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vom 25.04.2018, aktuelle Version,

Mariss Jansons

Mariss Jansons (2015)

Mariss Jansons (* 14. Januar 1943 in Riga) ist ein lettischer, international tätiger Dirigent. Oft wird fälschlicherweise der in Lettland weitaus häufigere Name Māris benutzt.

Leben

Mariss Jansons wurde in Riga als Sohn des lettischen Dirigenten Arvīds Jansons geboren. Seine Mutter Iraida war eine jüdische Mezzosopranistin.[1] Sie brachte ihren Sohn in einem Versteck zur Welt, in das sie sich geflüchtet hatte, nachdem ihr Vater und ihr Bruder im Rigaer Ghetto umgekommen waren. 1946 gewann sein Vater den zweiten Preis in einem nationalen Wettbewerb und wurde von Jewgeni Mrawinski zu seinem Assistenten bei den Leningrader Philharmonikern gemacht. 1956 folgte ihm seine Familie nach.

Jansons studierte Violine, Klavier und Dirigieren am Leningrader Konservatorium und ging 1969 nach Österreich, wo er seine Ausbildung bei Hans Swarowsky und Herbert von Karajan fortsetzte. 1973 wurde er wie sein Vater zuvor stellvertretender Dirigent der Leningrader Philharmoniker. Von 1979 bis 2000 war er Leiter des Osloer Philharmonie-Orchesters, mit dem er zahlreiche Aufführungen, Aufnahmen und Tourneen hatte. 1996 erlitt er beim Dirigieren der letzten Partiturseiten von La Bohème einen lebensbedrohlichen Herzanfall auf dem Podium in Oslo (sein Vater war beim Dirigieren verstorben). 1992 wurde er zum Haupt-Gastdirigenten des London Philharmonic Orchestra, 1997 zum Chefdirigenten des Pittsburgh Symphony Orchestra ernannt. Seit Herbst 2003 ist er als Nachfolger Lorin Maazels Chefdirigent beim Chor des Bayerischen Rundfunks und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks; von September 2004 bis März 2015 war er zusätzlich Chefdirigent des Amsterdamer Concertgebouw-Orchesters,[2] hier in der Nachfolge von Riccardo Chailly.

Im Jahr 2006 leitete Jansons erstmals das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker.[3] Im Oktober 2007 führte Jansons mit dem Chor und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks die Neunte Symphonie von Ludwig van Beethoven und die Chormotette Tu es Petrus von Giovanni Pierluigi da Palestrina im Vatikan auf; das Konzert wurde von zahlreichen Sendern weltweit übertragen.

Weitere Meilensteine der Zusammenarbeit mit den Klangkörpern des Bayerischen Rundfunks waren die Aufführungen der Requien von Verdi, Mozart und Dvořák; von Strawinskis Psalmensinfonie, Poulencs Stabat Mater und Leonard Bernsteins Chichester Psalms. Im Karajan-Gedenkjahr führte der Karajan-Schüler Johannes BrahmsDeutsches Requiem auf, eines der Lieblingswerke Karajans, das von der Presse als überragendes Klangereignis gefeiert wurde.

Am 20. April 2010 wurde bekannt, dass Jansons die nächsten Monate wegen Krankheit ausfallen werde. Bei seinem für den 3. Mai 2010 vorgesehenen Debüt an der Wiener Staatsoper (als Dirigent der Bizet-Oper Carmen) vertrat ihn sein Schüler und Landsmann Andris Nelsons am Pult.[4] 2012 dirigierte Mariss Jansons zum zweiten Mal das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker.[5]

Im Herbst 2012 haben das Symphonieorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks mit Mariss Jansons in der Suntory Hall in Tokio den Zyklus aller neun Beethoven-Symphonien aufgeführt.[6]

Nach 2006 und 2012 leitete Jansons auch das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2016.

Auszeichnungen

1971 gewann Jansens den zweiten Preis beim Internationalen Dirigentenwettbewerb Herbert-von-Karajan.[7] Im Januar 2006 wurde ihm in Cannes auf der Midem ein Cannes Classical Award als Künstler des Jahres verliehen. Für die Aufnahme der 13. Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch erhielten Mariss Jansons und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks im Februar 2006 einen Grammy in der Kategorie „Beste Orchesterleistung“.

