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vom 29.05.2018, aktuelle Version,

Landeskrankenhaus (Österreich)

Als Landeskrankenhaus oder Landesklinikum bezeichnet man in Österreich öffentlich-rechtliche Krankenhäuser, deren Träger die Bundesländer sind. Die üblicherweise verwendete Abkürzung ist „LKH“.

Geschichte

Die Entwicklung des Systems der Landeskrankenhäuser verlief in Österreich nicht einheitlich. Zu unterschiedlichen Zeiten wurden bestehende Gemeinde- oder Bezirkskrankenhäuser unter die Führung des Landes gestellt.

Das erste Krankenhaus, das unter der Bezeichnung „Landeskrankenhaus“ neu errichtet wurde, ist das LKH Graz. Dessen Bau wurde 1888 vom Steirischen Landtag beschlossen, 1904 begonnen und 1912 abgeschlossen.[1]

In den 1980er-Jahren begannen die Länder ihre Spitäler in eigene Gesellschaften auszugliedern, die zu 100 Prozent in deren Eigentum blieben. Erst 2004 stellte das Land Niederösterreich auf Landeskliniken um. Erst ab diesem Zeitpunkt bis 2008 wurden die bestehenden Gemeindekrankenhäuser in die Holding des Landes übernommen. Ein Grund für diese Entwicklung ist das Sparpotenzial, das in der gemeinsamen zentralen Verwaltung von Krankenhäusern liegt. Verbunden damit waren auch Spezialisierungen mit der Schließungen einzelner Abteilungen, wenn eine entsprechende in einem benachbarten Spital vorhanden war.

Heute sind somit fast alle Schwerpunktkrankenhäuser in Landesbesitz, nur in Tirol gibt es noch große Bezirkskrankenhäuser, die den Gemeinden des Bezirkes gehören. Dazu kommen Ordensspitäler (z. B. in Eisenstadt, Schwarzach, St.Veit/Glan), die die Grundversorgung gewährleisten, sowie die sieben Unfallkrankenhäuser in Trägerschaft der AUVA. Das AKH Linz und das Krankenhaus Dornbirn sind die letzten großen städtischen Spitäler außerhalb Wiens, dazu kommen noch die Gemeinde-Krankenhäuser von Hallein und Oberndorf in Salzburg.

Die letzten Krankenhäuser, die von einem Land übernommen wurden, sind die von Mittersill und Tamsweg, die 2008 zum Land Salzburg kamen.[2] Aus organisatorischen Gründen wurden diese jedoch nicht in die Salzburger Landeskliniken (SALK) eingegliedert und werden nun direkt vom Land geführt. 2008 kam auch das Krankenhaus Wiener Neustadt und Neunkirchen von der Gemeinde zum Landesholding. 2011 wurde aus dem Bezirkskrankenhaus und dem Psychiatrischen Krankenhaus Hall in Tirol ein gemeinsames LKH gebildet.

2011 bis 2013 ermöglichten die steirischen Bezirkszusammenlegungen auch eine organisatorische Zusammenlegung von Landeskrankenhäusern, wie Feldbach-Fürstenfeld, Judenburg-Knittelfeld, Rottenmann-Bad Aussee und Mürzzuschlag-Mariazell.[3][4] Aus Spitalverbünden wurde schließlich jeweils ein LKH.

Träger

In Österreich betreibt jedes Bundesland seine Krankenhäuser über eine Landesgesellschaft oder -holding. Die ältesten Gesellschaften haben Vorarlberg und die Steiermark, die jüngste Niederösterreich, das erst 2004 die Landeskrankenhäuser unter einer solchen Verwaltungsgesellschaft stellte.

