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vom 12.06.2020, aktuelle Version,

Lisa Vittozzi

Lisa Vittozzi
Verband Italien  Italien
Geburtstag 4. Februar 1995 (25 Jahre)
Geburtsort Pieve di Cadore, Italien
Größe 176[1] cm
Gewicht 60 kg
Karriere
Beruf Polizistin
Verein C.S. Carabinieri
Trainer Andreas Zingerle
Andrea Zattoni
Debüt im Europacup/IBU-Cup 2014
Debüt im Weltcup 2014
Weltcupsiege 6 (2 Einzelsiege)
Status aktiv
Medaillenspiegel
Olympische Medaillen 0 × 0 × 1 ×
WM-Medaillen 0 × 2 × 2 ×
JWM-Medaillen 2 × 2 × 0 ×
JEM-Medaillen 0 × 0 × 1 ×
SJWM-Medaillen 0 × 0 × 1 ×
 Olympische Winterspiele
Bronze 2018 Pyeongchang Mixed-Staffel
 Biathlon-Weltmeisterschaften
Bronze 2015 Kontiolahti Staffel
Bronze 2019 Östersund Mixed-Staffel
Silber 2019 Östersund Einzel
Silber 2020 Antholz Mixed-Staffel
 Biathlon-Juniorenweltmeisterschaften
Silber 2013 Obertilliach Jugendsprint
Gold 2014 Presque Isle Jugendsprint
Gold 2014 Presque Isle Jugendverfolgung
Silber 2014 Presque Isle Jugendeinzel
 Biathlon-Junioreneuropameisterschaften
Bronze 2014 Nové Město na Moravě Einzel
 Junioren-Sommerbiathlon-WM
Bronze 2013 Forni Avoltri Mixed-Staffel
Weltcupbilanz
Gesamtweltcup 02. (2018/19)
Einzelweltcup 01. (2018/19)
Sprintweltcup 04. (2018/19)
Verfolgungsweltcup 04. (2018/19)
Massenstartweltcup 10. (2019/20)
 Podiumsplatzierungen 1. 2. 3.
Einzel 0 1 1
Sprint 1 1 1
Verfolgung 1 0 4
Massenstart 0 2 0
Staffel 4 3 7
letzte Änderung: 11. Juni 2020

Lisa Vittozzi (* 4. Februar 1995 in Pieve di Cadore, Venetien) ist eine italienische Biathletin. Die zweifache Jugendweltmeisterin von 2014 debütierte im gleichen Jahr im Biathlon-Weltcup. Dort gewann sie im Winter 2018/19 ihre ersten beiden Wettkämpfe und belegte hinter ihrer Teamkollegin Dorothea Wierer den zweiten Rang in der Gesamtwertung. Zudem holte Vittozzi mehrere Medaillen bei Weltmeisterschaften und 2018 olympisches Bronze mit der Mixed-Staffel.

Sportliche Laufbahn

Erfolge im Nachwuchsbereich und Weltcupdebüt (bis 2015)

Vittozzi stammt aus dem oberitalienischen Sappada nahe der Grenze zu Österreich in den Karnischen Alpen. Sie begann in ihrer Jugend zunächst mit dem Skilanglauf und wechselte kurz danach zum Biathlon.[2] Ihr Heimatverein ist die ASD Camosci. Mit 18 Jahren schloss sie sich der Sportgruppe des staatlichen Forstkorps an, nach dessen Auflösung sie den Carabinieri beitrat.[3]

Mit guten Platzierungen im niederklassigen Austria Cup qualifizierte sich Vittozzi für die Olympischen Jugendwinterspiele 2012 in Innsbruck[4], wo ihre besten Ergebnisse zwei fünfte Ränge in der Verfolgung und im Mixed-Staffelrennen waren. Von 2012 bis 2015 nahm sie jeweils an den Jugend- und Juniorenweltmeisterschaften teil, bei denen sie ihre erste Medaille 2013 als Sprintzweite hinter Uljana Kaischewa gewann. Im folgenden Jahr wurde Vittozzi in Presque Isle Jugendweltmeisterin in Sprint und Verfolgung (jeweils vor Anna Weidel) und holte im 10-Kilometer-Einzelrennen die Bronzemedaille hinter Julia Schwaiger. Sechs Jahre nach Dorothea Wierers erstem Titel im Nachwuchsbereich war Vittozzi damit die zweite Italienerin, die Weltmeisterin ihrer Altersklasse wurde.[5] Weitere Medaillen als Juniorin gewann sie – jeweils als Dritte – bei den Sommerbiathlon-Weltmeisterschaften 2013 in Forni Avoltri mit der italienischen Mixed-Staffel sowie bei den Europameisterschaften 2014 im Einzelrennen.

