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vom 10.12.2016, aktuelle Version,

Helmut Lukesch

Helmut Lukesch 1995

Helmut Lukesch (* 27. September 1946 in Linz) ist ein österreichischer Psychologe. Er ist seit 1979 Professor für Pädagogische und Medienpsychologie an der Universität Regensburg.

Leben

Helmut Lukesch absolvierte 1965 die Matura an der Bundeslehrerbildungsanstalt in Salzburg und erhielt damit gleichzeitig die Lehrbefähigung für das Lehramt an Volksschulen. Bei seinem Studium der Psychologie, Pädagogik und Philosophie von 1966–1967 an der Universität Innsbruck waren prägende Professoren Ivo Kohler, Lotte Schenk-Danzinger und Wolfgang Brezinka. Danach wechselte er an die Universität Salzburg (1967–1972) und promovierte dort 1971 zum Dr. phil. Wichtige Universitätslehrer in Salzburg waren Wilhelm Josef Revers und Paul Weingartner. Von 1971 bis 1973 arbeitete er als Hochschulassistent dort am Institut für Psychologie bei Erwin Roth. Von 1973 bis 1977 war er als Wissenschaftlicher Assistent im Fachbereich Erziehungswissenschaft der Universität Konstanz bei Wolfgang Brezinka tätig. 1978 bis 1979 arbeitete er gemeinsam mit Helmut Fend als Projektleiter der „Vergleichsuntersuchungen in Nordrhein-Westfalen“ im Zentrum I für Bildungsforschung und dem SFB 23 der Universität Konstanz.

1976 erfolgte die Habilitation und Lukesch erhielt die Lehrbefugnis für das Fach „Psychologie unter besonderer Berücksichtigung der Entwicklungspsychologie und der Pädagogischen Psychologie“ in Konstanz. Nach einer Lehrstuhlvertretung 1978–1979 an der Universität Regensburg wurde er 1979 ebendort zum Ordentlichen Professor für Psychologie berufen. Trotz ergangener Rufe an die Christian-Albrechts-Universität in Kiel (1990) und an die Universität Konstanz (1997) verblieb er an der Universität Regensburg. Hier wurde er mit Wirkung zum 1. Oktober 2011 pensioniert, setzt aber seine universitäre Tätigkeit als Lehrstuhlvertreter vorerst an der Universität Passau fort.

Werk

Seine Forschungsschwerpunkte betreffen Fragen der psychologischen Diagnostik (Testentwicklung), der Medienforschung (Mediennutzungs- und Medienwirkungsforschung, Inhaltsanalysen zum Fernsehen), der familiären Sozialisationsforschung, der Frühentwicklung des Menschen (Psychologie der Schwangerschaft), der vergleichenden Schulforschung (Gesamtschule vs.dreigliedriges Schulsystem) und das Lernen mit neuen Medien (E-Learning). Von ihm wurde die weltweit erste Datenbank zu psychologischen Testverfahren veröffentlicht, die heute unter der Bezeichnung „psyndex + Tests“ von der ZPID angeboten wird. Als Dienstleistung für die Studierenden der Psychologie wurde von ihm die erste internetbasierte Praktikumsdatenbank für Psychologiestudierende entwickelt[1], ebenso wurde für die Außendarstellung des Instituts für Psychologie an der Universität Regensburg eine selbstergänzungsfähige Institutsgeschichte (Chronik des Instituts für Psychologie)[2] erarbeitet. Besonderer Wert wird dabei auf Nachhaltigkeit gelegt, wobei beispielsweise die entwickelten E-Learning-Kurse routinemäßig aktualisiert werden bzw. die anderen Produkte durch berechtigte Dritte ergänzbar sind. Neben 23 Büchern, 10 Tests, 84 Beiträgen zu Sammelwerken und 74 Zeitschriftenartikeln ist auf eine reichhaltige Vortragstätigkeit im In- und Ausland zu verweisen. Aktuelle Forschungstätigkeiten beziehen sich u. a. auf Fragen der Motivations- und der Intelligenzforschung, wobei die Aktualisierung (vgl. hierzu den sog. Flynn-Effekt) und Neuentwicklung entsprechender diagnostischer Verfahren im Mittelpunkt steht.

Er engagierte sich im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kultus beim Aufbau des Deutsch-Chinesischen Übersetzungs- und Informationszentrum an der Zhejiang-Universität in Hangzhou (China). Als Jurymitglied wirkte er bei der Vergabe des Deutschen Computerspielpreises 2009 mit. Ebenso war er 2010 Mitglied in der Jury „Bündnis für Kinder gegen Gewalt“, wobei verschiedene Projekte zur Gewaltprävention in Deutschland bewertet und prämiert wurden. 2010 wurde von ihm und seinem Team an der Universität Regensburg der Bayerische Kongress für Schulberatung[3] ausgerichtet.