Land Name Abkürzung Gründung Sitz
Wien Stadt Wien – Wiener Krankenanstaltenverbund KAV 2002 Wien
Niederösterreich Niederösterreichische Landeskliniken-Holding LKNOE 2004 St. Pölten
Oberösterreich Oberösterreichische Gesundheits- und Spitals-AG GeSpAG 2002 Linz
Salzburg Gemeinnützige Salzburger Landeskliniken Betriebsgesellschaft mbH SALK 1998/2004 Salzburg
Tirol Tiroler Landeskrankenanstalten GmbH TILAK 1990 Innsbruck
Vorarlberg Vorarlberger Krankenhaus-Betriebsgesellschaft m.b.H. KHBG 1979 Feldkirch
Kärnten Kärntner Landeskrankenanstalten-Betriebsgesellschaft, Anstalt öffentlichen Rechts KABEG 1993 Klagenfurt
Steiermark Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft m.b.H. KAGes 1985 Graz
Burgenland Burgenländische Krankenanstalten-GesmbH KRAGES 1992 Eisenstadt

Verantwortlich für diese Gesellschaften sind die jeweiligen Gesundheits-Landesräte in den Landesregierungen.

Jene Landeskrankenhäuser, die zugleich auch Universitätskliniken sind, werden auch durch das Wissenschaftsministerium finanziert, Ärzte erhalten Teilgehälter von der Gesellschaft und von der Universität.

Allgemein

Je nach Situation und Größe gibt es etwa je politischem Bezirk ein Landeskrankenhaus für die Standardversorgung der Bevölkerung. Nicht immer liegt dieses Krankenhaus in der Bezirkshauptstadt, wie z. B. das LKH Rottenmann im Bezirk Liezen. Zusätzliche Fachabteilungen wie Gebärstationen, Chirurgie sind nach Einzugsgebiet verteilt. Immer wieder gibt es Proteste, wenn einzelne Abteilungen geschlossen werden.

Speziell

Daneben sind auch Fachkliniken, wie Landesnervenkliniken, Orthopädische Krankenhäuser, Landespflegezentren (LPZ) und Landespflegeheime (LPH) im Besitz der Länder. Einige dieser Häuser entstanden auch durch Neuausrichtung ehemaliger Lungenheilstätten (in der Steiermark z. B.: Hörgas, Enzenbach und Stolzalpe), die nach der Tuberkulosezeit nicht mehr benötigt wurden. Diese Anstalten wurden auch als Landessonderkrankenhäuser (LSKH) bezeichnet. Da der Begriff aber oft mit Landesnervenklinik gleichgesetzt wurde, hatte er einen schlechten Ruf und wird heut nicht mehr verwendet.

Schwangerschaftsabbruch

Nachdem es jahrelang keinen politischen Willen gab, dass die landeseigenen Krankenhäuser auch Abtreibungen durchführen, dauerte es bis April 2005, als die Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller am LKH Salzburg eine Abtreibungsambulanz einrichten ließ.[5] In der Folge ermöglichten auch die Steiermark und Niederösterreich diesen Eingriff an ihren Krankenhäusern. In den restlichen Bundesländern ist dies nur an privaten Einrichtungen möglich.[6]

Liste der Landeskrankenhäuser

Logo des KAV

Wien

Nachdem Wien gleichzeitig Bundesland und Stadtgemeinde ist, sind die städtischen Krankenhäuser gleichzeitig Landeskrankenhäuser, führen diese Bezeichnung aber nicht.

Hauptartikel: Wiener Krankenanstaltenverbund

Niederösterreich

Die Landeskliniken-Holding wurde 2004 gegründet, viele Kliniken wurden erst ab diesem Zeitpunkt von Gemeinden und Gemeindeverbänden an das Land übergeben. Daher hat in Niederösterreich der Begriff LKH keine so lange Geschichte, und es wurde das modernere "Landesklinikum" gewählt. Den Namen LKH gab es davor nur in Mödling (1956–2002)[7] und Mauer (1966–1999) [8].

Oberösterreich

Logo gespag
Hauptartikel: gespag

Trägerschaft der Oö. Gesundheits- und Spitals-AG (gespag):

  • LKH Bad Ischl (heute Teil des Salzkammergut-Klinikums)
  • LKH Freistadt
  • LKH Gmunden (heute Teil des Salzkammergut-Klinikums)
  • LKH Kirchdorf
  • LKH Rohrbach
  • LKH Schärding
  • LKH Steyr
  • LKH Vöcklabruck (heute Teil des Salzkammergut-Klinikums)

ausgelagert:

Das AKh Linz (heute Teil des Kepler Universitätsklinikums) wurde von einer Gesellschaft der Stadt Linz betrieben, das UKH Linz betreibt die AUVA. Die anderen Spitäler in Linz und die in Braunau, Ried im Innkreis und der Verband Grieskirchen-Wels sind Ordensspitäler.