Nach wenigen Einsätzen im IBU-Cup debütierte Vittozzi zum Beginn der Saison 2014/15 im Biathlon-Weltcup, der höchsten Wettkampfserie im Erwachsenenbereich. Bei ihren ersten Rennen in Östersund erreichte sie mit dem 37. Rang im Sprint und dem 26. Rang in der anschließenden Verfolgung gleich die Punkteränge der ersten 40. Ihr bestes Einzelergebnis des Winters war Platz 18 im Sprint von Nové Město. Zudem erhielt Vittozzi regelmäßige Einsätze in der italienischen Frauenstaffel: An der Seite von Karin Oberhofer, Nicole Gontier und Dorothea Wierer stand sie bei den Weltmeisterschaften 2015 erstmals auf dem Podest. Die zu diesem Zeitpunkt 20-jährige Vittozzi – die als Startläuferin ohne Fehlschuss geblieben war und in etwa gleichauf mit der Spitze gewechselt hatte – zählte neben der Französin Justine Braisaz zu den jüngsten Medaillengewinnern der WM in Kontiolahti.

Aufstieg in die Weltspitze (2015 bis 2019)

Vittozzi beim Weltcup in Oberhof 2018

Von ihrem ersten Jahr im Weltcup bis zum Winter 2018/19 verbesserte Vittozzi kontinuierlich ihre Ergebnisse in der Gesamtwertung der Serie: Ihre Einstiegssaison schloss sie in diesem Klassement auf Rang 64 ab, in den nächsten Jahren war sie 39. und 27. 2017/18 stand sie als Sechste erstmals unter den besten Zehn und im März 2019 beendete sie den Winter hinter ihrer Mannschaftskollegin Dorothea Wierer auf dem zweiten Platz des Gesamtweltcups.

Während dieser Jahre feierte Vittozzi ihre ersten beiden Weltcupsiege in Einzelrennen: Im Januar 2019 entschied sie in Oberhof sowohl den Sprint als auch die Verfolgung für sich, wobei sie im Sprint mit allen zehn Schüssen traf und in der Verfolgung von der zweiten Runde an einen klaren Vorsprung auf die Konkurrentinnen hatte, den sie trotz zweier Strafrunden bis ins Ziel hielt.[6] Zudem erreichte sie im Weltcup – begonnen mit einem dritten Rang in der Verfolgung von Kontiolahti im März 2017 – mehrere Podiumsergebnisse. Bei den Weltmeisterschaften 2019 in Östersund gewann sie im 15-Kilometer-Wettkampf die Silbermedaille und schoss dabei wie die Siegerin Hanna Öberg keinen Fehler. Über die gesamte Saison 2018/19 wies Vittozzi eine Trefferquote von 88 % auf und gehörte somit zu den besten Schützinnen im Weltcupfeld, wobei ihre besondere Stärke im Stehendanschlag mit einer Quote von 91 % lag.[7] Ihre Laufzeiten waren um etwa drei Prozent schneller als der Durchschnitt des Feldes. Damit blieb sie zwar hinter den besten Läuferinnen um Denise Herrmann und Kaisa Mäkäräinen zurück, war aber in etwa gleichauf mit Dorothea Wierer und Laura Dahlmeier.[8] Bis zum Weltcupfinale in Oslo standen Wierer und Vittozzi in Konkurrenz um den Gesamtweltcup[9], den Wierer letztlich mit 23 Punkten Vorsprung gewann. Vittozzi entschied den Disziplinenweltcup im Einzel für sich.

Zusätzliche Erfolge fuhr Vittozzi als Staffelmitglied ein: Im Dezember 2015 war sie Startläuferin des Quartetts um Karin Oberhofer, Federica Sanfilippo und Dorothea Wierer, das in Hochfilzen zum ersten Sieg einer italienischen Frauenstaffel in der Weltcupgeschichte lief.[10] Drei Jahre später wiederholte die Staffel (nun mit Alexia Runggaldier anstelle von Oberhofer) diesen Erfolg, erneut in Hochfilzen. Bei ihrer ersten Olympiateilnahme bei den Spielen 2018 in Pyeongchang gewann Vittozzi mit der Mixed-Staffel um Wierer, Lukas Hofer und Dominik Windisch die Bronzemedaille, ebenso 2019 bei der WM. Ab dem Sommer 2018 wurden diese vier Athleten in einer geschlechtergemischten Elite-Trainingsgruppe gesondert von den anderen italienischen Kaderathleten von Andreas Zingerle und Andrea Zattoni trainiert.[11]

