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vom 30.01.2017, aktuelle Version,

Manfred Buchroithner

Professor Manfred Buchroithner im Jahre 2006 am Fuße des Mount Everest

Manfred Ferdinand Buchroithner (* 17. Dezember 1950[1] in Wels) ist ein österreichischer Kartograf, Geologe, Hochgebirgsforscher und Bergsteiger.

Leben

Nach der Matura 1969 am Realgymnasium in Linz leistete Manfred Buchroithner seinen Militärdienst, ehe er 1970 sein Studium der Geologie und Paläontologie, der Mineralogie und Petrografie sowie der Philosophie an der Universität Graz begann. In den Jahren 1976 und 1977 absolvierte er die Ausbildung zum Staatlich Geprüften Österreichischen Berg- und Schiführer. 1977 promovierte er an der Universität Graz und arbeitete hier anschließend als Forschungsassistent. 1979 und 1980 weilte er zu einem postdoktoralen Studium von Fernerkundung und Kartografie am International Institute for Aerospace Survey and Earth Sciences (ITC), dem späteren International Institute for Geo-Information Science and Earth Observation und der heutigen Faculty of Geo-Information Science and Earth Observation der Universität Twente in Enschede, welches er mit dem Diplom (mit Distinktion) abschloss. Prägend für Buchroithners weitere Laufbahn war seine Teilnahme an einer 1975 stattfindenden mehrmonatigen Forschungsexpedition in den afghanischen Wachankorridor.

Ab 1980 arbeitete Manfred Buchroithner unter Erik Arnberger am Institut für Kartographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien. Im Sommersemester 1982 nutzte er ein Fulbright-Stipendium für Studien in Fort Worth (Texas), Denver und Boulder (Colorado) sowie an der Stanford University (Kalifornien). Im Jahr 1984 erfolgte seine Habilitation als Universitätsdozent für Allgemeine Geologie und Fernerkundung an der Universität Graz. Anschließend war er als Angestellter und von 1985 bis 1992 als Leiter des Instituts für Digitale Bildverarbeitung und Computergraphik der Forschungsgesellschaft Johanneum, heute Joanneum Research, in Graz tätig und lehrte 1989 als Gastprofessor an der Universität München. Ab 1992 war Manfred Buchroithner Ordinarius für Kartographie am Institut für Kartographie der Technischen Universität Dresden. Von 1994 bis 1997 sowie ab 2003 bis zu seiner Emeritierung 2016[2] war er Direktor dieses Instituts. Darüber hinaus war er 2000 sowie 2002 Gastprofessor an der Universität Salzburg, 2002 am Center for Energy and Processes (CEP) der École National Supérieur des Mines de Paris (ENSMP) in Sophia Antipolis bei Nizza, 2015 am Institute for Information Technology (IIT) des COMSATS in Islamabad (Pakistan) sowie an der Universität Bergamo (Italien).[3]

In seiner wissenschaftlichen Arbeit befasst sich Manfred Buchroithner neben den Schwerpunktthemen der echtdreidimensionalen Visualisierung raumbezogener Informationen, der Hochgebirgskartografie mit besonderem Augenmerk auf der dreidimensionalen, multitemporalen Gletscherkartierung mit Hilfe kosmischer Fernerkundungsdaten, die mittels KI ausgewertet werden,[4] sowie der Fernerkundungskartografie auch mit der allgemeinen dynamische Kartografie mittels Fernerkundungsdaten, mit Geoinformationssystemen für Umweltmonitoring, mit digitaler Medientechnik, Multimedia in der Kartografie und mit Internet-Kartografie sowie der Epistemologie der Kartographie. Zu den Anwendungen zählt die detaillierte kartographische Erfassung des Wattenmeeres, das sich wegen seiner Veränderlichkeit und Unwegsamkeit der Erfassung vom Boden aus entzieht, mittels Weltraumdaten.[5] Er initiierte und leitete mehrere wissenschaftliche Expeditionen in verschiedene Hochgebirge der Erde.[6][7][8] 1997/98 erstellte er die erste holographische Reliefkarte der welt (präsentiert 1999 auf der Internationalen Kartographischen Konferenz (ICC) in Ottawa).[9][10][5] Seine Forschung der späten 90er-Jahre im Bereich der Echt-3D-Kartographie mittels linsenhafter Folien mündete in zwei Patenten.[11][12]