Salzburg

In Salzburg wurden 2008 die zwei Krankenhäuser der Gemeinden Mittersill und Tamsweg vom Land direkt übernommen, jedoch nicht in die SALK eingegliedert.[9]

Das A.ö. Krankenhaus Zell am See wird von einer privaten Gesellschaft betrieben, die Krankenhäuser Hallein und Oberndorf jeweils von der Gemeinde, das Kardinal Schwarzenberg'sche Krankenhaus in Schwarzach im Pongau von den Barmherzigen Schwestern.

Tirol

Logo TILAK
  • LKH Innsbruck - Universitätskliniken
  • LKH Hall
  • LKH Hochzirl
  • öffentliches LKH Natters
  • Bezirkskrankenhaus Schwaz (50-%-Anteil)[10]
  • Landes-Pflegeklinik Tirol in Hall

Die Bezirkskrankenhäuser in St. Johann, Lienz, Kufstein und Reutte werden von Gemeindeverbänden betrieben.

Hauptartikel: Tiroler Landeskrankenanstalten

Vorarlberg

LKH Feldkirch - Ansicht des Neubautrakts

Das Krankenhaus Dornbirn wird von der Stadt Dornbirn betrieben.

Kärnten

Logo der KABEG

Das A.ö. Krankenhaus in Spittal/Drau wird von einer privaten GmbH betrieben[11], das Krankenhaus in St.Veit/Glan von den Barmherzigen Brüdern.

Steiermark

Logo der KAGes

In der Steiermark sind fast alle Schwerpunktkrankenhäuser in Landesbesitz.

  • LKH Bad Radkersburg
  • LKH Deutschlandsberg
  • LKH Feldbach-Fürstenfeld
  • LKH-Universitätsklinikum Graz
  • LKH Graz Süd-West (Standorte Süd und West)
  • LKH Hartberg
  • LKH Hochsteiermark (Bruck und Leoben)
  • LKH Hörgas-Enzenbach
  • LKH Judenburg-Knittelfeld
  • LKH Mürzzuschlag-Mariazell
  • LKH Rottenmann-Bad Aussee
  • LKH Stolzalpe
  • LKH Voitsberg
  • LKH Wagna
  • LKH Weiz

A.ö. Ordensspitäler gibt es zusätzlich in Graz und in Vorau, in Schladming ein Diakonissenkrankenhaus. Die letzten zwei sind auch Akutkrankenhäuser für die jeweilige Region.[12]

Burgenland

Logo der KRAGES

Die meisten burgenländischen Spitäler gehören zwar dem Land, haben jedoch nie die Bezeichnung LKH getragen.

  • A.ö. KH Güssing
  • A.ö. Ladislaus Batthyány-Strattmann-KH Kittsee
  • A.ö. KH Oberpullendorf
  • A.ö. KH Oberwart

Das Krankenhaus der Landeshauptstadt ist kein Landesspital, sondern ein Krankenhaus der Barmherzigen Brüder.

Einzelnachweise

  1. 100 Jahre LKH-Univ. Klinikum Graz
  2. Geschichte des Krankenhauses Tamsweg
  3. LKH Mariazell wird regionales Gesundheitszentrum, ORF am 18. Dezember 2013.
  4. Fusion der Krankenhäuser Feldbach und Fürstenfeld, Kleine Zeitung am 27. Dezember 2011.
  5. Abtreibungen ab April in Spezialambulanz im Salzburger LKH. News.at am 5. Jänner 2005.
  6. Wo werden Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt? abtreibung.at (Link nicht mehr verfügbar, 2017).
  7. Chronik Mödling, Landesklinikum Baden-Mödling
  8. Chronik Mauer Landesklinikum Mauer
  9. Übernahme der Spitäler der Gemeinden, Salzburger Landesrechnungshof
  10. BKH Schwaz Betriebsgesellschaft m.b.H., Homepage des Bezirkskrankenhauses Schwaz
  11. Der Weg vom "Spittl" zum A. ö. Krankenhaus Spittal/Drau, A.ö. Krankenhaus in Spittal/Drau
  12. Unser Krankenhaus, Marienkrankenhaus Vorau