Weitere Podiumsergebnisse (seit 2019)

In der Saison 2019/20 platzierte sich Vittozzi auf dem zehnten Rang des erneut von Dorothea Wierer gewonnenen Gesamtweltcups. Insbesondere in der ersten Saisonhälfte blieben ihre Leistungen dabei deutlich hinter denen des Vorwinters zurück, über die Saison gesehen sank ihre Trefferquote im Schießen um acht Prozentpunkte auf 80 %.[12] Ihr erstes Einzel-Podiumsergebnis des Winters erreichte sie im Januar 2020 als Zweite des Massenstarts auf der Pokljuka. Zum Saisonfinale folgte ein dritter Rang in der Verfolgung von Kontiolahti. Erfolge feierte Vittozzi erneut mit der Mixed-Staffel, die in der gleichen Besetzung wie in den vorherigen Wintern den Weltcupauftakt in Östersund für sich entschied und bei den Heim-Weltmeisterschaften 2020 in Antholz die Silbermedaille hinter Norwegen gewann. In der Frauenstaffel liefen Vittozzi und Wierer an den ersten Positionen laufend einen Vorsprung von einer Minute heraus, das Team fiel durch mehrere Strafrunden von Federica Sanfilippo und Michela Carrara aber letztlich auf Rang zehn zurück.

Öffentliches Bild

Die Erfolge Lisa Vittozzis und insbesondere Dorothea Wierers trugen in den späten 2010er Jahren zur Popularisierung der Sportart Biathlon in Italien bei.[13] Dabei spielte auch das Verhältnis der beiden Teamkolleginnen eine Rolle, insbesondere ab der Saison 2018/19, in der sie die Ränge eins und zwei im Gesamtweltcup belegten. In einem Interview während des Winters gaben beide an, gut miteinander auszukommen, aber komplett verschiedene Charaktere zu sein: Wierer bezeichnete Vittozzi als „viel ruhiger und konzentrierter“ als sie selbst und bescheinigte ihr – anders als sich – „[d]en Willen, stundenlang hart zu arbeiten“. Vittozzi wiederum erklärte, sie habe sich ihre gesamte Karriere an der fünf Jahre älteren Wierer orientiert und „jeden Tag mit dem Ziel trainiert, zu ihr aufzuschließen“.[14] Auch medial wurde Vittozzi als „bescheiden“[15] beziehungsweise „[u]nscheinbar“[16] charakterisiert, im Gegensatz zur als extrovertiert geltenden Wierer.

Im Vorfeld der Heim-Weltmeisterschaften 2020 in Antholz erfuhr ein Interview Vittozzis mit der Lokalzeitung Messaggero Veneto breite mediale Rezeption.[15] Darin kritisierte sie, dass Wierer die Staffel bei den Weltmeisterschaften 2019 im Gegensatz zu ihr ausgelassen hatte, wodurch ihre Konkurrentin eine längere Erholungszeit für den abschließenden Massenstart gehabt habe.[17] Wierer zeigte sich von den Aussagen Vittozzis „enttäuscht“ und wies den Vorwurf zurück, beide betonten aber, der Konflikt sei medial übertrieben dargestellt und nach einer Aussprache beigelegt worden.[18] Im ersten WM-Rennen liefen Vittozzi und Wierer gemeinsam mit Lukas Hofer und Dominik Windisch zur Silbermedaille in der Mixed-Staffel.

Statistiken

Weltcupplatzierungen

Die Tabelle zeigt alle Platzierungen (je nach Austragungsjahr einschließlich Olympische Spiele und Weltmeisterschaften).

  • 1.–3. Platz: Anzahl der Podiumsplatzierungen
  • Top 10: Anzahl der Platzierungen unter den ersten zehn (einschließlich Podium)
  • Punkteränge: Anzahl der Platzierungen innerhalb der Punkteränge (einschließlich Podium und Top 10)
  • Starts: Anzahl gelaufener Rennen in der jeweiligen Disziplin
  • Staffel: inklusive Mixedstaffeln
Platzierung Einzel Sprint Verfolgung Massenstart Staffel Gesamt
1. Platz 1 1 4 6
2. Platz 1 1 2 3 7
3. Platz 1 1 4 7 13
Top 10 5 16 14 5 33 73
Punkteränge 7 37 30 17 42 133
Starts 12 48 35 17 42 154
Stand: Saisonende 2019/20

