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vom 07.12.2018, aktuelle Version,

Johann M. Kauffmann

Johann Marcellinus Kauffmann (* 25. Juli 1910 in Wien; † 21. Mai 1965 ebenda[1]) war ein österreichischer Orgelbauer.

Leben

Kauffmann entstammte einer seit 1877 in Wien-Fünfhaus tätigen Orgelbauerdynastie. Mit seiner Frau Wilhelma, geb. Kaukol, hatte er die Söhne Hans, Markus und Gottfried, die alle drei (zumindest kurzzeitig) ebenfalls als Orgelbauer im familieneigenen Betrieb arbeiteten, sowie den jung verstorbenen Sohn Norbert.[2] Gottfried machte schließlich unter dem Namen Götz Kauffmann als Volksschauspieler, Kabarettist und Buchautor Karriere. Hans führte den Betrieb nach dem Ableben seines Vaters weiter, mit seinem Tod endete nach 120 Jahren die Familientradition.

Johann M. Kauffmann und seine Familie wurde in Wien auf dem Baumgartner Friedhof (Gruppe K1, Nummer 75) bestattet.

Werke der Firma Johann M. Kauffmann

Jahr Ort Kirche Bild Manuale Register Bemerkungen
1883 Messern Pfarrkirche I/P 8 mechanische Kegellade[3]
1883/1928 Pfarrkirche Ernstbrunn
1884 Wien Muttergotteskirche
1890 Wien Salesianerinnenkirche II/P 12 mechanische Kegellade, freistehender Spieltisch[4]
1891 Neuhaus an der Triesting Pfarrkirche I/P 6 mechanische Kegellade, freistehender Spieltisch
1894 Wien Mariahilfer Kirche II/P 24 mechanische Kegellade, freistehender Spieltisch[5][6]
1894 Neuaigen Pfarrkirche Mariae Himmelfahrt [7]
1895 Maria Gugging Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Gugging aus der Pfarrkirche hl. Antonius von Padua in Wien XV übertragen[8]
1896[9] Wien Wallfahrtskirche zur Heiligen Theresia vom Kinde Jesu I/P 5 mechanische Kegellade
1896 Stadtkirche Drosendorf
1896 Aquileia Basilika von Aquileia ursprünglich in der Katharinenfesthalle in Weigls Dreherpark [Wien XII][10]
1898[11] Wien Elisabethinenkirche II/P 14 Gehäuse von 1757 (anonymer Orgelbauer) erhalten
1902 Herrnleis Pfarrkirche Herrnleis I/P 8
1903 Wien Pfarrkirche Maria Hietzing II/P 18 freistehender Spieltisch, pneumatische Traktur
1905 Deinzendorf Pfarrkirche Deinzendorf Klassizistisches Gehäuse aus dem späten 19. Jahrhundert
1905/06 Wien Bergkirche Rodaun II/P 12
Wien Nussdorfer Pfarrkirche II/P 11 mechanische Kegellade, freistehender Spieltisch
Götzendorf an der Leitha Pfarrkirche I/P
1909 Enzersfeld im Weinviertel Pfarrkirche „Maria Geburt“
II/P 12 mechanische Kegellade, freistehender Spieltisch
1911 Eichenbrunn Pfarrkirche Eichenbrunn
Wien Canisiuskirche
1924 Wien Pfarrkirche Mauer II/P 14
1926 Wien Pfarrkirche St. Thekla II/P 13
1927 Wien Lazaristenkirche (Neubau) IV/P 52 1862 von Matthäus Mauracher als Salzburg als zweimanualige Orgel mit 25 Registern erbaut, 1899 von Josef Mauracher aus St. Florian auf 42 Register und 3 Manuale erweitert, 1927 durch Kauffmann auf 52 Register und 4 Manuale erweitert (4. Manual als Fernwerk ausgeführt).[12] Größte spätromantische Kirchenorgel Wiens.[13] Elektropneumatische Traktur, Kegellade, freistehender Spieltisch.
1927 Laab im Walde Pfarrkirche hl. Koloman
1931 Wien St. Othmar unter den Weißgerbern III/P 35 Neubau in das Gehäuse von 1873 unter Verwendung von originalem Pfeifenmaterial von Carl Hesse[14]
1932 Wien Ober St. Veiter Pfarrkirche
Wien Christkönigskirche Neufünfhaus II/P freistehender Spieltisch, pneumatische Traktur
1933[15] Wien Pfarrkirche Meidling
III/P 40 freistehender Spieltisch, pneumatische Traktur
1933 Großweikersdorf Pfarrkirche Großweikersdorf III/P 27 Eingebaut in das historische Gehäuse von Benedikt Latzl, 1855, mit stummem Prospekt. Pneumatische Spieltraktur, Fernwerk elektropneumatisch
1939 Reingers Pfarrkirche zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit II/P 10
1941 Kreuzstetten Pfarrkirche Niederkreuzstetten
1948[16] Wien Peterskirche III/P 34 Umbau der Franz-Josef-Swoboda-Orgel aus dem Jahr 1903.[17] Gehäuse von Gottfried Sonnholz (1751)[18]
1951[19] Wiener Neustadt St. Georgs-Kathedrale II/P 23
1956–1958 Wiener Neustadt Auferstehungskirche
1956 Wien St. Josef am Wolfersberg
1956–1960 Wien Wiener Stephansdom IV/P 126 Zurzeit die größte Orgel in Österreich (elektrische Kegelladen). Der Entwurf ihres Freipfeifenprospektes stammt vom damaligen Dombaumeister Kurt Stögerer. Der spätere Domorganist Peter Planyavsky betrieb aus liturgischen und künstlerischen Gründen die Stilllegung der Kauffmann-Orgel − diese hatte schon zum Zeitpunkt ihrer Errichtung sowie danach heftige Kritik aus Fachkreisen ausgelöst[20][21] − und initiierte den Bau der neuen Domorgel im rechten Seitenschiff.
1963 od. 1964[22] Wien Neulerchenfelder Pfarrkirche III/P 31 (+ 9 Auszüge)

