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vom 05.08.2017, aktuelle Version,

Leopold Šťastný

Leopold Šťastný (* 23. Mai 1911; † 14. Mai 1996) war ein slowakischer Fußballspieler und späterer Fußballtrainer. Er trainierte als erster Nicht-Österreicher von 1968 bis 1975 die österreichische Nationalmannschaft.

Karriere

Leopold Šťastný spielte als Verteidiger beim 1. ČsŠK Bratislava, mit dem er 1935 in die höchste tschechoslowakische Liga, die Státní liga, aufstieg. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs nahm er mit dem Klub an der Meisterschaft teil und erreichte dabei mit dem vierten Platz 1935 das beste Ergebnis. Im selben Jahr wurde Leopold Šťastný in die tschechoslowakische Nationalmannschaft einberufen: Das Debüt gegen Österreich im Rahmen des Europapokals der Fußball-Nationalmannschaften verlief mit 2:1 erfolgreich.

Während des Zweiten Weltkrieges, der eine vorübergehende Selbständigkeit der Slowakei mit sich brachte, spielte Leopold Šťastný mit seinem Klub, mittlerweile ŠK Bratislava, in einer slowakischen Liga, die man 1940, 1941, 1942 und 1944 gewinnen konnte. Zusätzlich gab es eine eigene slowakische Nationalmannschaft, für die Leopold Šťastný 1940 gegen Bulgarien auflief.

Anschließend begann der ehemalige Verteidiger seine Trainerkarriere. Leopold Šťastný betreute dabei in insgesamt drei Perioden - von 1949 bis 1951, 1954 bis 1957 und von 1963 bis 1965 - seinen Stammverein, der nunmehr seinen heutigen Namen Slovan Bratislava trug, als Cheftrainer. Vier tschechoslowakische Meistertitel standen zu dieser Zeit zu Buche, ehe er 1966 nach Österreich wechselte, wo er den damals noch kleinen Provinzklub FC Wacker Innsbruck zur nationalen Spitze führte. In Würdigung dieser Verdienste wurde er vom Österreichischen Fußball-Bund per 1. Juli 1968 zum Nationaltrainer als Pesser-Nachfolger berufen.

Leopold Šťastný wurde mit insgesamt 49 Länderspielen auf der Trainerbank der österreichischen Nationalmannschaft nach Hugo Meisl (128) und Herbert Prohaska (51) längstdienender ÖFB-Teamchef. Trotz der verpassten Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1970 hielten seine Spieler an ihm fest und scheiterten nur mit viel Pech an der WM-Qualifikation 1974. Die Qualifikationsrunde beschloss das österreichische Team punktgleich und mit derselben Tordifferenz wie Schweden an erster Stelle, sodass ein Entscheidungsspiel zwischen diesen beiden Mannschaften in Gelsenkirchen ausgetragen wurde, das auf schneebedecktem Boden knapp mit 2:1 an die Skandinavier ging. Im WM-Jahr 1974 blieb Österreich überdies ungeschlagen.

Aus gesundheitlichen Gründen trat Leopold Šťastný am 24. September 1975 vom Amt des Nationaltrainers zurück, da er als Angestellter des Fußballbundes von der öffentlichen Rentenversicherungsanstalt einen positiven Bescheid für eine vorzeitige Pension wegen Invalidität erhalten hatte. Daraufhin wurde der bei Wacker Innsbruck tätige slowenische Trainer Branko Elsner interimsmäßig mit der Betreuung der Nationalmannschaft betraut. Nach seinem Rückzug als Teamchef arbeitete Stastny noch vier weitere Jahre für den ÖFB und initiierte die österreichische Schülerliga, die 1975/76 erstmals ausgetragen wurde. Ende Oktober 1979 wanderte er nach Kanada aus (Er kehrte aber noch einige wenige Male nach Österreich zurück).[1]

Seine Grabstätte befindet sich auf dem Friedhof Slávičie údolie in Bratislava, Slowakei.

Im Jahr 2009 wurde in Wien Donaustadt (22. Bezirk) der Stastnyweg nach ihm benannt.