Weltcupsiege

Einzelrennen Staffelrennen
Nr. Datum Ort Disziplin
1. 10. Jan. 2019 Deutschland  Oberhof Sprint
2. 12. Jan. 2019 Deutschland  Oberhof Verfolgung
Nr. Datum Ort Disziplin
1. 13. Dez. 2015 Osterreich  Hochfilzen Staffel1
2. 11. März 2018 Finnland  Kontiolahti Mixed-Staffel2
3. 16. Dez. 2018 Osterreich  Hochfilzen Staffel3
4. 30. Nov. 2019 Schweden  Östersund Mixed-Staffel2

Olympische Winterspiele

Einzelwettbewerbe Staffelwettbewerbe
Sprint Verfolgung Einzel Massenstart Damenstaffel Mixedstaffel
Olympische Winterspiele 2018

Korea Sud  Pyeongchang

6. 11. 32. 4. 9. 3.

Weltmeisterschaften

Einzelwettbewerbe Staffelwettbewerbe
Sprint Verfolgung Einzel Massenstart Damenstaffel Mixed-Staffel
Weltmeisterschaften 2015
Finnland  Kontiolahti
59. 40. 3.
Weltmeisterschaften 2016
Norwegen  Oslo
20.. 13. 17. 7.
Weltmeisterschaften 2017
Osterreich  Hochfilzen
4. 14. 36. 11. 5. 4.
Weltmeisterschaften 2019
Schweden  Östersund
21. 10. 2. 8. 10. 3.
Weltmeisterschaften 2020
Italien  Antholz
6. 27. 71. 30. 10. 2.
Commons: Lisa Vittozzi  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Lisa Vittozzi. Eurosport, abgerufen am 23. Februar 2020.
  2. Lisa Vittozzi: "Ho iniziato a 13 anni prima col fondo e poi col biathlon" auf neveitalia.it. 17. September 2014.
  3. Marina D'Incerti: Chi è Lisa Vittozzi, campionessa di biathlon auf donnamoderna.com. 12. Januar 2019.
  4. 12/12- BIATHLON: Lisa Vittozzi alle Olimpiadi Giovanili di Innsbruck auf fisifvg.org. 12. Dezember 2011.
  5. Massimo Brignolo: Biathlon: Lisa Vittozzi medaglia d’Oro nella Sprint ai Mondiali Giovani auf olympialab.com. 28. Februar 2014. Der Artikel nennt nur Wierers Sieg 2009 in der Verfolgung, die Südtirolerin entschied aber bereits 2008 das Einzelrennen für sich.
  6. Biathlon - Storica doppietta di Lisa Vittozzi a Oberhof! auf fondoitalia.it. 12. Januar 2019.
  7. IBU Biathlon Guide 2019/20, S. 398. Online verfügbar als PDF.
  8. IBU Biathlon Guide 2019/20, S. 400. Online verfügbar als PDF.
  9. Stefano Arcobelli: Biathlon. Vittozzi e Wierer, la volata per la Coppa a Oslo. In: La Gazzetta dello Sport. 20. März 2019. Auch Anastasiya Kuzmina und Marte Olsbu Røiseland hatten vor dem Saisonfinale am Holmenkollen noch Chancen auf den Gesamtweltcupsieg, lagen aber bereits deutlich hinter den drei Rennen vor Schluss punktgleichen Italienerinnen zurück.
  10. Francesco Paone: Vittozzi, Oberhofer, Sanfilippo, Wierer scrivono la storia. L'Italia vince la staffetta femminile di Hochfilzen! auf neveitalia.it. 13. Dezember 2015.
  11. Giulio Gasparin: Das italienische Experiment. In: Biathlonworld. Nr. 52/2019. Online verfügbar als PDF.
  12. Lisa Vittozzi in der Datenbank der IBU (englisch)
  13. Claus Dieterle: „Doro“ Wierer und der große Kult. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 20. Februar 2020.
  14. Giulio Gasparin: Die ungleiche Biathlonzwillinge aus Italien. Doro e Lisa. In: Biathlonworld. Nr. 49/2019, S. 68–78. Online verfügbar als PDF.
  15. 1 2 Volker Kreisl: Großes Kino. In: Süddeutsche Zeitung. 15. Februar 2020, S. 40. Abgerufen via Munzinger Online.
  16. Jürgen Kemmer: Zickenzoff auf Italienisch. In: Stuttgarter Nachrichten. 13. Februar 2020.
  17. Antonio Simeoli: Buon compleanno Lisa: il racconto dei suoi primi 25 anni. In: Messaggero Veneto. 4. Februar 2020.
  18. Dorothea Wierer: „Ich war geschockt von ihren Aussagen“ auf rainews.it. 11. Februar 2020.