Seit 1992 ist Manfred Buchroithner Scientific Advisor des Tibetischen Mount-Everest-Nationalparks „Qomolungma Nature Preserve (QNP)“. Er war von 1993 bis 1997 Vizepräsident der European Association of Remote Sensing Laboratories (EARSeL), wo er auch einer SIG zu Erdrutschen und Muren vorstand,[13] und von 1999 bis 2001 Generalsekretär der EURO-STRIM (Association for the Establishment of a European Master and Doctorate in Space Technologies for Risk Management). Seit 2002 ist er der Vizepräsident Bereich Internationales der Deutschen Gesellschaft für Kartographie und seit 2003 deren nationaler Delegierter bei der International Cartographic Association. 2011 war er als Vorsitzender des Fördervereins Geodäsie und Geoinformatik (FVGG) Initiator des Wissenschaftspreises der Deutschen Geodätischen Kommission zur Förderung hochqualifizierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (DGK-Preis).[14] Buchroithner war Mitinitiator der Gründung dreier Kommissionen der Internationalen Kartographischen Gesellschaft (ICA), namentlich der Kommission für Hochgebirgskartographie (1995), der Kommission für Planetare Kartographie (1995)[15] und der Kommission für Kartographie zu Katastrophenwarnung und Krisenmanagement (2003).

Manfred Buchroithner ist verheiratet und hat einen Sohn und eine Tochter.

Bergsteigerische Leistungen

Neben der Anbahnung und Durchführung zahlreicher wissenschaftlicher Hochgebirgsexpeditionen in Asien und den Anden war Buchroithner auch als Bergsteiger erfolgreich. Er war Soloerstbesteiger des Koh-e Asp-e Safed (6101 m, Afghanischer Pamir, 1975[16]) und unter den Erstbesteigern des Tenzin Gyatso Peak (5984 m, Tibetischer Himalaya, südlich des Karo La, in chinesischen Karten später als Jitan Zhoma mit 6004 m ausgewiesen, 1992, gemeinsam mit Hans-Dieter Sauer and Bernhard Jüptner). Buchroithner war an der zweiten Besteigung des Koh-e Bardar beteiligt (6078 m, Afghanischer Pamir, über den Nordgrat, mit Gernot Patzelt, Heinz Badura and Martin Posch) 1975, drei Tage nach der Erstbesteigung durch eine polnische Expedition.[17] 1978 eröffnete er mit Rudi Brandstetter eine neue Direktroute durch die Ostwand des Nevado Rasac (6017 m, Cordillera Huayhuash, Peruanische Anden).[18]

Er erstieg, großteils solo, etliche Sechstausender und zahlreiche Fünftausender in den Anden und in asiatischen Hochgebirgen. Außerdem eröffnete er mehrere Sportkletterrouten in den Gebirgen südöstlich Wiens sowie im Grazer Bergland. Hinzu kommen zahlreiche Solobesteigungen in den gesamten Alpen, Skandinavien, den Rocky Mountains, den Anden, der Hindukusch-Karakorum-Himalaya-Kette, auf Borneo und in Neuseeland.

Wegen seiner Expertise sowohl beim Bergsteigen als in der Kartographie trug Buchroithner zu zahlreichen Alpenvereinskarten bei, beispielsweise:

