 2016, S. 18 f.
  10. Grünes Licht am Ende des Tunnels, Kleine Zeitung, Print, 25. August 2016, S. 22 f.
  11. Gleinalmtunnel wieder frei: Ermittlungen laufen orf.at, 25. August 2016, abgerufen 25. August 2016.