In der akademischen Lehre hat sich Helmut Lukesch Verdienste um die Studiengänge für Lehramtsstudierende zur Beratungslehrkraft und für Medienpädagogik nach der LPO I[4] erworben. In Bayern kann man nur Beratungslehrer werden, wenn man ein zweijähriges Studium, das mit einer Staatsprüfung endet, erfolgreich absolviert. Der ebenfalls zweijährige medienpädagogische Studiengang ist in Bayern Voraussetzung, um Medienpädagogisch-informationstechnischer Berater (MIB)[5] zu werden.

Ehrungen

Ausgewählte Schriften

Monographien

  • Lukesch, H. (2006). Einführung in die Pädagogische Psychologie (= Psychologie in der Lehrerausbildung, Band 1). Regensburg: Roderer. ISBN 3890731880.
  • Lukesch, H., Bauer, C., Eisenhauer, R. & Schneider, I. (2004a). Das Weltbild des Fernsehens. Eine Untersuchung der Sendungsangebote öffentlich-rechtlicher und privater Sender in Deutschland. Band I: Ergebnisse der Inhaltsanalyse zum Weltbild des Fernsehens (Zusammenfassung). Expertise über die Gewaltwirkungen des Fernsehens und von Computerspielen (= Medienforschung Band 12/1). Regensburg: Roderer.
  • Lukesch, H., Bauer, C., Eisenhauer, R. & Schneider, I. (2004b). Das Weltbild des Fernsehens. Eine Untersuchung der Sendungsangebote öffentlich-rechtlicher und privater Sender in Deutschland. Band II: Theorie - Methode - Ergebnisse. Eine inhaltsanalytische Studie über die Sendungsangebote öffentlich-rechtlicher und privater Sender in Deutschland (= Medienforschung Band 12/2). Regensburg: Roderer.
  • Lukesch, H., Bauer, C., Eisenhauer, R. & Schneider, I. (2004c). Das Weltbild des Fernsehens. Eine Untersuchung der Sendungsangebote öffentlich-rechtlicher und privater Sender in Deutschland. Synopse der Weltbildstudie. Regensburg: Roderer.
  • Lukesch, H. (2001). Psychologie des Lernens und Lehrens (= Psychologie in der Lehrerausbildung, Band 2). Regensburg: Roderer. ISBN 3897832771.
  • Lukesch, H. (1998). Einführung in die pädagogisch-psychologische Diagnostik (= Psychologie in der Lehrerausbildung, Band 3). Regensburg: Roderer (1. Auflage 1994, Regensburg: CH-Verlag; 2., vollst. überarbeitete Auflage, Regensburg: Roderer). ISBN 3890732321.
  • Lukesch, H. (1997). Medien und ihre Wirkungen. Eine Einführung. Sammelwerk Medienzeit. Hrsg. Bayerisches Staatsministerium für Unterricht Kultus, Wissenschaft und Kunst. Donauwörth: Auer. ISBN 3403029972.
  • Lukesch, H. (1997). Mediennutzung durch Kinder und Jugendliche. Sammelwerk Medienzeit. Hrsg. Bayerisches Staatsministerium für Unterricht Kultus, Wissenschaft und Kunst. Donauwörth: Auer.
  • Lindner, V. & Lukesch, H. unter Mitarbeit von Betz, K., Bernhard-Eggert, C., Ennemoser, S., Hetzenecker, B., Signer, B., Viehbacher, C. & Wagner, A. (1994). Geschlechtsrollenstereotype im deutschen Schulbuch. Eine inhaltsanalytische Untersuchung von Schulbüchern für Grund-, Haupt- und Realschulen der Fächer Deutsch, Mathematik, Heimat- und Sachkunde sowie Religionslehre in Bayern, Nordrhein-Westfalen und der ehemaligen DDR, zugelassen im Zeitraum von 1970 bis 1992 (= Medienforschung, Band 6). Regensburg: Roderer.
  • Lukesch, H., Kischkel, K.-H., Amann, A., Birner, S., Hirte, M., Kern, R., Moosburger, R., Müller, L., Schubert, B. & Schuller, H. (1989). Jugendmedienstudie. Verbreitung, Nutzung und ausgewählte Wirkungen von Massenmedien bei Kindern und Jugendlichen (= Medienforschung, Band 1). Regensburg: S. Roderer (2. Auflage, 1990; 3. Auflage, 1994). ISBN 3890734383.