Wichtigste Veröffentlichungen

Bücher

  • Remote Sensing. Towards Operational Application; Joanneum Research, Graz 1987 (Mitherausgeber, zusammen mit Robert Kostka)
  • Die Herstellung der österreichischen Satellitenbildkarten 1:100000 und 1:200000; Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1987
  • Fernerkundungskartographie mit Satellitenbilddaten. Band IV/2 der Enzyklopädie der Kartographie und ihrer Randgebiete; Verlag Deuticke, Wien 1989
  • Europe. From Sealevel to Alpine Peaks, from Iceland to the Urals; Joanneum Research, Graz 1991 (Herausgeber)
  • Applications of Imaging Radar for Hydro-Geological Disaster Management. A Review; Harwood Academic Publishers, Amsterdam / Chur 1995 (zusammen mit Klaus Granica)
  • High Mountain Remote Sensing Cartography ; Institut für Kartographie, Dresden, 1996 (Herausgeber, Koautor)
  • High Mountain Cartography; Kartographische Bausteine 18; Institut für Kartographie, Kartographisch-Technische Einrichtung, Dresden 2000 (Herausgeber, Koautor)
  • Remote Sensing for Environmental Data in Albania. A Strategy for Integrated Management; Kluwer Academic Publishers, Dordrecht 2000 (Herausgeber)
  • Karten und Gletscher; Institut für Kartographie, Dresden 2000 (Herausgeber, Koautor)
  • A Decade of Trans-European Remote Sensing Cooperation; Balkema, Lisse 2001 (Herausgeber)
  • True-3D in Cartography. Autostereoscopic and Solid Visualisation of Geodata. Reihe: Lecture Notes in Geoinformation and Cartography; Springer, Heidelberg 2012 (Herausgeber)
  • Terrigenous Mass Movements. Detection, Modelling, Early Warning and Mitigation Using Geoinformation Technology; Springer, Heidelberg 2012 (zusammen mit Biswajeet Pradhan, Herausgeber)
  • Cartography from pole to pole; Springer, Heidelberg 2013 (Mitherausgeber, Mitautor)
  • Paradigms in Cartography; Springer, Heidelberg 2014 (Mitautor)

Filme

  • Geowissenschaftliche Anwendung von Satellitenbilddaten; 1982 (mit Lothar Beckel)
  • Radar Stereo Mapping from Space; 1988 (zusammen mit Hannes Raggam und Gerhard Triebnig)
  • Das Loch im Stein; 1999 (englisch 2000)
  • Routensucher in der Atacama; 2005
  • Zwischen Gobi und Himalaja. Über das kartographische Werk von Sven Hedin; 2006 (zusammen mit Antje Oppitz)
  • Einsatz in der Südwand. Die neue Dimension der Bergrettung; (zusammen mit Thomas Hillebrandt); 2011

Patente

  • 2004: Topographische Karte (dreidimensional erfassbar; zusammen mit Thomas Gründemann und Klaus Habermann); DE 10 2004 060 069; international 2006: WO 2006/061014[11]
  • 2004: Dreidimensional visuell erfassbare topographische Karte (zusammen mit Thomas Gründemann und Klaus Habermann); DE 10 2004 060 070; international 2006: WO 2006/061015; USA 2009: US 2009/0104588[12]
  • 2013: Verfahren und Anordnung zur Ortung und Bergung von Personen (zusammen mit Guido Ehlert, Bernd Hetze, Horst Kohlschmidt, Nikolas Prechtel); EP 13158991.3-1812[23]

Akademika

Siehe auch

Literatur

  • Jörg Albertz, Hans-Peter Bähr, Helmut Hornik, Reinhard Rummel (Herausgeber): Am Puls von Raum und Zeit. 50 Jahre Deutsche Geodätische Kommission. Festschrift; Verlag der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München 2002. ISBN 3-7696-9669-7
  • Klaus Gertoberens: Sächsische Erfindungen. 1650 bis heute. Edition Sächsische Zeitung, Dresden 2008. ISBN 978-3-938325-31-5
  • Madeleine Godefroy, Gunnar Østrem, Robin Vaughan: EARSeL’s History. The First 30 Years of the European Association of Remote Sensing Laboratories; European Association of Remote Sensing Laboratories, Hannover 2008. ISBN 978-3-00-024311-0
  • Christiane Martin: GIS-Szene Serie: Professoren und ihre Forschungsfelder. Teil 1: Kartierung von Gletschern. Auf dem Dach der Welt. In: GIS Business 1/2 – 2007
  • Dorit Petschel: Die Professoren der TU Dresden 1828–2003. Band 3 der Reihe: 175 Jahre TU Dresden; Böhlau Verlag, Köln 2003. ISBN 3-412-02503-8