Jansons erhielt im Mai 2006 den „Drei-Sterne-Orden“, die höchste Auszeichnung der Republik Lettland.[8] Außerdem wurde er mehrfach von der Deutschen Phono-Akademie mit dem Echo Klassik geehrt; 2018 distanzierte es sich aufgrund einer Kontroverse von diesen Auszeichnungen.[9] Im selben Jahr erhielt er aus der Hand des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber den Bayerischen Verdienstorden. 2009 erhielt er das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst.[10] 2010 wurde ihm der Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst überreicht.[11] Im Juni 2013 wurde Jansons mit dem Ernst von Siemens Musikpreis ausgezeichnet.[12]

Am Tag der Deutschen Einheit 2013 erhielt er vom damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.[13]

Die Londoner Royal Philharmonic Society ehrte Mariss Jansons mit der Goldmedaille der britischen Konzertgesellschaft im November 2017.[14] Die „RPS Gold Medal“ gilt als einer der angesehensten Preise des klassischen Musikbetriebs. Jansons nahm die Medaille aus den Händen der Pianistin Mitsuko Uchida entgegen im Rahmen eines Gastkonzerts mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks am Abend des 24. November 2017 in der Londoner Barbican Hall.[15] Jansons ist damit der 104. Träger in der knapp 150-jährigen Geschichte der Auszeichnung.

Anlässlich seines 75. Geburtstags wurde eine Tulpensorte nach Jansons benannt.[16]

Im Januar 2018 wurde Jansons Ehrenmitglied der Berliner Philharmoniker.[17]

CD-Produktionen

Filme (Auswahl)

  Commons: Mariss Jansons  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Videos

Einzelnachweise

  1. Dokumentarfilm: Der Dirigent Mariss Jansons. In: BR, 9. Januar 2018.
  2. concertgebouworkest.nl: Mariss Jansons
  3. So, 01. Jänner 2006. Neujahrskonzert, Dirigent Mariss Jansons. In: Wiener Philharmoniker.
  4. dpa: Dirigent Mariss Jansons erkrankt. In: Frankfurter Rundschau, 20. April 2010.
  5. So, 01. Jänner 2012 Neujahrskonzert, Dirigent Mariss Jansons. In: Wiener Philharmoniker.
  6. Pressemitteilung: Symphonieorchester mit Mariss Jansons aus Tokio. In: Bayerisches Fernsehen, 12. Dezember 2013.
  7. berliner-philharmoniker.de: Ehrenmitgliedschaft für Mariss Jansons
  8. Pasniedzot Triju Zvaigžņu ordeni diriģentam Marisam Jansonam Rīgas pilī. In: Latvijas Vēstnesis, 24. Mai 2006, (lettisch)
  9. Symphonie-Orchester unter Jansons löscht Echo aus Biografie auf frankenpost.de
  10. Rathauskorrespondenz: Hohe Auszeichnungen für Mariss Jansons und Thomas Angyan. In: Stadt Wien, 15. Jänner 2007.
  11. Träger des Bayerischen Maximiliansordens 2010. (Memento vom 22. Februar 2014 im Internet Archive) In: Bayerische Staatsregierung, 20. Oktober 2010.
  12. Preisträger 2013: Mariss Jansons. In: Ernst von Siemens Musikstiftung, mit Biografie und Fotogalerie.
  13. Pressemitteilung: Ordensverleihung zum Tag der Deutschen Einheit. In: Bundespräsidialamt, 4. Oktober 2013.
  14. Mariss Jansons Awarded RPS Gold Medal. In: Royal Philharmonic Society. 23. November 2017, abgerufen am 18. Januar 2018 (englisch).
  15. Gabriele Hein: Hohe Auszeichnung für Mariss Jansons. In: Bayerischer Rundfunk. 23. November 2017, abgerufen am 18. Januar 2018 (Pressemitteilung).
  16. Tulpensorte nach Mariss Jansons benannt, Musik heute, 15. Januar 2018
  17. Berliner Philharmoniker: Mariss Jansons wird Ehrenmitglied, SZ.de/dpa, 24. Januar 2018