Einige der mehr als 100 Kauffmann-Orgeln befinden sich zudem in China, Ägypten, Italien (Aquileia), Togo (Lomé) und Kroatien (Split).

Zur Rettung der Riesenorgel im Dom zu St. Stephan hat sich am 2. Oktober 2010 ein Komitee gebildet, das vorwiegend aus den Kindern und Enkeln des Orgelbauers besteht. An diesem Tag jährte sich die Weihe der Orgel zum 50. Mal.

Literatur

  • Hans Haselböck: Sechs Jahrhunderte Orgelbau im Wiener Stephansdom. In: Hans Haselböck: Von der Orgel und der Musica Sacra. Historisch-kritische Beiträge zu Fragen von Orgelbau, Orgelkomposition und neuer Kirchenmusik. Wien: Doblinger, 1988; ISBN 3-900695-03-2; S. 84–93
  • Günter Lade: Dom- und Metropolitankirche St. Stephan. In: Günter Lade: Orgeln in Wien; Wien: Edition Lade, 1990: ISBN 3-9500017-0-0; S. 212–221.

Einzelnachweise

  1. Taufbuch Wien-Fünfhaus, Tom. XXXV., Fol. 69
  2. Bestattung und Friedhöfe Wien: Friedhofsdatenbank, als Norbert Kaufmann (sic!) geführt.
  3. Österreichische Orgeldatenbank Karl Schütz. Archiviert vom Original am 8. August 2003; abgerufen am 6. Dezember 2017.
  4. Günter Lade: Orgeln in Wien. Wien 1990, ISBN 3-9500017-0-0, S. 186.
  5. Österreichische Orgeldatenbank Karl Schütz. Abgerufen am 20. Juni 2011.
  6. Günter Lade: Orgeln in Wien. Wien 1990, ISBN 3-9500017-0-0, S. 64.
  7. DEHIO Niederösterreich nördlich der Donau. Verlag Berger, Horn/Wien 2010, 2. unveränderte Auflage, ISBN 978-3-85028-395-3, S. 769.
  8. Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich, südlich der Donau, Teil 2. Verlag Berger, Horn/Wien 2003, Seite 1318, ISBN 3-85028-365-8
  9. Martin Wadsack: Die Orgeln des 16. Wiener Gemeindebezirks. Wien 2013, S. 7.
  10. Oesterreichisches Musiklexikon: Kauffmann, Familie
  11. Österreichische Orgeldatenbank Karl Schütz. Abgerufen am 17. Dezember 2011.
  12. Johann Simon Kreuzpointner: Geschichte der Orgel in der Lazaristenkirche. In: Festschrift zur Orgelweihe in der Lazaristenkirche „Unbefleckte Empfängnis“ am 28. Jänner 2001. Wien 2001, S. 7–12.
  13. Gabriele Zimmermann: Geschichte der Orgel in der Lazaristenkirche. In: Festschrift zur Orgelweihe in der Lazaristenkirche „Unbefleckte Empfängnis“ am 28. Jänner 2001. Wien 2001, S. 3.
  14. Günter Lade: Orgeln in Wien. Wien 1990, ISBN 3-9500017-0-0, S. 170.
  15. Orgelbauförderverein Wien Meidling. Abgerufen am 26. Mai 2018 (deutsch).
  16. http://www.odb.at/Wien.html
  17. Die freie Orgeldatenbank: Wien, Peterskirche; abgerufen am 3. Mai 2015
  18. Österreichische Orgeldatenbank Karl Schütz. Abgerufen am 26. April 2011.
  19. Österreichische Orgeldatenbank Karl Schütz. Abgerufen am 17. Juni 2012.
  20. Anton Heiller: Probleme um die neue Orgel des Stephansdomes. In: Österreichische Musikzeitschrift, 15. Jg./Heft 10, Oktober 1960, S. 457f.
  21. Egon Krauss: Die ungenütze Chance. In: Wochen-Presse, Nr. 40, 1. Oktober 1969, S. 25
  22. Martin Wadsack: Die Orgeln des 16. Wiener Gemeindebezirks. Wien 2013, S. 58.