Einzelnachweise

  1. Kartographische Nachrichten, 65. Jg., Nr. 5/2015, ISSN 0022-9164, S. 320
  2. Buchroithner, Prof. Dr. Manfred (Geologie) — Editorial Board — Informationen zum Austria-Forum. In: austria-forum.org. Abgerufen am 30. Dezember 2016.
  3. Georg Gartner: Laudatio anlässlich der Verleihung der Friedrich Hopfner-Medaille am 10. November 2010 an Prof. Manfred Buchroithner. In: oegk-geodesy.at. S. 22, abgerufen am 17. Januar 2016.
  4. Auf dem Dach der Welt. In: GIS-Business 1/2 2007. S. 40-41, abgerufen am 20. Dezember 2016 (PDF).
  5. 1 2 TU-Kartographen wollen Höhenmodell vom Watt bauen. In: Universitätsjournal — Die Zeitung der Technischen Universität Dresden. TU Dresden, abgerufen am 28. Dezember 2016.
  6. CURRICULUM VITAE. Abgerufen am 19. Juli 2015.
  7. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  8. 1 2 TUD - Institut für Kartographie - Prof. Eur.-Ing. Dipl.-Geol. Dr.phil.habil. Manfred F. Buchroithner. In: tu-dresden.de. Abgerufen am 10. Januar 2016.
  9. Virtuell durch die Alpenhöhle fliegen. In: Universitätsjournal. TU Dresden, 22. Juni 1999, S. 1, abgerufen am 20. Dezember 2016 (PDF).
  10. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  11. 1 2 DE2005002233 TOPOGRAPHIC MAP. In: patentscope.wipo.int. Abgerufen am 10. Januar 2016.
  12. 1 2 DE2005002234 TOPOGRAPHIC MAP THAT CAN BE VISUALLY PERCEIVED IN A THREE-DIMENSIONAL MANNER. In: patentscope.wipo.int. Abgerufen am 10. Januar 2016.
  13. EARSeLʼs HISTORY — The First 30 Years. EARSeL, S. 31,76, abgerufen am 20. Dezember 2016 (PDF).
  14. Wissenschaftspreis der Deutschen Geodätischen Kommission ("DGK-Preis"). In: dgk.badw.de. Abgerufen am 19. Oktober 2015.
  15. About us — ICA Commission on Planetary Cartography. In: planetcarto.wordpress.com. Abgerufen am 19. Oktober 2015.
  16. Roger Senclarens de Grancy, Robert Kostka: Großer Pamir: Österr. Forschungsunternehmen 1975 in den Wakhan-Pamir/Afghanistan. Akademische Druck- und Verlagsanstalt, , ISBN 9783201010764.
  17. Robert Kostka: Heinz Badura (1940 – 2013) — Auslandsbergfahrten 1966 – 2012. In: Mitteilungen 2014. OeAV Akademische Sektion Graz, S. 72, abgerufen am 6. September 2015.
  18. Cordillera Huayhuash 1978. Abgerufen am 6. September 2015.
  19. Robert Kostka: Die Kartographie im Alpenverein: an der Schwelle zum 21. Jahrhundert; Weishaupt, Gnas 2014; p. 128
  20. Robert Kostka: Die Kartographie im Alpenverein: an der Schwelle zum 21. Jahrhundert; Weishaupt, Gnas 2014; p. 120
  21. 1 2 Robert Kostka: Die Kartographie im Alpenverein: an der Schwelle zum 21. Jahrhundert; Weishaupt, Gnas 2014; p. 140
  22. Robert Kostka: Die Kartographie im Alpenverein: an der Schwelle zum 21. Jahrhundert; Weishaupt, Gnas 2014; p. 22f
  23. EP 2639597 A1 20130918 - Method and assembly for locating and rescuing people. In: data.epo.org. Abgerufen am 31. Mai 2015.
  24. Peter Aschenberner: Österreichische Geodätische Kommission ehrt Manfred Buchroithner mit der Friedrich-Hopfner-Medaille. In: Kartographische Nachrichten, 60. Jg., Nr. 6/2010
  25. Norbert Höggerl: Verleihung der Friedrich Hopfner-Medaille an Univ. Prof. Dr. Manfred Buchroithner. In: Österreichische Zeitschrift für Vermessung & Geoinformation 1/2011
  26. Robert Kostka: Friedrich-Hopfner-Medaille für Manfred F. Buchroithner (PDF) In: Mitteilungen 2011 — Akademische Sektion Graz. S. 32.
  27. Diplomas for outstanding services to ICA International Cartographic Association. In: icaci.org. Abgerufen am 19. Juli 2015.