Testpublikationen

  • Kreuzpointner, L., Lukesch, H. & Horn, W. (2013). Leistungsprüfsystem 2. LPS-2. Göttingen: Hogrefe.
  • Lukesch, H. & Stahl, N. (2011). LASI - Lehrer-Angst- und Stressinventar. Göttingen: Hogrefe.
  • Lukesch, H. & Peters-Häderle, K. (2007). RLMI-E. Regensburger Leistungs-Motiv-Inventar für Erwachsene. Göttingen: Hogrefe.
  • Lukesch, H. (2006). FEPAA. Fragebogen zur Erfassung von Empathie, Prosozialität, Aggressionsbereitschaft und aggressivem Verhalten. Göttingen: Hogrefe.
  • Lukesch, H., Mayrhofer, S. & Kormann, A. (2004). PSB-R 6-13. Revidierte Fassung des Prüfsystems für Schul- und Bildungsberatung für 6. bis 13. Klassen von W. Horn. Göttingen: Hogrefe.
  • Lukesch, H., Kormann, A. & Mayrhofer, S. (2002). PSB-R 4-6. Revidierte Fassung des Prüfsystems für Schul- und Bildungsberatung für 4. bis 6. Klassen von W. Horn. Göttingen: Hogrefe.
  • Lukesch, H. & Mayrhofer, S. (2001). KLT-R. Revidierte Fassung des Konzentrations-Leistungs-Test von H. Düker & G. A. Lienert. Göttingen: Hogrefe.

Herausgeberwerke

  • Lukesch, H. (Hrsg.). (2016). Auffälligkeiten im Erleben und Verhalten von Kindern und Jugendlichen. Handlungsmöglichkeiten für Lehrkräfte. Göttingen: Hogrefe. ISBN 9783801727468.
  • Peez, H. & Lukesch, H. (Hrsg.). (2002). Erziehung, Bildung und Sozialisation in der Volksrepublik China. Regensburg: Roderer. ISBN 3897833107.
  • Lukesch, H. & Peez, H. (Hrsg.). (2001). Erziehung, Bildung und Sozialisation in Deutschland. Regensburg: Roderer. ISBN 3897832585.
  • Lukesch, H. (Hrsg.). (1990). „Wenn Gewalt zur Unterhaltung wird ...“. Beiträge zur Nutzung und Wirkung von Gewaltdarstellungen in audiovisuellen Medien (= Medienforschung, Band 3). Regensburg: Roderer (2. Auflage, 1994). ISBN 3890734944.
  • Lukesch, H., Nöldner, W. & Peez, H. (Hrsg.). (1989). Beratungsaufgaben in der Schule. Psychologisch-pädagogische Hilfen aus Theorie und Praxis für erzieherische und unterrichtliche Beratungsanlässe. München: Reinhardt. ISBN 3497011681.
  • Lukesch, H., Perrez, M. & Schneewind, K.A. (Hrsg.). (1980). Familiäre Sozialisation und Intervention. Bern: Huber. ISBN 3456808577.
  • Schneewind, K.A. & Lukesch, H. (Hrsg.). (1978). Familiäre Sozialisation. Probleme - Ergebnisse - Perspektiven. Stuttgart: Klett.
  • Lukesch, H. (Hrsg.). (1975). Auswirkungen elterlicher Erziehungsstile. Göttingen: Hogrefe. ISBN 3801701050.