ÖFB-Länderspiele unter Teamchef Leopold Šťastný Slowakei

Legende
  • H = Heimspiel
  • A = Auswärtsspiel
  • * = Spiel auf neutralem Platz
  • − = kein offizielles Länderspiel
  • n.V. = nach Verlängerung
  • WM = Weltmeisterschaft
  • EM = Europameisterschaft
  • grüne Hintergrundfarbe = Sieg Österreichs
  • gelbe Hintergrundfarbe = Unentschieden
  • rote Hintergrundfarbe = Niederlage
Spiele Siege Remis Niederlagen Tore TD
48 15 16 17 57:59 -2
Nr. Datum Ergebnis Gegner Austragungsort Anlass Bemerkung
353 22.09.1968 0:1 Schweiz  Schweiz A Bern (SUI)
354 13.10.1968 0:2 Deutschland Bundesrepublik  Deutschland H Wien WM 1970-Qualifikation
355 06.11.1968 1:2 Schottland  Schottland A Glasgow (SCO) WM 1970-Qualifikation
356 10.11.1968 2:2 Irland  Irland A Dublin (IRL)
357 19.04.1969 2:1 Zypern Republik  Zypern A Nikosia (CYP) WM 1970-Qualifikation
358 23.04.1969 1:1 Israel  Israel A Tel Aviv (ISR) Erstes offizielles Länderspiel gegen Israel
359 27.04.1969 3:1 Malta  Malta A Gżira (MLT) Erstes offizielles Länderspiel gegen Malta
360 10.05.1969 0:1 Deutschland Bundesrepublik  Deutschland A Nürnberg (GER) WM 1970-Qualifikation
361 21.09.1969 1:1 Deutschland Bundesrepublik  Deutschland H Wien
362 05.11.1969 2:0 Schottland  Schottland H Wien WM 1970-Qualifikation Österreich qualifiziert sich als Gruppendritter abermals nicht
363 08.04.1970 1:1 Jugoslawien Sozialistische Föderative Republik  Jugoslawien A Sarajewo (YUG)
364 12.04.1970 1:3 Tschechoslowakei  Tschechoslowakei H Wien
365 29.04.1970 0:1 Brasilien 1968  Brasilien A Rio de Janeiro (BRA) Erstes Länderspiel in Südamerika
366 10.09.1970 0:1 Jugoslawien Sozialistische Föderative Republik  Jugoslawien H Graz Erstes Länderspiel in Graz
367 27.09.1970 1:1 Ungarn 1957  Ungarn A Budapest (HUN)
368 07.10.1970 1:0 Frankreich  Frankreich H Wien
369 31.10.1970 1:2 Italien  Italien H Wien EM 1972-Qualifikation
370 04.04.1971 0:2 Ungarn 1957  Ungarn H Wien
371 26.05.1971 0:1 Schweden  Schweden A Stockholm (SWE) EM 1972-Qualifikation
372 30.05.1971 4:1 Irland  Irland A Dublin (IRL) EM 1972-Qualifikation
373 11.07.1971 1:1 Brasilien 1968  Brasilien A São Paulo (BRA) Mit 130.000 Fans im Estádio do Morumbi Rekordzuschauerzahl bei einem Auswärtsspiel
374 04.09.1971 1:0 Schweden  Schweden H Wien EM 1972-Qualifikation 100. Länderspiel im Praterstadion
375 10.10.1971 6:0 Irland  Irland H Linz EM 1972-Qualifikation
376 20.11.1971 2:2 Italien  Italien A Rom (ITA) EM 1972-Qualifikation Österreich wird Gruppenzweiter und scheitert somit in der Qualifikation
20.02.1972 3:3 Tunesien  Tunesien A Tunis (TUN) Erstes Länderspiel gegen Tunesien, kein offizielles Länderspiel
377 08.04.1972 0:2 Tschechoslowakei  Tschechoslowakei A Brünn (TCH)
378 30.04.1972 4:0 Malta  Malta H Wien WM 1974-Qualifikation
379 10.06.1972 2:0 Schweden  Schweden H Wien WM 1974-Qualifikation
380 03.09.1972 1:1 Rumänien 1965  Rumänien A Craiova (ROU)
381 15.10.1972 2:2 Ungarn 1957  Ungarn H Wien WM 1974-Qualifikation
382 25.11.1972 2:0 Malta  Malta A Gżira (MLT) WM 1974-Qualifikation
383 28.03.1973 1:0 Niederlande  Niederlande H Wien
384 29.04.1973 2:2 Ungarn 1957  Ungarn A Budapest (HUN) WM 1974-Qualifikation
385 23.05.1973 2:3 Schweden  Schweden A Göteborg (SWE) WM 1974-Qualifikation Österreich landet ex-aequo mit Schweden auf dem 1. Platz
386 13.06.1973 1:1 Brasilien 1968  Brasilien H Wien
387 26.09.1973 0:7 England  England A London (ENG)
388 10.10.1973 0:4 Deutschland Bundesrepublik  Deutschland A Hannover (GER)
389 27.11.1973 1:2 Schweden  Schweden * Gelsenkirchen (GER) WM 1974-Qualifikation Entscheidungsspiel um WM-Teilnahme
390 27.03.1974 1:1 Niederlande  Niederlande A Rotterdam (NED)
391 01.05.1974 0:0 Brasilien 1968  Brasilien A São Paulo (BRA)
392 08.06.1974 0:0 Italien  Italien H Wien
393 04.09.1974 2:1 Wales  Wales H Wien EM 1976-Qualifikation
394 28.09.1974 1:0 Ungarn 1957  Ungarn H Wien
395 13.11.1974 1:0 Turkei  Türkei A Istanbul (TUR)
396 16.03.1975 2:1 Luxemburg  Luxemburg A Luxemburg (LUX) EM 1976-Qualifikation
397 02.04.1975 0:0 Ungarn 1957  Ungarn H Wien EM 1976-Qualifikation
398 07.06.1975 0:0 Tschechoslowakei  Tschechoslowakei H Wien
399 03.09.1975 0:2 Deutschland Bundesrepublik  Deutschland H Wien
400 24.09.1975 1:2 Ungarn 1957  Ungarn A Budapest (HUN) EM 1976-Qualifikation

Einzelnachweise

  1. Kasten rechts unten: «Stastny nach Kanada». In: Arbeiter-Zeitung. Wien 1. November 1979, S. 13.