Beiträge zu Büchern

  • Lukesch, H. (2016). Maria Montessori. In B. Wisniewski & A. Schöps (Hrsg.), Pädagogen auf Abwegen: Ideen, Ideale und Irrungen großer Schulreformer (S.135-154). Schneider Hohengehren; ISBN 978-3-8340-1658-4.
  • Lukesch, H. (2014). Wunsch und Wirklichkeit – Esoterische Methoden in der Pädagogik. In B. Wisniewski & A. Vogel (Hrsg.), Schule auf Abwegen: Mythen, Irrtümer und Aberglaube in der Pädagogik (S.111-124) (2., korr. Aufl.). Schneider Hohengehren; ISBN 3834012920.
  • Lukesch, H. (2012). Computerspiele und „Spielsucht“. In M. K. Schweer (Hrsg.), Medien in unserer Gesellschaft. Chancen und Risiken (S. 147-168). Frankfurt/Main: Lang. ISBN 363163658X.
  • Lukesch, H. (2012). Gewalt in den Medien und Möglichkeiten der Prävention von Gewalt. In A.-M. Kalcher & K. Lauermann (Hrsg.), Die Macht der Aggression (S. 66-86). Wien: G&G Verlag. ISBN 3707414671.
  • Lukesch, H. (2010). Korrelation oder Kausalität? Aussagemöglichkeiten der Medienwirkungsforschung. In U. Dittler & M. Hoyer (Hrsg.), Zwischen Kompetenzerwerb und Mediensucht (S. 177-203). München: kopaed. ISBN 3867360936.
  • Lukesch, H. (2009). Computer & Sport - eine pädagogische Herausforderung. In Europäisches Informations-Zentrum (Hrsg.), Europäisches Symposium „Spielewelten in der Zukunft“. Interaktionen von klassischen und virtuellen Spielen. Reihe Tagungsberichte, Bd. 66 (S. 91-106). Erfurt: Europe Direct. ISBN 978-3-939182-16-0.
  • Lukesch, H. (2008). Sozialisation durch Massenmedien. In K. Hurrelmann, M. Grundmann & S. Walper (Hrsg.), Handbuch Sozialisationsforschung (7. Aufl.) (S. 384-395). Weinheim: Beltz. ISBN 3407831609.
  • Lukesch, H. (2007). Lügen und Täuschen - Eine psychologische Perspektive. In J. Müller & H.-G. Nissing (Hrsg.), Die Lüge. Ein Alltagsphänomen aus wissenschaftlicher Sicht (S. 87-101). Darmstadt: WBG. ISBN 353420123X.
  • Lukesch, H. (2003). Erkennbarkeit der Lüge: Alltagstheorien und empirische Befunde. In M. Mayer (Hrsg.), Kulturen der Lüge (S. 121-149). Köln: Böhlau. ISBN 3412056030.
  • Lukesch, H. (2003). Violence and the Media. In W. Heitmeyer & J. Hagan (Hrsg.), International Handbook of Violence Research (S. 511-541). Dordrecht: Kluwer Academic Publishers. ISBN 1402039808.
  • Lukesch, H. (2002). Sozialmedizinische Aspekte der Frühgeburtlichkeit. In W. Künzel (Hrsg.), Geburt II (S. 97-113; = Klinik der Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Band 7; Hrsg. H.G. Bender, K. Diedrich & W. Künzel; 4. Auflage). München: Urban & Fischer. ISBN 3437223704.

Zeitschriftenartikel

  • Stiller, K. D., Kreuzpointner, L. & Lukesch, H. (2013). Description and evaluation of a didactical concept for online seminars. Journal of Contemporary Medical Education, 1 (1) , 40-49.
  • Crönlein, T., Stangassinger, D., Geisler, P., Popp, R., Zulley, J. & Lukesch, H. (2007). Fernsehkonsum und Schlafstörungen bei Kindern. Psychiatrische Praxis, 34 (Supplement 1) , 59-61.
  • Lukesch, H. (2005). Leistungstests als Instrumente einer Lernerfolgsdiagnostik - Adäquate Leistungstests bewerten Lernerfolg nach wissenschaftlichen Kriterien. Grundlagen der Weiterbildung, 1, 7-10.
  • Lukesch, H. (2000). Lernen ohne Anstrengung? Der Sirenengesang der geheimen Verführer. Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, 14 (2/3) , 59-62.
  • Lukesch, H. & Scheungrab, M. (1995). Beiträge der Massenmedien zur Delinquenzgenese Jugendlicher. Gruppendynamik - Zeitschrift für angewandte Sozialpsychologie, 26, 63-87.
  • Lukesch, H. (1992). TV learning: Incidental or a systematic process? TV watching and political awareness amongst children and young people in East and West Germany. Communications, 17, 205-214.
  • Lukesch, H. & Schauf, M. (1990). Können Filme stellvertretende Aggressionskatharsis bewirken? Psychologie in Erziehung und Unterricht, 37, 38-46.
  • Taschler-Pollacek, H. & Lukesch, H. (1990). Viktimisierungsangst als Folge des Fernsehkonsums? Eine Studie an älteren Frauen. Publizistik, 35, 443-453.

Einzelnachweise

  1. Praktikumsdatenbak für Studierende der Psychologie http://www-lukesch.uni-regensburg.de/pra.www.da
  2. Chronik des Instituts http://www-cgi.uni-regensburg.de/Fakultaeten/Psychologie/Lukesch/Chronik/index.php/Hauptseite
  3. Kongresshomepage http://www.schulberatungskongress.de/
  4. LPO I (= Lehramtsprüfungsverordnung I für Bayern) http://www.gesetze-bayern.de/jportal/portal/page/bsbayprod.psml?showdoccase=1&doc.id=jlr-LehrPrOBY2008rahmen
  5. Medienpädagogisch-informationstechnische Berater in Bayern http://www.mib-bayern.de/